Libyen

Gaddafis Schergen arbeiten geheime Todesliste ab

In Bengasi haben Aufständische ein Geheimkommando Gaddafis aufgespürt. Die festgenommenen Soldaten hatten eine Liste mit 60 Namen dabei.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die Aufständischen in Libyen haben in ihrer Hochburg Bengasi eine Liste mit Namen ihrer Vertreter entdeckt, gegen die Anhänger von Machthaber Muammar al-Gaddafi möglicherweise Anschläge verüben wollten. Auf der Liste seien die Namen und Adressen von rund 60 Vertretern des Nationalen Übergangsrates der Rebellen, ihrer Militärführung und der Zivilverwaltung zu finden, sagte der Vize-Innenminister der Aufständischen, Mustafa al- Sagasli. Das Papier sei beim Vorgehen gegen eine bewaffnete Gruppe von Gaddafi-Getreuen entdeckt worden.

Die Gruppe soll vorgegeben haben, für den Übergangsrat zu kämpfen. Tatsächlich soll dies aber als Deckmantel für die eigentlich geplanten Aktivitäten gedient haben. "Sie stellten eine sehr ernsthafte Gefahr dar" , sagte ein Sprecher des Übergangsrates.

"Sie wollten Tod und Zerstörung in Bengasi säen." In ihrem Lager seien "zahlreiche Waffen, Munition, Raketenwerfer, Sprengstoff und genug Lebensmittel für mehrere Wochen" gefunden worden.

Die Rebellen verdächtigen die Gruppe, hinter der spektakulären Flucht von 300 Häftlingen in der vergangenen Woche zu stehen. Fünf ihrer Kämpfer seien am Sonntag in Bengasi getötet worden, 37 weitere Mitglieder sowie 69 der befreiten Gefangenen seien festgenommen worden, sagte Vize-Innenminister Sagasli. Ihm zufolge stand auf der bei der Gruppe entdeckten Liste auch der Name des vergangene Woche getöteten Militärchefs der Rebellen, Abdel Fatah Junes.

Es sei denkbar, aber nicht bewiesen, dass die Gruppe auch für die Ermordung von Junes verantwortlich sei, sagte Sagasli.

Junes hatte bis Januar unter Gaddafi als Innenminister gedient, war zu Beginn des Aufstands aber zu den Rebellen übergelaufen. Angesichts der mysteriösen Umstände seines Todes wurde auch gemutmaßt, dass er von den Rebellen selbst ermordet worden sein könnte, weil er weiter Kontakte zu Gaddafi unterhalten haben könnte. Auch über Racheakte von unter Gaddafi verfolgten Islamisten wurden als mögliches Tatmotiv spekuliert.