Nach Krebsoperation

Hugo Chávez will seine Feinde überraschen

Chávez ist nach vierwöchigem Aufenthalt auf Kuba wieder zurück – inklusive Misstrauen seinen Landsleuten gegenüber. Er hat mehr als 30.000 Kubaner ins Land geholt.

Hugo Chávez ist zurück. Nach einer Krebsoperation und einem fast vierwöchigen Aufenthalt auf Kuba landete der 56-jährige „Primer Mandatario“ am Morgen in Caracas. Drei Wochen lang hatten die Venezolaner gerätselt, was der angebliche „Abszess im Unterleib“ gewesen sein könnte, der als Anlass für die Operation angegeben worden war.

Erst seit Ende letzter Woche wussten sie, dass ihr seit 1999 regierender Präsident Krebs hat: Er hatte es in einer Fernsehübertragung selbst bekannt gemacht. Allerdings hatte er nicht gesagt, um welchen Krebs es sich handele.

„Ich bin wieder hier – zu Hause und glücklich: Guten Tag mein geliebtes Venezuela! Guten Tag mein geliebtes Volk! Danke mein Gott! Das ist der Beginn meiner Rückkehr!“ ließ er sein Volk wissen. Er wisse aber noch nicht genau, ob er an den offiziellen Feierlichkeiten zum Gedenken an den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit teilnehmen könne.

„Ich glaube nicht, dass ich euch dabei begleiten kann, aber zumindest bin ich hier“, gab er zu Protokoll und erzählte weiter, dass er eine strikte Diät einhalten müsse. Sein Lob ging an Kuba, wo er in den zurückliegenden Wochen sehr gut behandelt worden sei.

Fidel Castro hatte am Wochenende in einer seiner regelmäßig erscheinenden „Reflexiones“ bekräftigt, Chávez werde seinen Krebs besiegen und habe „beeindruckende Fortschritte“ bei der Genesung gemacht – seine Feinde sollten sich vorsehen: „Es gibt für sie bald Überraschungen.“

Machtübernahme? Ausgeschlossen!

Seine lange Abwesenheit hatte die Abhängigkeit Venezuelas von ihm offenbart. Es war eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob Chávez vom Krankenbett in Havanna aus das Land über einen langen Zeitraum würde leiten können – und überhaupt dürfen.

Die Verfassung, die sich Chávez nach seiner Machtübernahme auf den Leib hatte schneidern lassen, sieht angeblich vor, dass er 180 Tage außer Landes bleiben könne, ohne dass der Vizepräsident mit der Führung der Regierungsgeschäfte beauftragt werden müsse. Das ließ Vizepräsident Elias Jaua immer wieder verlauten. Die Opposition hatte ebenso oft gefordert, dass Jaua die Regierungsgeschäfte offiziell übernehmen solle.

Am Wochenende waren Fotos aufgetaucht, die Chávez mit Außenminister Nicolás Maduro in Havanna zeigten. Maduro hatte danach behauptet, Chávez habe „definitiv“ keinen Darmkrebs. Damit verstärkte sich das Gerücht, es handle sich bei der Erkrankung von Chávez um Prostatakrebs.

Das könnte erklären, warum Chávez, der nach Recherchen des venezolanischen Publizisten Nelson Bocaranda schon seit Februar gewusst haben soll, dass er Krebs hat, sich nach Kuba zurückzog. Dort konnte er seine Krankheit ungestörter auskurieren als in Caracas. Außerdem stand ihm dort auch der spanische Leibarzt Fidel Castros zur Verfügung, der ihn angeblich auch operiert haben soll.

Kein Vertrauen in sein Volk

Es ist kein Geheimnis, dass Chávez seinen eigenen Leuten nicht traut und sich seit langem schon von kubanischen Sicherheitskräften bewachen lässt. Kubaner kontrollieren außerdem das venezolanische Außenministeriums und den Geheimdienst.

Offiziell sind 30.000 Kubaner als Ärzte, Techniker und Sporttrainer tätig; ihre mit sechs Milliarden Dollar veranschlagten „Gehälter“ werden nach Kuba überwiesen. Täglich bekommt Havanna außerdem 100.000 Fass venezolanisches Erdöl zu „Sonderkonditionen“, den größten Teil verkaufen die Kubaner gewinnbringend auf dem internationalen Spotmarkt.

Zusammenarbeit mit den Castro-Brüder

Vor seiner Operation hatte Chávez eine noch weitreichendere Zusammenarbeit mit den Castro-Brüdern vereinbart und bilaterale Verträge über 1,3 Milliarden Dollar unterzeichnet.

Ende 2012 finden in Venezuela Präsidentschaftswahlen statt. Obwohl er das noch nicht offiziell bekannt gegeben hat, will Chávez offenbar ein weiteres Mal kandidieren. Die Zersplitterung der Opposition hatte ihm in den zurückliegenden zwölf Jahren das Regieren erleichtert. Allerdings versuchen seine Gegner seit geraumer Zeit, sich enger zusammenschließen und mit einem überzeugenden gemeinsamen Kandidaten anzutreten.