Alkohol, Krankheiten, Burka?

Skurrile Vorwürfe gegen Sarkozy-Gegnerin Aubry

Martine Aubry, Kandidatin für die Präsidentschaftswahl in Frankreich, kämpft gegen Unterstellungen. Streut der Elysée-Palast Unwahrheiten, um Präsident Sarkozy im Amt zu halten?

Foto: REUTERS

Kandidatin für eine Präsidentschaftswahl zu sein ist keine erbauliche Übung. Diese Erfahrung macht derzeit die Vorsitzende der französischen Sozialisten, Martine Aubry . Zwei Wochen ist es her, dass sie ihre Kandidatur für die Vorwahlen der Parti socialiste (PS) im Oktober erklärte. Doch ihre Kampagne wurde durch die scheinbare Wende im Fall Strauss-Kahn umgehend torpediert.

Seine Fans spekulierten sogleich über eine Rückkehr des ehemaligen Direktors des Internationalen Währungsfonds in das Präsidentschaftsrennen. Aubry ist für sie bestenfalls zweite Wahl. Nachdem in Paris die Autorin Tristane Banon eine weitere Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung gegen Strauss-Kahn gestellt hat, ist die Euphorie wieder zurückgegangen. Banon wurde am Dienstag von der Polizei vernommen. Strauss-Kahn erwartet in der Heimat womöglich ein zweites Verfahren. Selbst wenn die New Yorker Vorwürfe fallen gelassen werden, sieht seine politische Zukunft eher grau aus.


Die Kampagne von Martine Aubry indes hat dies nicht beflügelt. Interesse erregt sie am ehesten durch ihren Kampf gegen bösartige Gerüchte, die über sie derzeit im Umlauf sind. Eines betrifft ihren Ehemann, den Rechtsanwalt Jean-Louis Brochen. Dieser sei ein Islamist, behaupten diverse rechte Propagandisten im Netz.

Das ist zwar Unfug, erhält Nahrung aber dadurch, dass Brochen, der sich selbst als militanter Bürgerrechtsanwalt versteht, seit 1993 in einigen Fällen junge Muslima verteidigt hat, die sich dem Schleierverbot an Schulen widersetzten. Seither gilt Brochen, der mit Aubry seit 2004 in zweiter Ehe verheiratet ist, in rechten Kreisen als „Verteidiger der Bärtigen.“

Weitere Varianten der üblen Nachrede betreffen Aubry selbst. So unterstellen diverse Quellen im Netz ihr eine Krebserkrankung. Weit über 120.000 Google-Treffer landet, wer in der Suchmaschine „Aubry Alkoholikerin“ eingibt.

Jetzt erwägt sie zu klagen

Martine Aubry hat zunächst versucht, die virtuellen Attacken gegen ihre Person mit Humor zu kontern. Bei einem Wahlkampfauftritt in Valence vor einigen Tagen hielt sie eine Flasche Vittel-Wasser hoch und scherzte: „Es ist nicht einfach, Whiskey zu trinken, wenn man einen Ehemann hat, der einen zwingt, Burka zu tragen.“

Angesichts der Hartnäckigkeit der Unterstellungen erwägt sie nun allerdings zu klagen. „Ich habe eine einfache Regel: diese Fehlinformationen zu korrigieren und jedes Mal vor Gericht zu ziehen, wenn es nötig ist“, sagte die Parteivorsitzende, die ihr Amt im Wahlkampf ruhen lässt, der Zeitung „Libération“.

Verschwörungstheorien über den Élysée-Palast

Aubrys Anhänger sind überzeugt, dass der Élysée-Palast an der Verbreitung der Gerüchte beteiligt ist. Angeblich lasse sich nachweisen, dass Twitter-Konten und Web-Seiten, die der UMP nahe stehen, die Kampagne befeuerten, behaupten Mitarbeiter von Aubrys Wahlkampfbüro. Insbesondere Sarkozys Vertrauten Brice Hortefeux haben sie im Verdacht. Der Ex-Innenminister, der für den Präsidenten den Wahlkampf organisieren soll, erzähle Journalisten, Aubry habe mehrere Entziehungskuren hinter sich.

Zwei „enge Mitarbeiter“ des Präsidenten, die sie hinter den Gerüchten vermute, habe Aubry inzwischen angerufen und zur Rede gestellt, berichtet die Zeitung „Figaro“. Die UMP reagierte auf die Vorwürfe erwartbar unwirsch: „Ablenkungsmanöver“ seien das, sagte der Generalsekretär Jean-François Copé. Erst solle die UMP ein Komplott angeregt haben, um Strauss-Kahn hereinzulegen, jetzt stecke sie hinter den Vorwürfen für Aubry. Arbeitsminister Xavier Bertrand forderte Aubry auf, die UMP zu verklagen, wenn sie sich diffamiert fühle.

Sie habe in ihrer politischen Laufbahn einige Attacken eingesteckt und sei hinreichend „gepanzert“, versicherte Aubry der „Libération“. Ihre Kampagne fasste sie mit der Formulierung zusammen, sie wolle „eine solide Präsidentin für ein solidarisches Frankreich“ werden. Sie wird noch etwas Schwung holen müssen, wenn sie den in Umfragen führenden François Hollande im Kampf um die Kandidatur der PS bezwingen will.