Randalierer-Suche

Britische Polizei fahndet nun mit Riesenleinwand

Die massive Aufstockung des Polizeiaufgebots zeigt ihre Wirkung. Die Lage in England hat sich seit Mittwoch zunehmend beruhigt. Die Polizei konzentriert sich nun auf die Suche nach flüchtigen Randalierern – und zeigt dabei Überwachungsvideos auf mobilen Leinwänden.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Britische Polizei durchsucht Wohnungen auf der Suche nach mutmaßlichen Tätern während der Krawalle.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Bei ihrer Fahndung nach flüchtigen Plünderern und Randalierern setzt die britische Polizei nunmehr auf eine riesige mobile Leinwand. In Birmingham fuhr am Freitag ein Kleinbus mit dem mehr als sechs Quadratmeter großen Bildschirm durch die Straßen, der Fotos von Gesuchten zeigte. Während es in der Nacht auf den Straßen Großbritanniens erneut ruhig blieb, starb ein Mann, der bei den vorherigen Krawallen verletzt worden war.

Die Ermittler in Birmingham suchten mit Bildern aus Überwachungskameras nach den flüchtigen Verdächtigen. Der Kleinbus mit der Leinwand wurde erstmals am Donnerstag eingesetzt und machte am Freitag an mehreren öffentlichen Plätzen Station; Anwohner wurden gefragt, ob sie die Gesuchten kennen. In der Stadt sollen so in den nächsten Tagen abwechselnd mehr als 50 Aufnahmen der Gesichter von mutmaßlichen Krawallmachern gezeigt werden.

„Die Medien haben bereits Fotos von denjenigen veröffentlicht, die wir suchen, aber wir sind entschlossen, die Verdächtigen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte der Polizist Mark Rushton. Bereits am Donnerstag habe es eine „großartige Resonanz“ gegeben. Mehr als 500 Hinweise seien telefonisch oder per E-Mail bei der Polizei eingegangen.

Auch auf ihren Internetseiten veröffentlichte die Polizei in den vergangenen Tagen Bilder von Verdächtigen mit der Bitte um Hilfe; sie erhält außerdem Unterstützung von Gruppen, die im Internet ihrerseits Fotos veröffentlichen.

Mehr als 1500 Festnahmen

Die Krawalle hatten in der Nacht zum Sonntag begonnen, angesichts einer massiven Aufstockung von Polizisten und wegen schlechten Wetters beruhigte sich die Lage am Mittwochabend dann aber zusehends. Seitdem wurden keine größeren Fälle gemeldet. Im Zuge der Krawalle wurden insgesamt mehr als 1500 Menschen festgenommen. Weil die Gerichte praktisch rund um die Uhr arbeiten, mussten sich bereits rund 500 Menschen vor der Justiz verantworten.

In der Nacht zum Freitag erlag der 68-jährige Richard Mannington Bowes, der am Montagabend im Londoner Stadtteil Ealing bewusstlos aufgefunden worden war, seinen Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Die Polizei ermittelt in dem Fall wegen Mordes. „Dies war ein brutaler Vorfall, der zur sinnlosen Tötung eines unschuldigen Mannes führte“, sagte Polizei-Inspektor John McFarlane. Bowes war das fünfte Todesopfer der Krawalle.

Polizisten erteilen Urlaubsstopp eine Absage

Premierminister David Cameron hatte am Donnerstag die Polizei mit mehr Befugnissen ausgestattet, um der Lage Herr zu werden. In seiner Regierungserklärung hatte er gesagt, dass zum Höhepunkt der Unruhen am Montag „viel zu wenige“ Polizisten im Einsatz gewesen seien. Innenministerin Theresa May äußerte sich später ähnlich.

Gegen diese Kritik regte sich am Freitag Widerstand in den Reihen der Polizei. Die Beamten seien mit einer „noch nie dagewesenen Situation“ im ganzen Land konfrontiert gewesen und hätten vor diesem Hintergrund „hervorragend“ reagiert, sagte der Beamte Hugh Orde, der Großbritanniens Polizeichefs vertritt, der BBC. Auch Aufrufen Mays nach einem Urlaubsstopp für Polizisten erteilte er eine Absage. Zu solchen Forderungen sei sie nicht befugt. Das Polizeiaufgebot allein in London war am Mittwoch auf 16.000 Beamte aufgestockt worden.