"News of the World"-Skandal

Scotland-Yard-Chef tritt wegen Abhöraffäre zurück

Paul Stephenson hatte sich einen Kuraufenthalt teilweise bezahlen lassen. PR-Chef des Kurunternehmens war ein Ex-Journalist der "News of the World" von Rupert Murdoch.

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Stephenson stolpert über Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit dem Abhörskandal - Murdoch-Vertraute Brooks gegen Kaution wieder frei

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In der Affäre um abgehörte Telefone und die Bestechung von Polizisten ist mit dem Scotland-Yard-Chef der ranghöchste britische Polizist zurückgetreten. Der Chef der Londoner Metropolitan Police, Sir Paul Stephenson, habe sein Amt zur Verfügung gestellt, berichtete die BBC.

Stephenson begründete den Schritt mit den „Spekulationen und Anschuldigungen“ über Verbindungen von Scotland Yard zur Zeitungsgruppe News International von Verleger Rupert Murdoch. Er habe am Nachmittag den Innenminister und den Bürgermeister von seiner Absicht informiert, als Chef von Scotland Yard zurückzutreten.

Stephenson war ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als bekannt wurde, dass er sich einen Kuraufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen. PR-Chef des Kurunternehmens war der inzwischen festgenommene frühere Journalist der Skandalzeitung „News of the World“, Neil Wallis.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Polizisten gegen die Zahlung von Bestechungsgeldern Informationen an die Zeitung herausgegeben hatten

Die Zeitung "News of the World" von Medienunternehmer Rupert Murdoch wurde eingestellt, nachdem herausgekommen war, dass Reporter unter anderem die Telefone von ranghohen Politikern, Prominenten und den Angehörigen toter Soldaten angezapft hatten. Außerdem hatten sie die Mailbox eines ermordeten Mädchens gehack t.

Ex-Chefredakteurin festgenommen

Murdoch kommt immer mehr unter Druck: Am Sonntag wurde seine Vertraute und ehemalige Vorstandsvorsitzende von News International, Rebekah Brooks, im Zusammenhang mit dem Abhörskandal um die „News of the World“ festgenommen . Der Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei, Ed Miliband, forderte zudem eine Zerschlagung von Murdochs Konzern: Dieser habe „zu viel Macht“.

Am Dienstag sollten Brooks, Murdoch und dessen Sohn James vor einem Komitee des britischen Parlaments aussagen, das den Abhörskandal untersucht. Allerdings müsste Brooks – sollte sie vor den Abgeordneten erscheinen können – keine Fragen beantworten, die polizeiliche Ermittlungen beeinträchtigen könnten.

Sie selbst sagte nach ihrer Festnahme, sie werde die Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützen. Die Londoner Polizei hatte die 43-Jährige am Sonntag in ein Polizeirevier der Stadt vorgeladen und in Gewahrsam genommen. Sie werde nun wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Abhören von Gesprächen und auf Bestechung verhört, hieß es.

Auch Dow-Jones-Chef nahm seinen Hut

Sie ist die zehnte Person, die im Zusammenhang mit dem Abhörskandal festgenommen wurde. Bisher ist noch keiner der Verdächtigen angeklagt worden.

Brooks, eine der engsten Vertrauten Murdochs, war am Freitag von ihrem Posten als Chefin des Verlags News International zurückgetreten, der die britischen Zeitungen von Murdochs News Corp. herausgibt. Von 2000 bis 2003 war Brooks Chefredakteurin der „News of the World“. Sie hatte stets beteuert, nichts vom Abhören von Telefonen gewusst zu haben.

2003 hatte sie vor Abgeordneten allerdings eingestanden, dass News International Polizisten für Informationen bezahlt habe. Neben Brooks hat Murdoch mit dem Rücktritt des Vorstandschefs des US-Verlags Dow Jones & Company, Les Hinton , am Freitag in den vergangenen Tagen einen zweiten hochrangigen Mitarbeiter seines Konzerns verloren.