Gewalt im Kosovo

Kfor-Soldaten übernehmen ausgebrannten Grenzposten

Nach den Gewaltausbrüchen an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien herrscht wieder Ruhe: Kfor-Soldaten übernahmen den Grenzübergang – doch die Stimmung bleibt explosiv.

Im Kosovo hat sich die Lage nach den Gewaltausbrüchen der vergangenen Tage zunächst wieder beruhigt. Starke Verbände der internationalen Schutztruppe Kfor übernahmen den von Serben niedergebrannten Grenzübergang Jarinje. Serbiens Präsident Boris Tadic appellierte an seine Landsleute, auf weitere Gewalt zu verzichten. Kosovos Regierungschef Hashim Thaci lehnte alle Kompromisse ab, solange Serbien Waren mit einem Importverbot belegt.

Im Kosovo, das sich 2008 für unabhängig erklärt hatte, kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Serben und albanisch-stämmigen Kosovaren. In der ehemaligen serbischen Provinz mit insgesamt zwei Millionen Einwohnern leben heute nur noch etwa 100.000 Serben. Im Norden sind sie jedoch mit weitem Abstand die größte Bevölkerungsgruppe. Hier hat die Kosovo-Regierung nur wenig Einfluss.

Der Sicherheitsrat ist offenbar gespalten

Der UN-Sicherheitsrat, in dem Deutschland derzeit den Vorsitz hat, will über die neue Krise beraten. Dazu reiste auch Serbiens Außenminister Vuk Jeremic nach New York. Nach inoffiziellen Informationen ist der Sicherheitsrat gespalten. Während China und Russland aufseiten der Serben stünden, zeigten die USA und Großbritannien Verständnis für die Position der Albaner, hieß es.

Im Kosovo selbst gehen die Verhandlungen zwischen den Regierungen in Pristina und Belgrad unter Vermittlung des Kfor-Kommandanten Erhard Bühler weiter. Die Serben wollen erreichen, dass im zerstörten Grenzübergang Jarinje nach seiner Wiedereröffnung erneut serbische Beamte ihren Dienst verrichten. Anfang dieser Woche hatte die Kosovo-Regierung den Grenzpunkt übernommen, weil sich die Serben nicht an die Anweisungen aus Pristina hielten.

Kosovo will keine Kompromisse eingehen

In Brnjak, dem zweiten umstrittenen Grenzübergang, herrschte Ruhe. Dort hatten am Vortag Zöllner und Grenzpolizisten der Kosovo-Regierung ihren Dienst angetreten. Zuvor hatte die Regierung in Pristina diese Grenzstelle durch Spezialpolizisten einnehmen lassen. Sie war bis dahin ebenfalls von Serben kontrolliert worden.

Thaci hatte die serbische Regierung beschuldigt, hinter der Verwüstung des Grenzübergangs Jarinje zu stehen. „Die Gewalttaten sind bestellt, geplant und geleitet von den höchsten Ebenen der serbischen Regierung“, sagte der Ministerpräsident in Pristina. Trotzdem werde es „keine Kompromisse geben“.

Serbien distanziert sich von den Gewalttätern

Serbiens Staatsoberhaupt Tadic rief kurze Zeit später die Serben zur Ruhe auf und distanzierte sich von den Gewalttätern. „Die Extremisten und die Hooligans arbeiten mit ihrer Gewalt gegen die Interessen der Bürger und des Staates Serbien und unterstützen die extremistische albanische Seite“, kritisierte Tadic.

„Der Norden darf nicht fallen“, erklärte hingegen Goran Bogdanovic, der in der serbischen Regierung für das Kosovo zuständig ist. Die meisten serbischen Zeitungen schrieben, die Minderheit im Kosovo wehre sich gegen den Versuch der albanisch dominierten Kosovo-Regierung, den Norden des Landes vom „Mutterland“ Serbien abzuschneiden.

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