Libyen

Gaddafi-Truppen feuern erstmals Scud-Rakete ab

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Während die Gaddafi-Truppen erstmals eine Kurzstreckenrakete eingesetzt haben, sind die Konfliktparteien offenbar zu Geheimverhandlungen zusammengekommen.

Libysche Regierungstruppen haben nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium erstmals seit Beginn der internationalen Luftangriffe eine Scud-Rakete abgefeuert.

Die Kurzstreckenrakete habe aber ihr Ziel verfehlt und sei in der Wüste gelandet, sagte in Washington ein Ministeriumsvertreter, der anonym bleiben wollte. Die Rakete sei von Sirte aus abgefeuert worden, der Hochburg des lybischen Machthabers Muammar el Gaddafi. Sie habe offenbar die Stadt Brega zum Ziel gehabt, die am Montag teilweise von den Rebellen erobert wurde.

Allerdings verfehlte die Scud-Rakete den Angaben zufolge ihr Ziel um etwa 80 Kilometer und landete in der Wüste. Niemand sei verletzt worden. Es war das erste Mal seit Beginn der internationalen Luftangriffe auf Libyen im März, dass die Regierungstruppen eine Scud-Rakete einsetzten. Experten zufolge besitzt Libyen etwa 240 von der Sowjetunion produzierte Scud-Raketen mit einer Reichweite von etwa 300 Kilometern.

Derweil gibt es in dem Konflikt Anzeichen für eine mögliche Verhandlungslösung. Auf der tunesischen Ferieninsel Djerba trafen sich in der Nacht zum Montag Vertreter von Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi und der Rebellen zu Geheimgesprächen. Verwirrung stiftete der Aufenthalt des UN-Sondergesandten für Libyen in der tunesischen Hauptstadt Tunis.

Die Gespräche auf Djerba seien unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Hotel auf Djerba geführt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP. Der tunesischen Nachrichtenagentur TAP zufolge nahmen daran drei libysche Minister teil. Es seien „Verhandlungen mit mehreren ausländischen Parteien“ im Gange. Die Rebellen dementierten allerdings wenig später die angeblichen Geheimverhandlungen.

In verschiedenen Medien und Onlinenetzwerken hatte es zuvor geheißen, dass sich Gaddafi schon bald ins Exil begeben könnte. An den Verhandlungen nahm laut einer tunesischen Quelle auch ein Gesandter von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez teil. Anfang des Jahres hatte es wegen der engen Beziehungen beider Länder Gerüchte gegeben, Gaddafi sei nach Venezuela geflohen, die sich aber als falsch erwiesen.

Am Montag traf der UN-Sondergesandte für Libyen, Abdul Ilah el Chatib, in Tunis ein. Er sagte, er wolle an Verhandlungen zwischen libyschen Regierungsvertretern und Rebellen teilnehmen, die in einem Hotel in einem Vorort fortgesetzt würden. Ein UN-Sprecher sagte zunächst, Chatib treffe tunesische Regierungsmitglieder und könne auch mit „einigen in Tunesien ansässigen Libyern“ sprechen. Später sagte er allerdings, die UNO wisse nichts über Verhandlungen zwischen der libyschen Führung und den Aufständischen in Tunesien und beteilige sich auch nicht daran.

Der stellvertretende libysche Innenminister Nasser Mabruk Abdallah flog indes mit neun Familienmitgliedern in einer Privatmaschine von Djerba in Ägyptens Hauptstadt Kairo, wie es von der dortigen Flughafensicherheit hieß. Die Hintergründe der unangekündigten Reise waren zunächst unklar. In den vergangenen Monaten hatten sich mehrere libysche Führungsmitglieder abgesetzt.

Die libyschen Rebellen übernahmen derweil die Kontrolle über drei wichtige Städte auf dem Weg in die Hauptstadt Tripolis. Der Großteil der Stadt Sawija 40 Kilometer westlich von Tripolis sowie die Städte Gharjan und Sorman südlich und westlich der Hauptstadt sind nach Angaben der Aufständischen in ihrer Hand.

Die USA begrüßten das Vordringen der Rebellen in Richtung Tripolis. „Wir sind sehr erfreut über die Fortschritte der Rebellen“, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Später gab sie bekannt, dass die USA einen Vertreter der Rebellen offiziell als Botschafter in Washington anerkannt haben.

( afp/fsc )

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