Nach den Krawallen

Cameron will "moralischen Kollaps" verhindern

Nach den Krawallen in Großbritannien vergangene Woche will Premierminister Cameron nun sämtliche soziale Bereiche überprüfen lassen, um Ausschreitungen in Zukunft vermeiden zu können. Sein Vorgehen stößt jedoch nicht überall auf Gegenliebe.

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Nach den landesweiten Krawallen will der britische Premierminister David Cameron das gestörte Zusammenleben in Großbritannien wieder in Ordnung bringen

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Großbritanniens Premierminister David Cameron will nach den Krawallen in England dem „moralischen Kollaps“ der Gesellschaft den Kampf ansagen. In den kommenden Wochen werde er zusammen mit seinen Ministern sämtliche soziale Bereiche unter die Lupe nehmen, um die „gebrochene Gesellschaft zu reparieren“, hieß es in einem am Montag vorab veröffentlichten Redemanuskript Camerons. Dabei werde man sich unter anderem die Situation an den Schulen und die Sozialhilfe-Systeme ansehen. Überprüft werden soll auch, ob genug Hilfe für Problemfamilien und Drogensüchte geleistet werde.

Bei den Krawallen in mehreren englischen Städten, bei denen in der vergangenen Woche fünf Menschen starben und Schaden in Millionenhöhe entstand, seien Jahrzehnte sozialer Probleme explodiert, heißt es in der Rede Camerons. Sie müssten ein „Weckruf“ für das Land sein.

Oppositionsführer Ed Miliband von der sozialdemokratischen Labour-Partei warf Cameron vor, er reagiere reflexartig auf die Gewalt und verschließe sich einer tiefergehenden Analyse der Gründe. Auch Miliband veröffentliche vorab eine Rede, in der er erklärte, es müsse eine weitreichende Untersuchung stattfinden.

Am Wochenende hatte sich der Streit zwischen Camerons Regierungskoalition und der Polizei ausgeweitet. Cameron sucht Hilfe aus den USA und engagierte den als „harte Hand“ bekannten früheren Polizeichef von New York und Los Angeles, Bill Bratton, als Berater. Aus den Reihen der britischen Polizei kam schwere Kritik an dem Vorgehen.

Die Krawalle hatten am vorvergangenen Wochenende begonnen, angesichts einer massiven Aufstockung von Polizisten und wegen schlechten Wetters beruhigte sich die Lage dann aber im Verlaufe der Woche. Seitdem wurden keine größeren Fälle gemeldet. Im Zuge der Krawalle wurden insgesamt mehr als 1500 Menschen festgenommen. Weil die Gerichte praktisch rund um die Uhr arbeiten, mussten sich bereits rund 500 Menschen vor der Justiz verantworten.

Premierminister David Cameron hatte am Donnerstag die Polizei mit mehr Befugnissen ausgestattet, um der Lage Herr zu werden. In seiner Regierungserklärung hatte er gesagt, dass zum Höhepunkt der Unruhen am Montag „viel zu wenige“ Polizisten im Einsatz gewesen seien. Innenministerin Theresa May äußerte sich später ähnlich.

Gegen diese Kritik regte sich am Freitag Widerstand in den Reihen der Polizei. Die Beamten seien mit einer „noch nie dagewesenen Situation“ im ganzen Land konfrontiert gewesen und hätten vor diesem Hintergrund „hervorragend“ reagiert, sagte der Beamte Hugh Orde, der Großbritanniens Polizeichefs vertritt, der BBC. Auch Aufrufen Mays nach einem Urlaubsstopp für Polizisten erteilte er eine Absage. Zu solchen Forderungen sei sie nicht befugt. Das Polizeiaufgebot allein in London war am vergangenen Mittwoch auf 16.000 Beamte aufgestockt worden.