Staatsbesuch

Kim bereist Russland unter strenger Geheimhaltung

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-il wird unter strenger Geheimhaltung in Russland empfangen. Kim ist für die Sorge um seine Sicherheit bekannt.

Zum Auftakt seines Besuchs in Russland hat sich der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-il erfreut über die Entwicklung des Landes gezeigt und seinem Gastgeber für einen freundlichem Empfang gedankt. Kims gepanzerter Zug hielt am Samstagmorgen in der russischen Grenzstadt Chasan, bevor er weiter Richtung Westen, wie die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete.

Kim ist dafür bekannt, aus Sorge um seine Sicherheit für seine Reisen stets die Bahn zu benutzen. In Chassan verließ er den Zug nicht, sondern winkte lediglich den auf dem Bahnsteig zu einer Willkommenszeremonie versammelten russischen Staatsvertretern zu, wie das russische Fernsehen berichtete. Der Besuch begann unter großer Geheimhaltung.

Wiederaufnahme der internationalen Atomgespräche?

Kim kam auf Einladung des russischen Präsidenten Dimitri Medwedew nach Russland und will mit ihm über eine Wiederaufnahme der internationalen Atomgespräche und den Bau einer Gaspipeline sprechen. Zunächst sei Kim in Chasan von Vertretern der russischen Verwaltung empfangen worden, berichtete KCNA.

Diese hätten von einer „historischen Gelegenheit“ gesprochen, die bilateralen Beziehungen zu stärken. Kim habe für den herzlichen Empfang gedankt und die Erfolge des russischen Volkes gewürdigt.

Der Zug fuhr dann weiter in die Region Amur im Osten, wo Kim nach einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag ein Wasserkraftwerk besuchte. Russland hat angeboten, überschüssige Energie aus dem Kraftwerk über Nordkorea an Südkorea zu liefern.

Der Besuch soll etwa eine Woche dauern. Politische Beobachter erklärten, Kim gehe es wohl in erster Linie um dringend benötigte Lebensmittelhilfen für sein Land und die Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen. Der nordkoreanische Staatschef wurde begleitet von außenpolitischen Beratern und Vertretern der Streitkräfte. Sein Sohn und wahrscheinlicher Nachfolger Kim Jong Un war nicht dabei.

Noch kein Datum für Treffen mit russischem Präsidenten

Der staatliche russische Fernsehsender Rossija 24 berichtete, Medwedjew werde Kim in Ulan Ude in der Nähe des Baikalsees treffen. Kim müsste rund 3.000 Kilometer auf den Schienen der Transsibierischen Eisenbahn fahren, um von Chasan nach Ulan Ude zu kommen. Ein Datum für das Treffen wurde nicht genannt.

Kim hatte Russland zuletzt im Jahr 2002 besucht. Erst am Freitag hatten beide Länder erklärt, Moskau werde Lebensmittel nach Nordkorea schicken.

Für verstärkte Zusammenarbeit mit Moskau ausgesprochen

Nordkorea hat in jüngster Zeit seine Bemühungen verstärkt, Hilfslieferungen zu bekommen und die internationalen Atomgespräche wieder aufzunehmen. Vergangene Woche hatte die Regierung in Pjöngjang erklärt, Medwedew habe sich in einem Schreiben für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Moskau und den beiden koreanischen Staaten auf dem Energiesektor ausgesprochen.

Im Mai besuchte ein nordkoreanischer Diplomat New York, um eine mögliche Wiederaufnahme der Atomgespräche zu diskutieren.