Großbritannien

Randalierer sollen Schäden selbst reparieren

Gerechte Strafe: Wer während der Krawalle für Angst und Zerstörung sorgte, könnte zu Aufräum- und Reparaturarbeiten verpflichtet werden. Auch die Opfer sollen Gehör bekommen.

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Wegen ihrer Beteiligung an den Krawallen in Großbritannien verurteilte Randalierer sollen zu Aufräum- und Reparaturarbeiten verpflichtet werden. Vize-Premierminister Nick Clegg kündigte zudem die Gründung eines Ausschusses an, vor dem Opfer der Gewalt von den Geschehnissen berichten können. Premierminister David Cameron besuchte erstmals den Londoner Stadtteil Tottenham, den Ausgangspunkt der Randale.

Verurteilte Randalierer sollten „den angerichteten Schaden wieder gut machen, reparieren und die betroffenen Stadtteile besser machen“, sagte Clegg in London vor Journalisten. Sie sollten dabei orangefarbene Kleidung tragen, damit sie deutlich bei ihrem Einsatz zu erkennen seien.

In jedem Stadtteil, in dem es Krawalle gegeben habe, werde es solche „Rückzahlungs-Programme“ geben. Möglicherweise würden die Randalierer auch zu einer Gegenüberstellung mit Opfern der Ausschreitungen verpflichtet, sagte Clegg.

Opfer sollen Gehör bekommen

Betroffene sollen zudem vor einem unabhängigen Ausschuss von der Gewalt Zeugnis ablegen können. Damit werde gewährleistet, dass die Opfer gehört würden, sagte Clegg. Die Ergebnisse der Anhörungen sollten in sechs bis neun Monaten veröffentlicht werden. Eine öffentliche Untersuchung der Ausschreitungen, wie sie die oppositionelle Labour-Partei gefordert hat, ist dies allerdings nicht.

Cameron besuchte in Tottenham ein Zentrum, in dem Kleider und Lebensmittel an Menschen ausgegeben werden, deren Wohnungen während der Krawalle durch Brände zerstört worden waren. In dem Stadtteil hatten die schweren Krawalle am 6. August begonnen.

„Ich bin überall im Land gewesen, um zuzuhören, aber hier hat alles angefangen“, sagte Cameron vor Vertretern der Rettungskräfte. Der „tragische Tod“ von Mark Duggan habe die Situation in Tottenham kompliziert gemacht, sagte er zur Begründung, weshalb er zehn Tage mit einem Besuch in dem Stadtteil wartete.

Der 29-jährige Duggan war am 4. August unter nach wie vor ungeklärten Umständen bei einem Polizeieinsatz in Tottenham getötet worden. Duggan wurde von der Polizei wegen mutmaßlicher Verbindungen zu einer kriminellen Bande überwacht; er war bewaffnet, machte aber offenbar von seiner Waffe keinen Gebrauch.

Zwei Tage später setzten in Tottenham die schweren Krawalle ein, die auch auf mehrere andere britische Städte übergriffen. Bei den vier Nächte andauernden Unruhen kamen insgesamt fünf Menschen ums Leben; landesweit wurden mehr als 2100 mutmaßliche Randalierer festgenommen und teilweise in Schnellverfahren verurteilt.

16-Jähriger unter Mordverdacht

Ein Gericht in Croydon im Süden von London ordnete am Dienstag Untersuchungshaft für einen 16-Jährigen an, der sich nach dem Tod eines 68-jährigen Rentners wegen Mordvorwürfen verantworten muss. Dem Jugendlichen werden auch gewalttätige Ausschreitungen und in vier Fällen Diebstahl während der Plünderungen zur Last gelegt.

Richter Robert Hunter überstellte das Verfahren an das Londoner Strafgericht Old Bailey, wo der Jugendliche am Donnerstag erscheinen soll. Der 31-jährigen Mutter des Jugendlichen wird Behinderung der Justiz vorgeworfen.

Der Rentner Richard Mannington Bowes war vor einer Woche im Londoner Stadtteil Ealing bewusstlos aufgefunden worden, nachdem er niedergeschlagen worden war. Er erlag drei Tage später seinen Verletzungen. Der Fall hatte für Entsetzen und Empörung gesorgt.