Entscheidung in Libyen

Rebellen feiern den Fall von Tripolis

Libyens Hauptstadt Tripolis ist in den Händen der Aufständischen, das Regime von Gaddafi bricht offenbar zusammen. Al-Dschasira zeigte Bilder, wie jubelnde Menschen auf den Straßen feiern.

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Auch US-Präsident Obama drängt Libyens Machthaber Gaddafi zur Aufgabe.

Video: Reuters
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Nach 42 Jahren steht das Regime von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi offenbar vor dem Zusammenbruch. Die Rebellen nahmen in der Nacht Tripolis ein. Die Leibgarde von Gaddafi habe die Waffen niedergelegt, berichteten Sprecher der Aufständischen im Fernsehsender Al-Dschasira. Zwei Söhne des Despoten wurden festgenommen, ein dritter ergab sich nach einem Feuergefecht. Über den Aufenthaltsort von Gaddafi liegen keine Informationen vor.

Rebellen im Zentrum von Tripolis

Die Rebellen berichteten, sie hätten bereits den Grünen Platz im Zentrum von Tripolis erreicht. Von dort wurden Gefechte zwischen Regierungstruppen und Aufständischen gemeldet. Viele Soldaten Gaddafis seien gefangen genommen worden, hieß es. Andere würden immer noch Widerstand leisten. Gaddafis Regierungssprecher Moussa Ibrahim sagte am Sonntag, in Tripolis habe es seit dem Mittag mindestens 1300 Tote gegeben.

Die Nato rechnet mit einem schnellen Ende des Regimes. „Heute können wir anfangen, eine neue Zukunft zu aufzubauen“, erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in der Nacht in Brüssel. „Das Gaddafi-Regime bröckelt eindeutig.“ Rasmussen forderte Gaddafi und seine Truppen auf, die Macht niederzulegen. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, ein neues Libyen zu schaffen - einen Staat, der auf Frieden beruht, nicht auf Angst; Demokratie, nicht Diktatur; dem Willen aller, nicht den Launen weniger.“

Al-Dschasira zeigte Bilder, wie jubelnde Menschen die Aufständischen auf den Straßen der Hauptstadt begrüßten, tanzten und Freudenschüsse abgaben. Viele skandierten „Allah ist mächtig“ oder „Tripolis wird frei sein“. Andere trampelten auf großformatigen Fotos von Gaddafi herum. Auch aus anderen Städten des Landes wurden Freudenfeiern gemeldet. In der Rebellenhochburg Bengasi versammelte sich eine riesige Menschenmenge zu einem Freudenfest.

Im Westen von Tripolis nahmen die Rebellen laut Al-Dschasira zwei Söhne von Gaddafi gefangen, darunter den mit Internationalem Haftbefehl gesuchten Saif al-Islam. Er sei gemeinsam mit seinem Bruder Al-Saadi in einem Touristendorf festgesetzt worden, berichtete ein Sprecher der Aufständischen, Abu Bakr al-Tarbulsi.

Gegen Gaddafi, seinen Sohn Saif al-Islam und seinen Schwager, den Geheimdienstchef Abdullah Senussi, liegen internationale Haftbefehle vor. Ihnen werden schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH) rief den libyschen Übergangsrat in Bengasi deshalb auf, Saif al-Islam nach Den Haag zu überstellen.

Bereits an diesem Montag wolle man darüber verhandeln, wie die Auslieferung ablaufen könnte, sagte der argentinische Staatsanwalt Luis Moreno-Ocampo dem US-Sender CNN. Der nationale Übergangsrat setzt aber offenbar darauf, die Verantwortlichen in Libyen vor Gericht zu stellen. Dazu habe Libyen das volle Recht, betonte frühere Botschafter des Landes in den USA, Ali Aujali, der inzwischen für den Übergangsrat spricht, im Sender Al-Dschasira.

Der älteste Gaddafi-Sohn ergab sich den Rebellen in Tripolis und wurde daraufhin unter Hausarrest gestellt. Die Aufständischen hätten ihm Sicherheit zugesagt, sagte Mohammed al-Gaddafi in der Nacht zum Montag in einem Telefoninterview von Al-Dschasira. Eine Gruppe von Rebellen habe sein Haus umstellt. Der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, bestätigte, weder Mohammed al-Gaddafi noch dessen Familie seien verletzt. „Er wird in seinem Haus bleiben und ich garantiere für seine Sicherheit.“

Verbleib von Gaddafi ungewiss

Gaddafi selbst wandte sich am späten Sonntagabend zum dritten Mal an diesem Tag an seine Anhänger. In einer Audio-Botschaft beschwor er im Staatsfernsehen seine Gefolgsleute: „Ihr müsst auf die Straße gehen, um die Ratten und Verräter zu bekämpfen. Alle Stämme müssen nach Tripolis marschieren, um es zu beschützen. Wenn nicht, werdet Ihr Sklaven der Kolonialisten werden.“ Plötzlich stoppte seine Stimme. Für die Unterbrechung der Nachricht gab es keine Erklärung. Unklar war, von wo aus Gaddafi gesprochen hatte.

Unterdessen berichtete Al-Dschasira, dass angeblich zwei Flugzeuge aus Südafrika in Tripolis gelandet sein sollen. Südafrika gilt als ein mögliches Exil für Gaddafi und seine Familie. Vor einigen Tagen waren Spekulationen über die Entsendung von Flugzeugen nach Tripolis von Pretoria noch dementiert worden. Zugleich gab es auch Spekulationen, dass Angola oder Simbabwe als Exil in Frage kämen.

De Maizière schließt Bundeswehreinsatz in Libyen nicht mehr aus

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) schließt einen Bundeswehreinsatz zur militärischen Stabilisierung Libyens nach dem Ende des Gaddafi-Regimes nicht aus. „Wenn es Anfragen an die Bundeswehr gibt, werden wir das konstruktiv prüfen“, sagte der CDU-Politiker. Die Bundesregierung setze jedoch darauf, dass Libyen „in einer Zeit nach Gaddafi“ aus eigener Kraft einen stabilen Staat aufrechterhalten könne.

Am derzeitigen Einsatz der Nato zum Schutz der libyschen Bevölkerung ist Deutschland nicht direkt beteiligt. Allerdings wurden deutsche Soldaten in einem auch für den Libyen-Einsatz zuständigen Nato-Stab in Italien eingesetzt.

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