Somalia

Ersehnter Regen erschwert Hilfe für Hungernde

Die Lage in Somalia wird mit jedem Tag schlimmer: Jetzt schwächen Wassermassen die Hungernden, der Regen flutet Straßen und Notunterkünfte.

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Starke Niederschläge komplizieren die Lage in den Hungergebieten und erschweren die Versorgung mit Lebensmitteln.

Video: Reuters
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Wasser fließt über die lehmigen Straßen der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Nach Monaten der Trockenheit ist der Boden so hart, dass er die Wassermassen nicht aufnehmen kann, die während der heftigen Regenfälle der vergangenen Tage fielen. Monatelang ist der Regen im Osten Afrikas ausgeblieben, nun erschwert der lange ersehnte Niederschlag die Hilfe für die Hungernden.

Vor rund zwei Wochen setzte der Regen in Mogadischu ein. Erst mit sporadischen Schauern, dann mit Wolkenbrüchen. „Ich bin mit meinen Kindern vor dem Hunger geflohen", sagt eine der Flüchtlingsfrauen, die in der Hauptstadt campieren. "Jetzt leben wir in dieser Unterkunft, die den Regen nicht abhält." Sie und ihre Kinder hätten immer noch Hunger. "Dabei sehe ich das ganze Essen, das in Mogadischu auf den Märkten verkauft wird." Wer vor der Dürre floh, hat zum Kaufen kein Geld.

In Mogadischu leben Zehntausende Menschen in Notunterkünften, die sie nach Art der Nomaden aus einem Holzgestell gebaut haben. Allerdings haben sie kaum etwas zum Abdecken – eine Plastikplane ist ein Luxus, den sich kaum jemand leisten kann. Also nehmen die Menschen Stücke Pappe, leere Getreidesäcke, Kleidungsstücke.

Seit der Regen eingesetzt hat, werden die geschwächten Menschen deshalb auch noch nass, Krankheiten werden die Folge sein. Und für die Zehntausenden, die in der kriegszerstörten Hauptstadt campieren, gibt es auch keine Latrinen. Die Fäkalien mischen sich mit dem Wasser.

"Wir danken Gott, dass wir überlebt haben", sagt eine andere Frau. "Aber mehr als unser nacktes Leben haben wir nicht: keine Unterkunft, keine Matten zum Schlafen, kein Kochgeschirr." Noch immer seien sie verzweifelt auf der Suche nach Essen. "Wir können uns nichts kaufen, und wir haben kein sauberes Wasser. Wir sind hierher geflohen, aber hier gibt es auch keinen, der uns hilft."

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und andere Organisationen haben angefangen, Hilfsgüter nach Mogadischu zu fliegen. Aber die bisherigen Lieferungen reichen bei weitem nicht aus: Das Welternährungsprogramm bringt vor allem Zusatznahrung für mangelernährte Kinder. Die 100 Tonnen, die in diesen Tagen eingeflogen werden sollen, reichen den Angaben zufolge einen Monat lang für 35.000 Kinder.

Aber nach UN-Angaben hungern in Somalia 640.000 Kinder. Und nicht nur die Kinder brauchen Nahrung, sondern auch die Erwachsenen. Für die aber haben die Maschinen der sogenannten Luftbrücke keine Lebensmittel an Bord.

Und nicht nur der Regen setzt denen, die vor der Dürre nach Mogadischu geflohen sind, zusätzlich zu: Ende vergangener Woche gab es in der umkämpften Hauptstadt erneut schwere Gefechte. Die Truppen der Militärmission der Afrikanischen Union für Somalia starteten eine Offensive gegen die militanten Islamisten, die gegen die schwache somalische Regierung kämpfen.

"Wir wollten die Islamisten warnen und ihnen zeigen, dass sie von den Lagern der Vertriebenen wegbleiben sollen", sagte Armee-Sprecher Paddy Ankunda. Allerdings fand die Offensive im Bereich des Bakhara-Marktes statt, in dem es keine Lager von Vertriebenen gibt. Und die Offensive gegen den Markt hatten Regierungstruppen und AU-Truppen schon vor längerer Zeit angekündigt.

In Somalia wird befürchtet, dass die Kämpfe weitergehen, weil die AU-Truppe nun Erfolgsdruck fühlen könnte, die Hauptstadt endlich ganz unter Kontrolle zu bekommen. Obwohl die afrikanische Eingreiftruppe seit Jahren und mit inzwischen rund 10.000 Soldaten im Land ist, um die Regierung zu stützen, haben sie nur die Hälfte der Hauptstadt unter Kontrolle.