Afghanistan

Terror in Kabul - Nato tötet Taliban in Luxushotel

Die letzten Attentäter starben auf dem Dach: Nato-Hubschrauber töteten Terroristen, die ein Luxushotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen hatten. Insgesamt starben zehn Menschen. Hintergrund des Terror-Angriffs: Die Taliban machten anscheinend gezielt Jagd auf Ausländer.

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Mindestens sechs Selbstmordattentäter sowie zahlreiche weitere schwer bewaffnete Taliban griffen das Hotel Intercontinental in Kabul an. Nach stundenlangen Kämpfen wurde der Überfall am frühen Mittwochmorgen niedergeschlagen.

Video: Reuters
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Bei einem Angriff eines scherbewaffneten Selbstmordkommandos der Taliban auf das Luxushotel Intercontinental in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind zehn afghanische Zivilpersonen getötet worden. Das teilte der Polizeichef von Kabul, Mohammed Ajub Salangi, am Mittwoch mit. So hätten sich unter den Opfern überwiegend Hotelangestellte befunden.

Nach dem Angriff eröffneten Helikopter der Nato aus Maschinengewehren das Feuer auf einige Angreifer, die sich auf dem Dach des Gebäudes verschanzt hatten. Dabei wurden drei Attentäter getötet, wie ein Sprecher der Militärallianz am Mittwoch mitteilte.

Daraufhin hätten sich afghanische Sicherheitskräfte auf das Hoteldach vorgearbeitet und die restlichen Aufständischen angegriffen. Die Nato-Helikopter schlugen zu, nachdem das Hotel von vier schweren Explosionen erschüttert worden war.

In dem staatlichen Hotel, das nicht zur weltweiten Intercontinental-Kette gehört, hielten sich zu Beginn des Angriffs am Dienstagabend die Teilnehmer einer für Mittwoch geplanten Konferenz zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen auf. Trotz strenger Kontrollen gelang es den Aufständischen, in das Gebäude einzudringen. Einem afghanischen Vertreter zufolge waren sie mit Sprengstoffgürteln, Raketen und Waffen ausgerüstet.

Überwiegend Regierungsvertreter und Ausländer unter den Gästen

Sechs Selbstmordattentäter hatten das überwiegend von afghanischen Regierungsvertretern und ausländischen Gästen frequentierte Intercontinental am Dienstagabend angegriffen, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki. Zwei der Angreifer wurden demnach kurz nach Beginn ihrer Attacke von Wachmännern getötet. Vier weitere Islamisten hätten sich entweder in die Luft gesprengt oder seien bei dem Nato-Luftangriff oder von afghanischen Sicherheitskräften getötet worden, erklärte Sedikki.

Nach Angaben afghanischer Behörden waren die Selbstmordattentäter und Kämpfer schwer bewaffnet. So hätten sie unter anderem Maschinengewehre, Granatwerfer und Handgranaten mit sich geführt. Nachdem sie in das Hotel eindrangen, sprengte sich demnach mindestens einer von ihnen in die Luft. Sofort eilten Polizisten zu dem Schauplatz, die sich mehr als vier Stunden lange Feuergefechte mit den Aufständischen lieferten.

Nach Angaben Sedikkis hielten sich in dem Hotel zwischen 60 und 70 Gäste auf, darunter auch Ausländer. Sie seien Berichten zufolge in ihren Zimmern in Sicherheit gewesen, sagte der Ministeriumssprecher. Indes beobachteten Reporter der Nachrichtenagentur, wie mindestens fünf Leichen aus dem Hotel gebracht wurden. Ob es sich bei ihnen um die Angreifer oder deren Opfer handelte, war zunächst unklar.

Der stellvertretende Polizeichef von Kabul, Daud Amin, erklärte, dass bei dem Anschlag acht Menschen, darunter zwei Polizisten und sechs Zivilpersonen, verletzt worden seien.

Talibansprecher Sabiullah Mudschahid bekannte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AP zu dem Angriff. In einer Stellungnahme erklärte er, die Angreifer hätten „50 ausländische und einheimische Feinde getötet und verletzt“.

Konferenz über Friedensbemühungen mit Islamisten

Vor dem Anschlag hatte in Kabul am Dienstag eine internationale Konferenz zu Bemühungen um Frieden mit den Taliban stattgefunden. Vertreter Afghanistans, Pakistans und der USA berieten über die Aussichten auf Friedensbemühungen gegenüber den radikalen Islamisten. Am heutigen Mittwoch ist eine weitere Konferenz geplant, bei der es um den Einsatz einheimischer Sicherheitskräfte bis zum Jahr 2014 gehen soll.

Im Januar 2008 hatten Bewaffnete ein beliebtes Luxushotel in Kabul gestürmt und acht Menschen getötet, darunter mehrere Ausländer. Das Inter-Continental wurde Ende der 1960er Jahre eröffnet und war das erste internationale Luxushotel Afghanistans.