"Abscheuliche Gewalt"

USA fordern UN-Resolution gegen Syrien

Die Lage in Syrien bleibt angespannt. Regierungstruppen schießen auch aus Hubschraubern auf Demonstranten. Die Aktivisten erwarten einen nächsten massiven Angriff. Die Internationale Gemeinschaft verurteilt die anhaltende Gewalt.

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Die syrische Armee ist nach offiziellen Angaben in eine von Gewalt erschütterte Grenzstadt zur Türkei eingerückt.

Video: Reuters
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Angesichts des immer brutaleren Vorgehens der syrischen Führung gegen Regierungsgegner hat die internationale Gemeinschaft erneut auf ein Ende der Gewalt gedrungen. Während im UN-Sicherheitsrat am Freitag weiter über eine Resolution gegen Syrien debattiert wurde, nannte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Gewalt der Sicherheitskräfte „inakzeptabel“.

Das syrische Militär geht inzwischen auch aus der Luft gegen die seit Monaten demonstrierenden Regierungsgegner vor. In der nordwestlichen Stadt Maarat al-Numaan feuerte die Armee einer Menschenrechtsgruppe zufolge am Freitag aus Kampfhubschraubern auf Zehntausende Demonstranten. Mindestens fünf Hubschrauber hätten das Feuer aus automatischen Waffen eröffnet, um eine Protestkundgebung aufzulösen, berichtete ein Augenzeuge über Telefon.

„Die Menschen flohen in Felder, unter Brücken und in ihre Häuser, aber obwohl die Straßen dann fast menschenleer waren, dauerte der Beschuss noch Stunden an.“ Es sind die ersten Berichte über einen Lufteinsatz gegen die Regierungsgegner, die aus Syrien nach Außen drangen.

Zuvor hätten Sicherheitskräfte bereits fünf Demonstranten in der Stadt getötet, teilte die Gruppe Syrian Observatory for Human Rights mit. Das syrische Staatsfernsehen machte dagegen erneut regierungsfeindliche Gruppen für die Gewalt verantwortlich. Rettungshubschrauber seien von „bewaffneten Terroristengruppen“ in Maarat al-Numaan beschossen und Besatzungsmitglieder dabei verletzt worden, hieß es dort. Von Kampfhubschraubern war in dem Bericht keine Rede. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen. Syrien unterbindet die Berichterstattung ausländischer Journalisten.

Bei dem gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstranten wurden am Freitag im ganzen Land mindestens 25 Zivilisten getötet. Besonders hart gingen die Sicherheitskräfte im Nordwesten des Landes vor; in der Provinz Idlib erschoss die Armee nach Angaben von Augenzeugen und Menschenrechtsaktivisten mindestens elf Menschen. Neun Menschen wurden den Angaben zufolge in der nordwestlichen Hafenstadt Lattakia getötet, zwei in der südlichen Provinz Daraa und drei in dem zur Hauptstadt Damaskus gehörenden Bezirk Kabun.

Am Samstag rückte die Armee weiter auf Dschisrasch Schugur vor. Das syrische Fernsehen berichtete, die Armee habe dort „Verantwortliche der bewaffneten Gruppen“ festgenommen, die „Gräueltaten“ verübt hätten.

Kritik von der Internationalen Gemeinschaft

UN-Generalsekretär Ban äußerte sich über die Gewalt syrischer Sicherheitskräfte gegen Zivilisten „zutiefst beunruhigt“, wie sein Sprecher Martin Nesirky sagte. Die syrischen Behörden hätten die Pflicht, ihr Volk zu schützen und seine Rechte zu respektieren. Ban rief die Regierung in Damaskus zu „echten Reformen“ auf. Nesirky zufolge weigert sich der syrische Präsident Baschar el Assad inzwischen, mit dem UN-Generalsekretär zu telefonieren.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, sagte, die USA verurteilten „die abscheuliche Gewalt in ganz Syrien und vor allem in der nordwestlichen Region“. Die syrische Regierung führe das Land „auf einen gefährlichen Pfad“. US-Verteidigungsminister Robert Gates sprach von einem „Massaker an unschuldigem Leben“. Carney zufolge unterstützen die USA im Sicherheitsrat den Resolutionsentwurf gegen Syrien.

Die Debatte über den von Deutschland und anderen europäischen Ländern eingebrachten Entwurf sollte am Wochenende fortgesetzt werden. Russland und China lehnen den Text ab, der eine Verurteilung der Gewalt und ein Waffenembargo vorsieht.

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei erhöhte sich indes auf etwa 4300, wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag unter Berufung auf örtliche Behörden berichtete. In die Türkei geflohene syrische Soldaten berichteten vom Druck der Führung auf die Armee. Auf Anhöhen postierte Scharfschützen würden getötet, wenn sie nicht auf Regierungskritiker schießen, sagte der Deserteur Ahmed Chalef.

Ein anderer Deserteur berichtete, ihm und seinen Kameraden sei gesagt worden, in Ar Rastan in der zentralsyrischen Provinz Homs gebe es bewaffnete Männer. Es habe sich aber vielmehr um „einfache Zivilisten“ gehandelt, auf die die Soldaten hätten schießen sollen. „Als wir in die Häuser eingedrungen sind, haben wir auf alle darin geschossen: Auf die Großen wie auf die Kleinen“, fügte Tahal el Lusch hinzu.

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