Randale-Bilanz

Diese Wunden werden England lange schmerzen

Es ist die dramatische Bilanz der Chaos-Nächte: Vier Menschen sterben, Häuser brennen, Läden werden ausgeraubt. Auch Prominente sind betroffen.

Bei den Ausschreitungen in England sind bislang vier Menschen ums Leben gekommen und Dutzende zum Teil schwer verletzt worden. Das ist die vorläufige inoffizielle Bilanz, denn noch hat die Polizei keine eigenen Zahlen herausgegeben.

Der schwerste Zwischenfall ereignete sich in der Nach zu Mittwoch in Birmingham. Drei Männer asiatischer Herkunft im Alter zwischen 21 und 30 Jahren wollten Geschäfte vor Plünderern verteidigen, als sie von einem Auto gezielt überfahren wurden.

Alle drei starben, zwei noch an der Unfallstelle. Weil der Fahrer des Wagens karibischer Herkunft ist, drohen Rassenunruhen zwischen muslimischen und karibischen Einwanderern in der nordenglischen Stadt.

Doch der Vater eines Getöteten rief die Gemeinschaft dazu auf, Ruhe zu bewahren, und keine Vergeltung an Schwarzen zu üben. Ob es dabei bleibt, scheint jedoch fraglich. Möglicherweise könnte es nach dem traditionellen Freitagsgebet in Birmingham neue Ausschreitungen geben.

Bereits in der Nacht zu Montag starb ein Mann während der Ausschreitungen in London. Der 26-Jährige wurde mit Schusswunden in einem Auto im Bezirk Croydon gefunden. Die Hintergründe der Tat bleiben mysteriös.

Während der Ausschreitungen in mehreren Städten wurden viele Unbeteiligte zum Teil schwer verletzt oder ausgeraubt. Besonders der Fall eines 20-jährigen aus Malaysia schockierte die Öffentlichkeit.

Videoaufnahmen dokumentieren, wie der im Gesicht verletzte Mann auf dem Boden liegt, während ihm vermummte Jugendliche scheinbar auf die Beine helfen wollen, dabei jedoch gleichzeitig den Inhalt seines Rucksacks plündern. Premier Cameron nannte den Vorfall "widerlich".

Drei Prominente Opfer der Gewalt

Auch mindesten drei Prominente wurden Opfer der Gewalttäter. Das Bekleidungsgeschäft von Oasis-Legende Liam Gallagher wurde zerstört, genauso wie das Restaurant von Star-Koch Jamie Oliver.

Besonders übel erwischte es Helen Wood , eine Ex-Gespielin des englischen Nationalspielers Wayne Rooney. Randalierer prügelten sie in einem Pub zu Boden und traten auf sie ein. Sie erlitt einen Nasenbeinbruch.

Im Zusammenhang mit den Krawallen hat die britische Polizei inzwischen fast 1200 Personen festgenommen. Allein in London, wo es zu den schwersten Ausschreitungen kam, gab es 820 Festnahmen, wie die Behörden mitteilten.

Die Gerichte seien rund um die Uhr besetzt, um Straftäter abzuurteilen. Erste Gewalttäter sind auch bereits zu mehreren Wochen Haft verurteilt worden.

Es geht um Einbruch, Landfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie Brandstiftung.

Der Schaden liegt bei über 228 Millionen Euro

Unter den Angeklagten befinden sich viele Teenager, aber auch ein Grafikdesigner, ein Gabelstaplerfahrer und eine Lehrerin. Premier Cameron bezifferte die bisher angerichteten Schäden auf mehr als 200 Millionen Pfund (228 Millionen Euro).

Dutzende Gebäude brannten zum Teil bis auf die Grundmauern niedern, mancherorts stehen Straßenzüge wie nach einem Bombenangriff aus. Wegen der Ausschreitungen wurde das ursprünglich für Mittwoch angesetzte Freundschafts-Länderspiel zwischen England und den Niederlanden abgesetzt.

Der englische Fußball-Verband (FA) erklärte, er bedauere diese Entscheidung. Die Partie hätte im Wembley-Stadion in London stattfinden sollen.

Fußball-Spiele wurden abgesagt

Auf Bitten der Polizei sind außerdem drei angesetzte Begegnungen des League Cup abgesagt worden. Die Pokalspiele Charlton gegen Reading, West Ham gegen Aldershot und Crystal Palace gegen Crawley wurden um unbestimmte Zeit verschoben. Der erste Spieltag der Premier League am kommenden Wochenende soll aber wie geplant stattfinden.

Die massive Polizeipräsenz in Großbritannien und heftiger Regen haben offensichtlich Wirkung gezeigt. In der Nacht zu Donnerstag wurden zunächst kaum Zwischenfälle registriert. Bereits in der Nacht zum Mittwoch war es in London verhältnismäßig ruhig geblieben.

Dafür hatte sich die Gewalt aber in anderen Städten fortgesetzt, darunter Manchester und Liverpool. Der britische Premier David Cameron kündigte nochmals eine harte Hand der Polizei an. Erstmals könnten in Großbritannien auch außerhalb Nordirlands Wasserwerfer eingesetzt werden.