Von Peking nach Köln

China verweigert Schriftsteller die Reise

Der Autor Liao Yiwu durfte bereits zur Frankfurter Buchmesse nicht aus China ausreisen. Vergeblich bat er Kanzlerin Merkel um Hilfe. Nun wurde dem 50 Jährigen auch die Teilnahme an einem Literaturfest in Köln verweigert. Kurz vor dem Start holten Polizisten ihn aus dem Flugzeug. Seitdem gibt es keinen Kontakt zu ihm.

Foto: AFP

China hat den chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu daran gehindert, zur Teilnahme an einem Literaturfestival nach Deutschland zu reisen.

Polizisten holten den Autor in der südwestchinesischen Stadt Chengdu kurz vor dem Start wieder aus dem Flugzeug und nahmen ihn vorläufig fest, wie eine Freundin telefonisch berichtete. Liao Yiwu hatte ein deutsches Visum und wollte mit einer Zwischenstation in Peking nach Deutschland fliegen.

„Pass und Visum waren in Ordnung“, berichtete die Freundin. Liao Yiwu habe sie noch kurz angerufen, während er im Flughafen auf die Wache gebracht worden sei. Seitdem habe sie ihn nicht mehr kontaktieren können. "Ich habe bei der Polizei am Flughafen nachgefragt, aber nichts erfahren können.“

Kurz vor seinem geplanten Abflug habe sich Liao Yiwu mit einem ranghohen deutschen Diplomaten in Chengdu getroffen, berichtete die Freundin, ohne Details zu nennen.

In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Liao Yiwu Anfang Februar um Hilfe bei seiner Ausreise gebeten: "Sie sind deutsche Kanzlerin und Sie wissen aus eigener Erfahrung, was Diktatur bedeutet.“

Der 50-Jährige, der im vergangenen Herbst schon nicht zur Frankfurter Buchmesse mit dem damaligen Ehrengast China ausreisen durfte, wollte am Literaturfest am 19. März in Köln (lit.Cologne) teilnehmen.

Er habe von Chengdu nach Peking und dann am Freitag nach Deutschland weiterfliegen wollen, berichtete seine Freundin.

Der Schriftsteller ist in Deutschland unter anderem bekannt für sein in China verbotenes Buch „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten“, das auf Deutsch erschienen ist. Er hatte dafür Toilettenputzer, Prostituierte, alte Mönche, politische Häftlinge oder Straßenkünstler interviewt. Der Autor saß vier Jahre in Haft, nachdem er 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung ein Gedicht „Massaker“ publiziert hatte. Seitdem steht Liao Yiwu auf der schwarzen Liste.

Liao Yiwu wollte nur nach Köln reisen und nach eigenen Angaben keineswegs politisches Asyl in Deutschland beantragen, sondern anschließend wieder in seine Heimat zurückkehren.