+++ Live-Ticker Libyen +++

Rebellen befreien 900 Häftlinge aus Gefängnis

Ein halbes Jahr nach dem Beginn des Aufstandes gegen Muammar al-Gaddafi steht das libysche Regime vor dem Ende. Doch der Aufenthaltesort des bisherigen Machthaber ist noch immer unbekannt. Morgenpost Online berichtet im Live-Ticker über die Ereignisse vor Ort.

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Auch US-Präsident Obama drängt Libyens Machthaber Gaddafi zur Aufgabe.

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+++ 16.59 Uhr +++ USA haben keinen Zweifel am Rebellen-Sieg +++

Die USA haben nach Angaben eines hohen Regierungsbeamten keinen Zweifel mehr an einem Sieg der Aufständischen über das Regime von Machthaber Muammar al-Gaddafi in Libyen. „Die Rebellen übernehmen ganz klar die Stadt (Tripolis) und die Institutionen“, sagte Jeffrey Feltman, zuständiger Abteilungsleiter im US-Außenministerium, dem amerikanischen Fernsehsender ABC am Montag. Gaddafi sei nur noch ein Teil der libyschen Geschichte.

Feltman, der sich während des Interviews im ägyptischen Kairo aufhielt, führte in den vergangenen Tagen in der libyschen Stadt Bengasi Gespräche mit den Rebellen, in denen es um den politischen Übergang in Libyen gegangen sei. Sie hätten ihm versichert, auf Rachemorde an Gaddafi-Anhängern zu verzichten und alle wichtigen öffentlichen Dienste aufrecht zu erhalten. „Wir werden sehen, was in der Praxis passiert. Das kann niemand wirklich vorhersagen.“

Nach Informationen der „New York Times“ bereiten sich die USA vor, mehr medizinische Vorräte und andere humanitäre Hilfe nach Libyen zu bringen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Washington rechnet nach eigenen Angaben mit einem chaotischen Übergang. Sie forderte die Nato auf, Racheakte, Plünderungen und andere Gewalt zu verhindern, wie sie nach dem Fall des irakischen Diktators Saddam Hussein auftrat.

+++ 16.36 Uhr +++ Rebellen befreien 900 Häftlinge in Tripolis +++

Rebellenkämpfer haben am Montag nach Angaben regimekritischer Medien etwa 900 Häftlinge aus dem Gefängnis Ain Zara bei Tripolis befreit. Die meisten von ihnen seien politische Gefangene, berichteten die Medien weiter. In der westlibyschen Stadt Sawara gebe es unterdessen Kämpfe. Die Lage sei sehr brenzlig. Gaddafi-Truppen attackierten die Stadt aus drei Richtungen.

+++ 16.34 Uhr +++ Arabische Liga sichert Rebellen Unterstützung zu +++

Die Arabische Liga hat dem Übergangsrat der Rebellen in Libyen am Montag eine „vollständige Unterstützung“ zugesagt. Der Generalsekretär der Liga, Nabil al-Arabi, erklärte, an diesem Wendepunkt in der modernen Geschichte Libyens wünsche er der politischen Führung der Aufständischen Erfolg beim Übergang in eine neue Ära. Er kündigte Gespräche auf Ebene der Außenminister der arabischen Staaten an, um in Libyen einen friedlichen Übergang und Stabilität zu unterstützen.

+++ 16.20 Uhr +++ Deutschland wird sich am Wiederaufbau Libyens beteiligen +++

Deutschland wird sich nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Aufbau in Libyen beteiligen. „Es ist erfreulich, dass Gaddafi seine politische Macht verloren hat“, sagte Merkel am Montag auf dem Flug nach Zagreb. Nun beginne der Prozess des Wiederaufbaus und der Aufbau demokratischer Strukturen. „Daran werden die internationale Staatengemeinschaft und Deutschland intensiv mitarbeiten“, sagte Merkel mit Verweis auf das bevorstehende Treffen der Libyen-Kontaktgruppe in Paris.

+++ 15.20 Uhr +++ Schiff soll hunderte Gastarbeiter in Sicherheit bringen +++

Mit einem gecharterten Schiff will die Internationale Organisation für Migration (IOM) hunderte Einwanderer und Gastarbeiter aus der umkämpften libyschen Hauptstadt Tripolis in Sicherheit bringen. Die „Tasucu“ mit einer Kapazität von 300 Passagieren habe am Montagmorgen den Hafen der Rebellenhochburg Bengasi im Osten des Landes verlassen und werde voraussichtlich am Dienstag in Tripolis ankommen, teilte die IOM mit. Mehr als 5000 Gastarbeiter und Einwanderer aus Bangladesch, den Philippinen und Ägypten hätten die IOM um Hilfe bei der Ausreise gebeten. Es sei unklar, wie viele Ausländer Tripolis darüber hinaus verlassen wollten.

Die IOM rief die Kampfparteien auf, den Flüchtlingen einen sicheren Zugang zum Hafen zu gewähren. Von Tripolis sollen die Gastarbeiter erst nach Bengasi und später nach Ägypten gebracht werden. Von dort aus sollen sie bei ihrer Reise in ihre Heimat unterstützt werden.

+++ 15.14 Uhr +++ Rebellen wollen Gaddafi lebend +++

Die Führung der Aufständischen in Libyen will den untergetauchten Machthaber Muammar al-Gaddafi vor seine Richter bringen. „Wir hoffen, Gaddafi lebend gefangenzunehmen“, sagte

der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, am Montag auf einer von Fernsehsendern übertragenen Pressekonferenz in der Rebellenhochburg Bengasi. Die Welt solle Zeuge eines Prozess gegen den Diktator werden.

Er kündigte an, die neue Führung wolle nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes Frieden und Recht durchsetzen. „Wir streben nach einem Staat, in dem alle Menschen die gleichen Rechte haben“, sagte Dschalil. „Wir streben nach Frieden, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit.“ Die Revolution habe gewonnen, wenn Gaddafi festgenommen sei.

+++ 14.50 Uhr +++ Keine Kenntnis über Gaddafis Aufenthaltsort +++

Die Führung der libyschen Rebellen hat keine Kenntnis vom Versteck des bisherigen Machthabers Muammar al Gaddafi. „Niemand weiß, wo Gaddafi ist“, sagte der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, am Montag dem arabischen TV-Sender Al Arabija. Er bestätigte, dass es Gespräche mit dem Internationalen Strafgerichtshof über eine Überstellung des festgenommenen Gaddafi-Sohnes Saif al-Islam nach Den Haag gebe. Unterdessen berichteten arabische Sender, der libysche Regierungschef Al-Baghdadi Al-Mahmudi habe sich nach Tunesien abgesetzt.

+++ 14.02 Uhr +++ China will Libyen beim Wiederaufbau helfen +++

Die chinesische Regierung hat Libyen Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes zugesagt. China respektiere die Entscheidung der Bevölkerung, Muammar al-Gaddafi vertreiben zu wollen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking am Montag. „Wir hoffen, dass sich die Situation in Libyen frühzeitig stabilisiert, damit die Menschen dort ein normales Leben führen können.“ China sei bereit, mit der internationalen Gemeinschaft beim Wiederaufbau Libyens zusammenzuarbeiten.

Seit Anfang Juni hat es mehrere Treffen zwischen chinesischen Offiziellen und libyschen Oppositionsführern gegeben. China hatte zu Gaddafi seit 1969 gute Beziehungen unterhalten.

+++ 13.14 Uhr +++ IStGH-Chefankläger dringt auf Überstellung von Gaddafi-Sohn

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag drängt die libyschen Rebellen zu einer Überstellung des festgenommenen Sohnes von Machthaber Muammar al-Gaddafi, Saif al Islam. „Es ist Zeit für Gerechtigkeit, nicht für Rache“, sagte Luis Moreno-Ocampo am Montag.

Der Ankläger hatte Kontakt zu den Aufständischen aufgenommen und diese aufgefordert, das Gesetz nicht selbst in die Hand zu nehmen. Saif al Islam Gaddafi wird von dem Gericht in Den Haag wie sein Vater und der libysche Geheimdienstchef der Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt.

+++ 13.09 Uhr +++ 7,3 Milliarden Euro Gaddafi-Geld in Deutschland gesperrt

Deutschland will beim Wiederaufbau eines befreiten Libyens kräftig mitarbeiten und dafür auch gesperrtes Geld des Gaddafi-Regimes einsetzen. Derzeit seien etwa 7,3 Milliarden Euro auf deutschen Konten gesperrt, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Diese Mittel sollen so rasch wie möglich der neuen Regierung zur Verfügung gestellt werden.

Bereits vor einiger Zeit hatte Deutschland dem Nationalen Übergangsrat der libyschen Rebellen 100 Millionen Euro an Darlehen zugesagt. Diese Summe ist bereits durch die gesperrten Mittel abgesichert und soll den Angaben zufolge demnächst ausgezahlt werden.

+++ 13.06 Uhr +++ London will gesperrtes libysches Vermögen bald freigeben

Nach der weitgehenden Einnahme der libyschen Hauptstadt Tripolis durch die Rebellen will Großbritannien die eingefrorenen Vermögenswerte des Landes bald freigeben. Dies kündigte Premierminister David Cameron am Montag in London an. Der Schritt diene dazu, den Rebellen bei der Wiederherstellung der Ordnung im Land zu helfen, sagte Cameron.

Britische Diplomaten würden ihren Sitz von der Rebellenhochburg Bengasi im Osten des Landes nach Tripolis verlegen, sobald dies die Sicherheitslage erlaube. Großbritannien hatte finanzielle Sanktionen gegen Libyen verhängt.

+++ 12.59 Uhr +++ Westerwelle schließt Bundeswehr-Einsatz nicht aus

Außenminister Guido Westerwelle schließt den Einsatz von deutschen Soldaten in Libyen nach dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi nicht aus. Westerwelle verwies am Montag in Berlin darauf, dass von den Vereinten Nationen zum Beispiel der Wunsch nach Absicherung von humanitärer Hilfe kommen könnte. Dafür sei es derzeit aber noch „zu früh“. Zugleich rechtfertigte er nochmals die deutsche Enthaltung im UN-Sicherheitsrat.

Westerwelle sagte: „Ich schließe nicht aus, dass die Vereinten Nationen, wenn ein entsprechendes Mandat beschlossen werden sollte, auch verschiedene Staaten nach etwas fragen werden.“ Zunächst gehe es aber darum, dass sich das libysche Volk selbst demokratisch neu aufstellen müsse. „Die deutsche Kompetenz besteht vor allen Dingen darin, dass wir beim wirtschaftlichen Aufbau helfen können.“

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gab es vom Übergangsrat der libyschen Rebellen bislang keine Bitte um deutsche militärische Unterstützung

+++ 12.54 Uhr +++ EU sagt libyscher Opposition Hilfe zu

Die Europäische Union hat den Rebellen in Libyen Hilfe beim Aufbau eines demokratischen Staates versprochen. „In Libyen ist der Weg für Freiheit und Selbstbestimmung jetzt frei“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vom Montag in Brüssel. „Die Entwicklungen in Libyen geben dem arabischen Frühling neuen Schwung“, heißt es. „Das Streben der Völker in der Region nach Freiheit und Würde geht weiter. Die Europäische Union steht an ihrer Seite und unterstützt ihre demokratischen Hoffnungen und Entscheidungen.“

Der „unnachgiebige“ Einsatz der Opposition, der Nato, mehrerer EU-Staaten und regionaler Akteure führten zum Ende des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi. „Die EU wird gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft das Land beim Übergang zur Demokratie und beim wirtschaftlichen Wiederaufbau, gegründet auf sozialer Gerechtigkeit, Einbeziehung aller Beteiligten und territorialer Integrität, unterstützen.“

+++ 12.36 Uhr +++ Rebellen in Tripolis bekommen Verstärkung +++

Im Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis haben die Aufständischen am Montag Verstärkung bekommen. Aus ihrer östlich gelegenen Hochburg Misrata seien mehr als 1000 Bewaffnete nach Tripolis vorgestoßen, meldeten die Aufständischen. Die Kämpfe konzentrierten sich demnach auf das Gebiet um die Residenz von Muammar al-Gaddafi.

Dort haben sich nach diesen Angaben mehrere hundert afrikanische Söldner verschanzt. Auch in den von den Rebellen kontrollierten Straßenzügen der Stadt gebe es noch Heckenschützen auf den Dächern hoher Gebäude.

Der arabische TV-Sender Al Arabija berichtete unterdessen, Chamis al-Gaddafi, ein Sohn des Machthabers, sei mit Eliteeinheiten des Regimes unterwegs in das Zentrum von Tripolis. Eine starke Präsenz von Gaddafi-Truppen gebe es auch um das Hotel Rixos, wo sich die aus Tripolis berichtenden internationalen Journalisten befinden.

+++ 11.40 Uhr +++ Außenminister Westerwelle fordert Gaddafis Rücktritt +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi eindringlich zum Rücktritt aufgefordert. „Die Zeit des Diktators ist vorbei“, sagte Westerwelle am Montag in Berlin. Gaddafi solle jetzt „von sich aus gehen“, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Er habe einen Krieg gegen sein eigenes Volk geführt und werde sich dafür vor einem internationalen Gericht verantworten müssen. Deutschland setze für Libyen nun auf einen friedlichen und geordneten Übergang.

Westerwelle begrüßte, dass der Nationale Übergangsrat der Rebellen dazu aufgerufen habe, keine Racheakte zu verüben. Es gehe um einen politischen Übergang zu demokratischen Verhältnissen. Die eingefrorenen libyschen Staatsgelder müssten nach dem erwarteten Sturz Gaddafis schnell wieder freigegeben werden, um den Menschen vor Ort zu helfen.

+++ 11.06 Uhr +++ Rebellen kontrollieren 95 Prozent der Hauptstadt Tripolis +++

Die libyschen Rebellen kontrollieren 95 Prozent der Hauptstadt Tripolis. Das erklärte der Geschäftsträger der Rebellen in London, Mahmud Nacua, am Montag. Allerdings gingen die Gefechte weiter, noch immer gebe es an einigen Stellen Unterstützung für Staatschef Muammar al Gaddafi. Dieser sei noch nicht gefunden worden, aber „die Kämpfer werden jeden Stein umdrehen, um ihn zu finden, festzunehmen und vor Gericht zu stellen“.

+++ 10.12 Uhr +++ Rebellen und Armeetruppen liefern sich heftige Gefechte in Tripolis +++

In der libyschen Hauptstadt Tripolis sind in der Nähe des Gebäudekomplexes von Staatschef Muammar Gaddafi heftige Gefechte ausgebrochen. Rebellensprecher Mohammed Abdel Rahman erklärte, Panzer seien am Montag von dem Gelände gefahren und hätten geschossen.

Ein Reporter in einem nahe gelegenen Hotel hörte Schüsse und Explosionen. Ein Bewohner von Tripolis, der in der Nähe von Gaddafis Gebäudekomplex Bab al Asisija lebt, sagte, Panzer seien vom Gelände gefahren, nachdem Rebellen versucht hätten, hinein zu gelangen. Es scheine nur noch wenige Panzer der Regierungstruppen zu geben, die noch nicht geflüchtet seien oder sich ergeben hätten, sagte Anwohner Moammar al Warfali weiter. Das Anwesen, das lange Zeit als Kommandozentrale des Regimes diente, sei in den Nato-Luftangriffen der vergangenen fünf Monate schwer beschädigt worden.

Die Rebellen brachten in der Nacht zum Montag weite Teile von Tripolis unter ihre Kontrolle und erklärten, Gaddafis Leibgarde habe sich ergeben. Ein Sohn des Machthabers wurde nach Angaben des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) festgenommen, ein weiterer verhandelte mit den Rebellen über seine Kapitulation. Rebellen und Bewohner errichteten im Stadtgebiet Kontrollposten.

Vereinzelt waren jedoch auch noch Gaddafi-treue Kämpfer in der Stadt, Rebellen warnten vor Heckenschützen der Regierung. Rebellensprecher Abdel Rahman sagte, Gaddafis Soldaten stellten weiterhin eine Bedrohung für den Vormarsch der Rebellen dar.

Die Aufständischen nahmen in Tripolis auch den Grünen Platz ein, das symbolische Zentrum von Gaddafis Herrschaft. Auf dem Platz hatten seit Beginn des Aufstandes im Februar regelmäßig Kundgebungen von Anhängern des Machthabers stattgefunden. In der Nacht feierten dort Kämpfer der Rebellen ausgelassen mit Einwohnern.

+++ 09.38 Uhr +++ Ölpreis sinkt +++

Angesichts des Vormarschs der Aufständischen in Libyen ist der Ölpreis im asiatischen Handel am Montagmorgen gesunken. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober fiel um 2,37 Dollar auf 106,25 Dollar, der Preis für die in New York gehandelte Sorte Light Sweet Crude um 25 Cent auf 82,01 Dollar. „Das ist wirklich die bestimmende Neuigkeit“, sagte Analyst Victor Shum von der auf Energie spezialisierten Beratungsgesellschaft Purvin and Gertz in Singapur.

Libyen produzierte vor Beginn der Kämpfe der Aufständischen gegen Machthaber Muammar el Gaddafi im Februar rund 1,49 Millionen Barrel Öl am Tag; 85 Prozent davon wurden nach Europa exportiert. Während der Kämpfe in den vergangenen Monaten war die Produktion eingebrochen. Die Rebellen in Libyen hatten am Sonntag weite Teile von Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht. Der Aufenthaltsort von Gaddafi war zunächst unklar.

+++ 05.56 Uhr +++ Chávez kritisiert Luftangriffe in Libyen +++

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat die schweren Kämpfe in Libyen und die Luftangriffe der Nato verurteilt. Bei den Nato-Angriffen seien Schulen, Krankenhäuser und Wohnungen getroffen worden, sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede am Sonntag. Die Beteiligung der USA und europäischer Staaten ziele darauf ab, „zu intervenieren und ein Land und seine Reichtümer zu beschlagnahmen“. Chávez hat den libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi mehrfach verteidigt und die libyschen Rebellen als Terroristen bezeichnet.

+++ 05.13 Uhr +++ Obama: Tripolis entgleitet dem Griff eines Tyrannen +++

US-Präsident Barack Obama sieht Libyen vor dem Wendepunkt. Tripolis entgleite dem „Griff eines Tyrannen“, das Regime zeige Anzeichen des Zusammenbruchs, erklärte Obama am Sonntagabend (Ortszeit) nach einer Mitteilung des Weißen Hauses in Washington. Der sicherste Weg, um das Blutvergießen zu beenden, sei einfach: „Muammar al Gaddafi und sein Regime müssen erkennen, dass ihre Herrschaft zu einem Ende gekommen ist.“ Gaddafi müsse einsehen, dass er Libyen nicht länger kontrolliere. „Er muss ein für alle Mal die Macht aufgeben.“

In dieser historischen Zeit müsse der nationale Übergangsrat der Rebellen die notwendige Führungsstärke zeigen, um das Land durch die Phase des Übergangs zu steuern. Dabei müsse er zivile Opfer vermeiden, die staatlichen Institutionen schützen und einen Übergang zur Demokratie sicherstellen.

„Die Zukunft Libyens ist nun in den Händen des libyschen Volkes“, betonte Obama. Die Vereinigten Staaten würden sich weiter eng mit dem Übergangsrat abstimmen. Washington werde weiter darauf bestehen, dass die Grundrechte des libyschen Volkes respektiert würden. „Und wir werden weiterhin mit unseren Alliierten und Partnern in der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten, um das libysche Volk zu beschützen und einen friedlichen Übergang zur Demokratie zu unterstützen.“

+++ 04.35 Uhr +++ Ältester Gaddafi-Sohn unter Hausarrest +++

Die libyschen Rebellen haben den ältesten Sohn von Muammar al Gaddafi unter Hausarrest gestellt. Die Aufständischen würden für seine Sicherheit garantieren, sagte Mohammed al Gaddafi in der Nacht zum Montag in einem Telefoninterview des Fernsehsenders Al-Dschasira. Eine Gruppe von Rebellen habe sein Haus umstellt, und ihm sei Sicherheit für sich und seine Familie zugesichert worden.

Der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates Mustafa Abdul Dschalil bestätigte dem Sender, weder Mohammed al Gaddafi noch dessen Familie seien verletzt. „Er wird in seinem Haus bleiben und ich garantiere für seine Sicherheit.“

Während des Gesprächs mit Mohammed al-Gaddafi war Gewehrfeuer zu hören, danach brach der Telefonkontakt ab. Über den Aufenthaltsort von Muammar al Gaddafi lagen weiterhin keine Informationen vor. Auch der Verbleib von dessen Sohn Saif al-Islam, der am Sonntagabend von Rebellen in Tripolis festgenommen worden war, blieb vorerst unklar.

Gegen Gaddafi, seinen Sohn Saif al-Islam und seinen Schwager, den Geheimdienstchef Abdullah Senussi, liegen internationale Haftbefehle vor. Ihnen werden schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH) hat den libyschen Übergangsrat in Bengasi deshalb aufgerufen, Saif al-Islam nach Den Haag zu überstellen.

+++ 03.20 Uhr +++ Übergangsrat warnt vor verfrühter Freude +++

Angesichts des offenbar bevorstehenden Endes des libyschen Regimes hat ein führender Vertreter des Nationalen Übergangsrats zur Zurückhaltung aufgerufen. Am Tag des Sieges appelliere er an das „Gewissen und Verantwortungsbewusstsein“ aller Kämpfer gegen Machthaber Muammar al Gaddafi, sagte Mahmud Dschibril in einer in der Nacht zum Montag vom Fernsehsender der Rebellen, Libya al Ahrar, übertragenen Ansprache: „Rächt Euch nicht, plündert nicht, greift keine Ausländer an und achtet die Gefangenen“. Niemand dürfte Gefangene töten, auch dann nicht, wenn es sich um Vertraute Gaddafis, seine Kinder oder seine Familie handelt.

Die Übergangszeit biete eine gute Möglichkeit, „alle die Rechte vorzuleben, für die wir gekämpft haben“, sagte Dschibril weiter, der als Regierungschef der Rebellen fungiert. „Ich bitte alle meine libyschen Brüder zu beweisen, dass wir in diesem kritischen Moment verantwortungsvoll handeln. Alle Welt beobachtet uns: Entweder wir schaffen die Demokratie oder wir entscheiden uns für die Rache“. Dschibril versprach, dass alle Bürger am Aufbau des neuen Libyen beteiligt würden. Libyen müsse zum Vorbild für die arabische Welt werden.

Gleichzeitig warnte Dschibril vor verfrühter Siegesfreude. In Tripolis und seiner Umgebung leisteten Gruppen von Gaddafi-Getreuen nach wie vor Widerstand. „Der Kampf ist noch nicht beendet. Doch mit Gottes Willen wird unser Sieg in einigen Stunden vollkommen sein.“

+++ 01.46 Uhr +++ Nato-Generalsekretär: Gaddafis Regime bröckelt +++

Das Regime des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi steht nach Einschätzung der Nato offensichtlich vor seinem Ende. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte am frühen Montagmorgen in Brüssel, die Zeit sei gekommen, ein neues, demokratisches Libyen zu schaffen. Die Nato werde die Truppen Gaddafis beobachten und bombardieren, falls die Zivilbevölkerung durch sie bedroht sei, sagte Rasmussen.

Je eher Gaddafi erkenne, „dass er den Kampf gegen sein eigenes Volk nicht gewinnen kann, desto besser“, erklärte der Nato-Generalsekretär. Die Menschen hätten nach dem Leid während Gaddafis mehr als vier Jahrzehnte dauernder Herrschaft jetzt „eine Chance auf einen Neuanfang“.

Das Militärbündnis hat in den vergangenen fünf Monaten fast 20.000 Einsätze in Libyen geflogen, darunter etwa 7.500 Angriffe gegen die Regierungstruppen.

+++ 01.38 Uhr +++ Rebellen erreichen Hauptplatz von Tripolis +++

Die libyschen Rebellen kommen bei ihrem Vormarsch auf Tripolis offenbar rasch voran. Bilder des Fernsehsenders Sky News zeigten in der Nacht zum Montag, wie die Kämpfer gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi den Grünen Platz, den wichtigsten Platz im Zentrum der Hauptstadt, erreichen. Auf den Bildern sind jubilierende Menschen zu sehen. Junge Männer schwenken Fahnen der Aufständischen, tanzen und rufen Allahu Akbar, einige geben Gewehrschüsse in die Luft ab.

Unterdessen bestätigte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag die Festnahme von Gaddafis zweitältestem Sohn Seif al Islam. „Ich habe vertrauliche Informationen erhalten, wonach er festgenommen worden ist“, sagte Chefankläger Luis Moreno Ocampo. Zuvor hatte Rebellenchef Mustafa Abdel Dschalil gegenüber dem arabischen Fernsehsender El Dschasira Seif al Islams Festnahme verkündet. Er wird ebenso wie Gaddafi vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit per Haftbefehl gesucht.