Nahost-Konflikt

Ägypten zieht Botschafter aus Israel ab

Nach dem Tod von fünf ägyptischen Grenzsoldaten zieht Kairo seinen Botschafter aus Tel Aviv zurück. Das Kabinett in Kairo erwartet eine Entschuldigung Israels.

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Bei israelischen Vergeltungsangriffen nach der Terrorserie im Süden des Landes sind nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen bis Samstag 14 Menschen getötet worden. Etwa 45 seien verletzt worden, sagte ein Vertreter des medizinischen Notdienstes. Auch in Israel wurden mehrere Menschen durch Raketen verletzt, die aus dem Gazastreifen abgefeuert wurden. Zugleich stiegen die Spannungen zwischen Israel und Ägypten.

Die Bewohner israelischer Städte und Siedlungen in der Nähe des Gazastreifens wurden aufgefordert, sich stets in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten.

Unbestätigten Medienberichten zufolge kündigte die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas einen seit Anfang 2009 geltenden Waffenstillstand auf.

Abzug des Botschafters bis zur einer Entschuldigung

Das Kabinett in Kairo entschied nach eigenen Angaben, den Botschafter aus Israel abzuziehen, bis eine Entschuldigung Israels und die Ergebnisse einer offiziellen Untersuchung des Todes von fünf Grenzwächtern vorlägen.

Sie waren den Berichten zufolge bei der Verfolgung der Attentäter vom Donnerstag durch israelische Sicherheitskräfte getötet worden. Der Botschafter solle solange nicht auf seinen Posten zurückkehren, bis die israelischen Behörden sich für „voreilige und bedauerliche Erklärungen“ entschuldigten, hieß es weiter.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte Ägypten eine Mitschuld an den Anschlägen im Süden des Landes gegeben . „Die Angriffe sind ein Beweis für die mangelnde Kontrolle der Ägypter auf der Sinai-Halbinsel und das Erstarken terroristischer Gruppen dort“, hieß es in einer Erklärung des Verteidigungsministeriums.

Gezielte Tötung führender Terror-Mitglieder

Unter den Toten im Gazastreifen sollen sich auch zwei führende Mitglieder der besonders radikalen Gruppe Volkswiderstands-Komitee (PRC) befinden. Nach israelischen Angaben wurden die beiden gezielt getötet. Diese Organisation dementierte jedoch, etwas mit der Serie von Terroranschlägen im Süden Israels zu tun zu haben.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte Medienberichten zufolge am Freitag, die bisherigen Angriffe und die Tötung der PRC-Mitglieder seien nur der Anfang der israelischen Reaktion auf die Anschläge, bei denen mutmaßlich Palästinenser am Donnerstag 8 Israelis getötet und 31 verletzt hatten.

Ein führendes Mitglied der gemäßigten Palästinenserorganisation Fatah im Westjordanland, Nabil Schaath, kritisierte die israelischen Angriffe scharf, wie das Nachrichtenportal „Ynet“ berichtete. Netanjahu wolle mit der militärischen Eskalation nur von der sozialen Krise im eigenen Land ablenken. Die Luftangriffe bezeichnete Schaath als „Kriegsverbrechen“.