Neues Blutvergießen

USA und Türkei beraten über Vorgehen in Syrien

Die Gewalt in Syrien nimmt kein Ende. Die Armee rückt in weitere Stadt im Nordwesten des Landes ein, mindestens zwei Menschen starben. Nun beraten die USA und die Türkei über die Konsolidierung der Oppositionsfront in Syrien.

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Die syrische Armee setzt ihre Offensive gegen die Protestbewegung ungeachtet wachsenden internationalen Drucks fort.

Video: Reuters
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Die syrische Armee setzt ihren Einsatz gegen Zivilisten in mehreren Städten des Landes mit aller Härte fort. Am Freitagmorgen kamen nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens zwei Menschen durch Schüsse von Sicherheitskräften ums Leben. Ein Mann wurde demnach in Sakba, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus erschossen. Er sei dort vor Festnahmen geflohen, sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Eine Frau sei bei einem Armee-Einsatz in der Stadt Kahn Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idleb gestorben.

Das Militär sei im Morgengrauen mit dutzenden Panzern in Kahn Scheichun eingerückt, sagte Abdel Rahman. Die Soldaten und Sicherheitskräfte seien mit Bussen und Truppentransportern in die Stadt gefahren worden, aus der später Schüsse zu hören gewesen seien.

Bei der blutigen Unterdrückung der Protestbewegung in Syrien kamen nach Angaben von Menschenrechtlern seit Mitte März mehr als 2000 Menschen ums Leben, darunter mehr als 1700 Zivilisten. Am Donnerstag war die Armee in weitere syrische Städte eingerückt und hatte dabei nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens 16 Menschen getötet. Zwölf von ihnen kamen demnach in Kusair in der zentralsyrischen Provinz Homs ums Leben. Drei weitere Menschen seien in der östlichen Ölstadt Deir Essor gestorben, einen weiteren Toten habe es in der Hafenstadt Lattakia gegeben. Für Freitag hat die syrische Opposition zu neuen Massenprotesten aufgerufen.

Notwendigkeit einer organisierten Opposition

US-Außenministerin Hillary Clinton hat indes eine breitere Front gegen das Regime in Syrien und dessen brutales Vorgehen gegen Demonstranten gefordert. Dies gelte vor allem bei Sanktionen gegen die Erdöl- und Erdgasindustrie, sagte Clinton am Donnerstagabend in einem Interview des US-Senders CBS. Vor allem Indien und China hätten im syrischen Energiesektor viel investiert. „Und wir wollen sehen, dass Russland aufhört, Waffen an das Assad-Regime zu verkaufen.“

Clinton betonte auch die Notwendigkeit einer organisierten Opposition in Syrien. „Diese gibt es aber zur Zeit nicht“, sagte die US-Außenministerin. Die USA seien bemüht, eine Konsolidierung der Oppositionsfront zu unterstützen.

Konsultationen zwischen Türkei und USA

In diesem Sinne zeigten sich auch US-Präsident Barack Obama und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Telefonat beunruhigt über die Lage in Syrien. Nach Angaben des Weißen Hauses brachten beide Politiker am Donnerstag ihre „tiefe Sorge“ über die anhaltende Gewaltanwendung der Regierung gegen Zivilisten zum Ausdruck. Wie es zudem hieß, vereinbarten Obama und Erdogan, die weiteren Aktionen der syrischen Regierung „genau zu verfolgen“ und sich in den kommenden Tagen eng abzusprechen.

In dieser Woche hatte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu vergeblich versucht, im Nachbarland Syrien den dortigen Präsident Baschar al-Assad von der Gewalt gegen Regimegegner abzubringen.

Obamas Sprecher Jay Carney bekräftigte die US-Position, wonach Assad seine „Legitimität“ verloren habe „und dass Syrien ohne ihn ein viel besserer Ort wäre“. Obama hat bei aller Kritik Assad bisher nicht ausdrücklich zum Rücktritt aufgerufen. Nach unbestätigten Medienberichten könnte sich das aber in Kürze ändern.