Den Haag

Kriegsverbrecher Hadzic wird Tribunal überstellt

Goran Hadzic ist der letzte vom UN-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien gesuchte Verdächtige. Nun wird der frühere kroatische Serbenführer in Den Haag angeklagt. Seine Überstellung an das Tribunal steht unmittelbar bevor.

Der von Serbien an das UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien überstellte mutmaßliche Kriegsverbrecher Goran Hadzic ist im Gefängnis des Tribunals in Scheveningen bei Den Haag eingetroffen. Das Tribunal bestätigte am Freitag Hadzics Ankunft. Gegen 16.00 Uhr waren an dem Gefängnis zwei schwarze Fahrzeuge mit verspiegelten Scheiben vorgefahren. Zuvor war das Flugzeug mit Hadzic an Bord auf dem Flughafen von Rotterdam gelandet. Das vom UN-Sicherheitsrat im Jahr 1993 eingerichtete Tribunal wirft ihm unter anderem Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Der 52-jährige Hadzic war am Mittwoch nach sieben Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Er war der letzte noch flüchtige Angeklagte des UN-Kriegsverbrechertribunals. Hadzic soll für den Tod hunderter kroatischer Zivilisten und die Verschleppung zehntausender Kroaten und Nicht-Serben durch die serbischen Truppen während des Kroatien-Krieges (1991-1995) verantwortlich sein. Er war zwischen 1992 und 1993 Präsident der selbsternannten serbischen Republik Krajina, die damals ein Drittel des Gebietes von Kroatien umfasste.

Medienberichten zufolge fuhr der Konvoi zunächst nach Novi Sad im Norden des Landes, wo die Autos vor dem Haus von Hadzics Familie anhielten. Wie aus übereinstimmenden Quellen verlautete, hatte er die Erlaubnis bekommen, dort seine schwerkranke Mutter und seine schwangere Tochter zu besuchen.

Am Donnerstag hatte Hadzics Anwalt Toma Fila gesagt, es sei „realistisch“, dass sein Mandant ab Freitagnachmittag nach Den Haag überstellt werde. Für seine Überstellung nach Den Haag musste in letzter Instanz die serbische Justizministerin Snezana Malovic mit der Unterzeichnung eines entsprechenden Erlasses grünes Licht geben. Ob sie den Erlass bereits unterschrieben hat, war am Freitagmorgen noch unklar. Die Unterlagen sollten ihrem Ministerium „im Tagesverlauf“ vorliegen, hatte der Sprecher des serbischen Staatsanwalts für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, am Donnerstag gesagt. Der Zeitpunkt der Überstellung sollte jedoch bis zu deren Beginn geheim gehalten werden.