Studentenproteste

Chiles Präsident Pinera ruft zum Dialog auf

Die soziale Spannung in Chile steigt weiter. Nachdem die jüngsten Studentenprotesten in mehreren Städten mit fast 400 Verhaftungen und 55 verletzten Polizisten endeten, rief Chiles Präsident Pinera nun zum Dialog auf.

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Nach den jüngsten massiven Studentenprotesten in Chile hat die Regierung des konservativen Präsidenten Sebastian Pinera zum Dialog aufgerufen. „Der Wille zum Dialog ist da, sagt mir nur wann und wo“, erklärte Regierungssprecher Andrés Chadwick am Mittwoch. Gleichzeitig legte die Regierung eine Reihe von Reformprojekten im Parlament vor.

Etwa 100.000 Studenten, Schüler und Lehrer hatten nach Angaben von Studenten am Dienstag in Santiago de Chile an einer Demonstration für ein gebührenfreies Bildungssystem teilgenommen.Die Polizei sprach von 70.000 Teilnehmern. Neben Studenten und Schülern demonstrierten auch Beamte und Arbeiter des wirtschaftlich bedeutenden Kupfersektors.

Die massiven Kundgebungen, die auch in Valparaíso und anderen Städten organisiert wurden, endeten am Dienstagabend nach einem allgemein friedlichen Verlauf mit Ausschreitungen kleinerer Gruppen. Bilanz: 396 Verhaftungen und 55 verletzte Polizisten. Vergangene Woche waren bei einer nicht erlaubten Demonstration fast 900 Studenten und auch minderjährige Schüler festgenommen worden. Eine Gruppe gewalttätiger Demonstranten plünderte und warfen Brandbomben. Über tausend Polizisten waren zur Auflösung der nicht erlaubten Demonstration im Einsatz.

In Chile sind alle Universitäten und ein Großteil der Schulen gebührenpflichtig. Die Kosten eines Universitätsstudiums übersteigen die finanziellen Möglichkeiten von mehr als der Hälfte der Bevölkerung.

Der seit mehreren Monaten andauernde Konflikt um eine Reform des Bildungs- und Erziehungssystems hat die Regierung Piñeras in ein Popularitätstief gestürzt. Letzten Umfragen zufolge wird sie nur noch von 25 Prozent der Bürger unterstützt. Der Mitte-Links-Opposition geht es mit rund 20 Prozent Unterstützung auch nicht besser.