Abhörskandal

Bei Murdoch werfen immer mehr das Handtuch

Rupert Murdoch gesteht ein ernsthaftes Fehlverhalten ein und entschuldigt sich in einer Zeitungsanzeige.Unterdessen verlassen mehr und mehr Menschen seinen Konzern. Nach Rebekah Brooks ist ein weiterer ranghoher Manager gegangen - Les Hinton.

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Der Medienunternehmer sagt "I am sorry", erst zur Familie des getöteten Mädchen Milly Dowler, dann per Anzeige in allen großen Zeitungen des Landes.

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Der Aderlass im Management des Konzerns News Corp von Medienunternehmer Rupert Murdoch setzt sich fort. Wenige Stunden nach dem Rücktritt der Chefin der britischen Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, nahm auch der Chef der Tochterfirma Dow Jones, Les Hinton, am Freitag seinen Hut. Murdoch startete am Samstag in sieben großen britischen Zeitungen eine Anzeigenkampagne, um sich für den Abhörskandal zu entschuldigen.

In ganzseitigen Zeitungsanzeigen erklärte der Medienunternehmer Rupert Murdoch am Samstag: „Es tut uns Leid“. Der Aderlass im Management des Konzerns setzte sich unterdessen fort: Der Chef der Tochterfirma Dow Jones, zu dem die angesehene US-Zeitung „Wall Street Journal“ gehört, trat zurück.

In den in sieben großen britischen Zeitungen geschalteten Anzeigen räumt der 80-jährige Murdoch unter der Überschrift „We are sorry“ (Es tut uns Leid) „ernsthaftes Fehlverhalten“ ein und entschuldigt sich dafür, dass Menschen „Schmerz“ zugefügt wurde. Zugleich bedauert er, „nicht schneller gehandelt zu haben, um die Dinge ins Reine zu bringen“. Der in den eigenen Blättern, aber auch bei der Konkurrenz wie dem „Guardian“ erschienene Text ist vom Firmenchef persönlich unterzeichnet.

Eltern getroffen

Zur weiteren Schadensbegrenzung traf sich Murdoch auch mit den Eltern des entführten und ermordeten Mädchens Milly Dowler, dessen Handy 2002 mutmaßlich von „News of the World“-Journalisten gehackt worden war. Nach dem Treffen sagte Murdoch, er sei „entsetzt“ gewesen, als er erfahren habe, was passiert sei.

Murdoch trennte sich zudem von Dow-Jones-Chef Les Hinton, der 52 Jahre lang für ihn arbeitete und zwischen 1995 und 2007 die britische Verlagstochter News International leitete, zu der auch das Skandalblatt „News of the World“ gehörte. Hinton entschuldigte sich in einer Erklärung bei denen, „die durch die Taten von 'News of the World' verletzt wurden“.

Zuvor war die durch den Abhörskandal in Großbritannien unter Druck geratene aktuelle Chefin von News International, Rebekah Brooks, zurückgetreten. Sie entschuldigte sich ebenfalls für die illegalen Abhörpraktiken. Auf Brooks folgt der Neuseeländer Tom Mockridge, bisheriger Chef des Murdoch-Senders Sky Italia.

Murdoch hatte die „News of the World“ eingestellt, nachdem herausgekommen war, dass Journalisten der Zeitung Handy-Mailboxen tausender Menschen, darunter Verbrechensopfer und Prominente, geknackt hatten. Angesichts der Empörung zog Murdoch am Mittwoch auch sein Übernahmeangebot für den Bezahlsender BSkyB zurück.

Der britische Schauspieler Jude Law verklagte derweil die zum Murdoch-Konzern gehörende Boulevardzeitung „The Sun“ wegen des mutmaßlichen Abhörens seiner Handy-Mailbox. Es geht laut Anwälten um vier Artikel des Blatts aus den Jahren 2005 und 2006. News International wies die Vorwürfe als „bewusst boshaften Versuch, die 'Sun' in den Skandal mit hineinzuziehen“, zurück.

In den USA geriet der Murdoch-Konzern ins Visier der US-Bundespolizei. Wegen des Vorwurfs, auch in den USA seien Telefone angezapft worden, seien vorläufige Ermittlungen eingeleitet worden, sagte eine FBI-Sprecherin. In den USA gehört unter anderem der Fernsehsender Fox News zum Murdoch-Imperium.

Am Dienstag sollen Brooks sowie Murdoch und sein Sohn James im Medienausschuss des britischen Unterhauses angehört werden. Durch die Affäre gerät auch der konservative britische Regierungschef David Cameron unter Druck. Einer am Freitag von der Regierung veröffentlichten Liste zufolge traf er innerhalb von 15 Monaten 26 Mal mit führenden Vertretern des Murdoch-Konzerns zusammen, davon zwei Mal mit Brooks und drei Mal mit James Murdoch.