Verbindung zu Norwegen-Attentäter

Rechtsextremist stand in Kontakt zu Anders Breivik

Ein britischer Rechtsextremist, der der Tempelritter-Bewegung angehört, will in direktem Kontakt zum Attentäter Anders Behring Breivik gestanden haben - über Facebook. Eine Woche nach den Anschlägen in Norwegen hat die dortige Bevölkerung unterdes der 76 Opfer gedacht.

Erstmals hat ein britischer Rechtsextremist zugegeben, Verbindungen zum Oslo-Attentäter Anders Behring Breivik gehabt zu haben. Ein früherer Aktivist der extrem rechten Gruppierung British Defence League sagte der Zeitung „The Times“, seine strikte Anti-Muslim-Ideologie habe Breivik möglicherweise inspiriert. Sollte dies so gewesen, tue ihm das leid.

Er habe direkten Online-Kontakt mit Breivik gehabt, sagte der 35 Jahre alte Paul Ray in einem Interview mit der Zeitung, das nach Angaben des Blattes auf Malta geführt wurde. Er habe sich aber verbeten, von Breivik als „Freund“ auf der Social-Media-Plattform Facebook aufgeführt zu werden. Ray gehörte der britischen Tempelritter-Bewegung an.

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„Ich gehöre zu seinen Mentoren. Ich kann für ihn mit Sicherheit eine Inspiration gewesen sein“, behauptete der Rechtsextremist. „Aber was er getan hat, ist das pure Böse.“ „Was er getan hat, passt nicht zu irgendetwas von dem, womit ich zu tun habe“, sagte Ray.

Eine Woche nach den Anschlägen in Norwegen hat die dortige Bevölkerung der 76 Opfer gedacht. „Heute ist es eine Woche her, dass Norwegen vom Bösen getroffen wurde“, sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg am Freitag auf einer Gedenkveranstaltung im „Volkshaus“ in der norwegischen Hauptstadt Oslo. „Wir müssen mit dem 22. Juli leben, doch zusammen werden wir es schaffen“, sagte er auf einer Bühne stehend, die mit roten Rosen geschmückt war – dem Symbol seiner regierenden Arbeiterpartei.

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Der Attentäter habe Norwegens Grundwerte angegriffen, sagte Eskil Pedersen von der Jugendorganisation der Arbeiterpartei. Dazu zählten Demokratie, Toleranz und der Kampf gegen Rassismus. „Lange bevor er (der Täter) vor Gericht steht, können wir sagen: Er hat verloren“, sagte Pedersen und versprach, dass die Jugendorganisation nächstes Jahr zu seiner jährlichen Sommerveranstaltung auf die Insel Utöya zurückkehren werde. Dort hatte der Attentäter vergangenen Freitag das Jugendlager der Arbeiterpartei angegriffen und 68 Menschen erschossen.

Stoltenberg hat die Norweger dazu aufgerufen, angesichts der Bluttat Einigkeit zu demonstrieren. Auch in einer Moschee im Einwandererviertel von Oslo fand am Freitag eine Gedenkveranstaltung statt. Der geständige Attentäter Anders Behring Breivik vertritt islamfeindliche Ansichten. Er sollte am Freitag erneut von der Polizei vernommen werden. Die norwegische Nachrichtenagentur NTB berichtete, Breivik sei ins Polizeihauptquartier von Oslo gebracht worden. Der 32-Jährige war bereits am vergangenen Samstag sieben Stunden lang verhört worden, einen Tag nach dem Doppelanschlag.

Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit möglich

Breivik hat die Taten gestanden, er bestreitet jedoch, sich damit strafbar gemacht zu haben und bezeichnet sich als nicht schuldig. Die Polizei beschuldigt Breivik des Terrorismus. Darauf steht in Norwegen eine Höchststrafe von 21 Jahren Haft. Möglicherweise werde der Vorwurf aber im Laufe der Ermittlungen geändert und laute dann Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte der Leiter der norwegischen Staatsanwaltschaft, Tor-Aksel Busch, der Nachrichtenagentur AP. Die Höchststrafe dafür sind 30 Jahre Gefängnis. Über einen solchen Vorwurf werde nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen entschieden, sagte er. Breivik solle wegen jedem einzelnen Mord angeklagt werden. Mit einer offiziellen Anklageerhebung sei aber erst im kommenden Jahr zu rechnen, sagte Busch.