Teure Freiheit

Strauss-Kahn und die 200.000-Dollar-Fessel

Dominique Strauss-Kahn kommt sein kleines bisschen Freiheit teuer zu stehen. Nicht nur, dass er bereits für Kaution und Bürgschaft rund sechs Million Dollar löhnte, jetzt soll er auch für die Kosten seines Hausarrests aufkommen, für Fußfesseln, Kameras und Sicherheitsleute.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Der wegen versuchter Vergewaltigung angeklagte frührer IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn kommt gegen Kaution frei. Am Freitag soll er entlassen werden.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Die letzten Tage waren für den ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn keine besonders rosige Zeit. Nicht nur, dass er sich wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung vor Gericht verantworten musste und von seinem Amt zurücktrat – diverse Ortswechsel standen für ihn außerdem als Begleiterscheinung auf dem Programm. Von seinem luxuriösen 90 Quadratmeter Appartement mit wunderbarem Blick auf New York ging es für ihn auf die Gefängnisinsel Rikers Island mit gerade mal 14 Quadratmetern und strengen Regeln. Jeden Abend wurde um 23 Uhr das Licht ausgeschaltet. Strauss-Kahn durfte pro Tag eine Zeitung lesen und Fernsehen gab es nur im Gemeinschaftsraum. Dort hat er nun allerdings vorerst seine letzt Nacht verbracht. Er zieht erneut um.

Satellitenaufnahme von Rikers Island

Denn knapp eine Woche nach seiner Festnahme steht Strauss-Kahn kurz vor seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft. Ein New Yorker Richter entschied am Donnerstag, den 62-Jährigen gegen Zahlung einer Kaution und unter strengen Auflagen auf freien Fuß zu lassen. Richter Michael Obus verhängte eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (rund 700.000 Euro). Weitere fünf Millionen Dollar muss der Ex-IWF-Chef in Form von Bürgschaften hinterlegen. Nach seiner Freilassung muss sich Strauss-Kahn die ganze Zeit über in einer Wohnung in Manhattan aufhalten, wo er rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsleuten überwacht wird. Auch Überwachungskameras sollen dort installiert werden.

Rund 140.000 Euro für ein Leben unter Hausarrest

Strauss-Kahn muss dann zudem eine elektronische Fessel tragen und seinen Reisepass abgeben. Besuche sind streng limitiert, etwa für religiöse Angelegenheiten. Richter Obus legte fest, dass Strauss-Kahn für die gesamten Kosten der Sicherheitsvorkehrungen selbst aufkommen muss – nach Schätzungen von Staatsanwalt John McConnell betragen diese mehr als 200.000 Dollar (140.000 Euro) im Monat.

Strauss-Kahns Anwalt William Taylor sagte, die Frau des zurückgetretenen IWF-Chefs, die Fernsehjournalistin Anne Sinclair, habe bereits eine Wohnung in New York gemietet. Die strengen Sicherheitsauflagen kritisierte er als überflüssig: Strauss-Kahn sei ein „ehrenhafter Mann“ dessen einziges Interesse es sei, seinen Namen reinzuwaschen. Es sei „lächerlich“ zu glauben, Strauss-Kahn werde einfach nach Frankreich verschwinden.

Die Staatsanwaltschaft betonte dagegen, es bestehe eine hohe Fluchtgefahr. Sie verwies unter anderem darauf, dass Strauss-Kahn wenige Stunden nach dem mutmaßlichen sexuellen Übergriff gegen eine Hotelangestellte am New Yorker Flughafen JFK an Bord einer Air-France-Maschine festgenommen wurde. Außerdem habe Strauss-Kahn „Status und Mittel“, bei einer Flucht aus den USA ein „gemütliches und komfortables Leben“ jenseits der Zugriffsmöglichkeiten der US-Behörden zu führen, sagte Staatsanwalt McConnell. Richter Obus drohte Strauss-Kahn mit Konsequenzen beim „kleinsten Problem“ bei der Einhaltung der Vorgaben.

Vor dem Beschluss zur Freilassung Strauss-Kahns aus der U-Haft hatten ihn die Geschworenen der Grand Jury formell angeklagt. Strauss-Kahn soll am Samstag ein Zimmermädchen in einem New Yorker Luxushotel sexuell angegriffen und zum Oralsex gezwungen haben. Die Ermittler werfen ihm unter anderem versuchte Vergewaltigung, Freiheitsberaubung sowie einen „kriminellen sexuellen Akt“ vor, worunter im US-Strafrecht erzwungener Oral- oder Analverkehr fällt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 74 Jahre Haft. Strauss-Kahn weist die Vorwürfe gegen ihn zurück.

Der nächste Anhörungstermin vor Gericht wurde auf den 6. Juni festgesetzt. Dort könnte Strauss-Kahn auf nicht schuldig plädieren, was einen Prozess zur Folge hätte. Bekennt er sich schuldig, könnte er mit der US-Justiz eine Übereinkunft treffen und so einen Prozess vermeiden. Vielleicht darf er ja dann wieder umziehen.