Nordkorea

Kim Jong Il reist nach Russlandbesuch gen China

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il befindet sich nach seinem Gespräch mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew in Sibirien wieder auf der Heimreise. Sein gepanzerter Zug werde in Kurze China passieren.

Nach seinem Besuch in Sibirien hat sich der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il am Donnerstag auf den Weg nach China gemacht. Sein gepanzerter Zug werde in Kürze durch die zu Russland gehörige Region Chita an der chinesischen Grenze fahren, hieß es aus lokalen Verwaltungskreisen. Die Schienenverbindung führt von dort direkt durch die chinesische Mandschurei und nicht durch den fernen Osten Russlands, durch den Kim auf seiner Hinreise am Samstag gereist war. Unklar war, ob sich Kim bei seiner Durchreise durch China dort auch aufhalten oder direkt weiter nach Nordkorea reisen würde.

In Sibirien hatte Kim Jong Il am Mittwoch Russlands Staatschef Dmitri Medwedew getroffen. In diesem Zusammenhang schwärmte Kim Jong Il von einer „sehr erfreulichen Reise“. Der Präsident habe einen warmen Empfang in Sibirien am Baikalsee bereitet, sagte der 69-Jährige in seinem militärgrünen Anzug. Wie schon 2002 kam der Diktator wegen Flugangst mit seinem gepanzerten Sonderzug aus Nordkorea.

Nach Kremlangaben erneuerte Kim auch seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen über sein umstrittenes Atomwaffenprogramm. Doch das war nicht alles.

Der Kreml äußerte sich am fünften Tag von Kims Reise unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls zufrieden. Demnach wollen Moskau und Pjöngjang – enge Verbündete aus Sowjetzeiten - neuen Anlauf für jede Menge gemeinsame Projekte nehmen.

Der Besuch Kims sei angesichts der gespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel bedeutungsvoll, sagte Medwedew. Der Gast sei offen und gesprächsbereit gewesen. Als besonderes Ergebnis hob der Kremlchef hervor, dass Nordkorea unter Beteiligung Russlands und Südkoreas den Bau einer Gaspipeline über sein Territorium von Experten prüfen lassen will. Der russische Gasmonopolist Gazprom plant bereits seit Jahren eine Versorgungsleitung nach Südkorea.

Wenngleich Experten das Projekt für schwierig bis politisch nicht machbar halten, warb Medwedew doch klar dafür. Demnach soll die Pipeline jährlich rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas über Nordkorea in den Süden der Halbinsel leiten. Das kommunistisch regierte und völlig verarmte, bisweilen Hunger leidende Nordkorea soll im Gegenzug für den Transit rund 100 Millionen Dollar pro Jahr einnehmen.

Aus nordkoreanischer Sicht sei dies ein Hauptgewinn, sagte der Korea-Experte Georgi Toloraja von der russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Für Südkorea sei das Vorhaben allerdings ein absolutes Risiko, weil der kommunistische Nachbar ein neues Druckmittel bekomme, sagte Toloraja nach Angaben der Agentur Interfax. Es bestehe die Gefahr, dass Nordkorea im Konfliktfall den Gashahn zudrehe oder für den Eigenbedarf immer etwas abzapfe.

Die Leitung könne zwar die wirtschaftliche Lage Nordkoreas verbessern. „Damit würde sich aber die Möglichkeit eines Kollapses des Regimes hinauszögern – und das ist nicht im Interesse Südkoreas“, betonte Toloraja. Moskauer Medien hatten außerdem über intensive wirtschaftliche, politische sowie militärische Kontakte zwischen Moskau und Pjöngjang berichtet. Geplant sei auch der Schienenanschluss Koreas an die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn, hieß es.

Aus Sicht russischer Kommentatoren wollte Kim mit seiner Reise die Kontakte zum Verbündeten aus Sowjetzeiten wiederbeleben, um sich nicht mehr nur einseitig auf seinen Nachbarn China zu konzentrieren. Auch Medwedew hat immer wieder erklärt, die alten Beziehungen aus den Zeiten des Kalten Krieges – etwa auch zu Kuba und Venezuela – mit neuen Inhalten füllen zu wollen.

Zwar steht Pjöngjang noch aus kommunistischen Zeiten bei Moskau mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide, wie russische Finanzbeamte aus Anlass des Besuchs betonten. Dennoch sprachen Delegationsteilnehmer von einer gewünschten neuen Annäherung. Moskaus Medien schrieben zudem in den vergangenen Tagen, dass Kim auch für die geplante Machtübergabe an seinen Sohn Kim Jong Un werben wollte.

Die jüngste Reisetätigkeit Kims sahen Beobachter nicht zuletzt als Gegenbeweis für Berichte über den schlechten Gesundheitszustand des Diktators. Fotos in russischen Zeitungen zeigten Kim, wie er von russischen Schönheiten mit Brot und Salz empfangen wurde. Er soll auch Spaziergänge unternommen, im Baikal gebadet und mit Kaviar und sibirischem Honig verwöhnt worden sein. Medien berichteten aber von strengen Foto- und Ausgangsverboten für Bewohner. Am Abend trat Kim die Rückreise nach Pjöngjang an.

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