Entsetzte Politiker

Junge Russin soll im Unterhaus spioniert haben

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Sebastian Borger

Foto: action press / action press/EXCLUSIVE PIX

Katia Zatuliweter (25) soll im britischen Unterhaus gespitzelt haben. Sie arbeitete für einen Abgeordneten, der als sehr russlandfreundlich gilt.

Nachdem die Sicherheitsbehörden die russische Assistentin eines Abgeordneten unter Spionageverdacht in Auslieferungshaft genommen haben, geht im britischen Unterhaus die Angst um vor russischer Infiltration. Die aus der Provinz Dagestan stammende russische Staatsbürgerin Katia Zatuliweter (25) absolvierte ein Master-Studium am renommierten Institut für Friedensforschung im nordenglischen Bradford und erhielt dann eine Assistentenstelle im Unterhaus bei Mike Hancock.

Der Liberaldemokrat vertritt den südenglischen Wahlkreis Portsmouth mit einem großen Marinestützpunkt und gehört seit zehn Jahren dem einflussreichen Verteidigungsausschuss an. Der 64-Jährige ist von der Unschuld seiner Mitarbeiterin überzeugt: „Sie ist keine russische Spionin. Niemand hat mir jemals irgendwelche Erkenntnisse zukommen lassen, die darauf hindeuten.“

Freilich könnte das auch daran liegen, dass die Sicherheitsbehörden den Liberaldemokraten selbst für einen unsicheren Kantonisten halten. Gegen den Abgeordneten läuft ein Verfahren wegen sexueller Belästigung einer Bewohnerin seines Wahlkreises. Im Unterhaus fiel Hancock durch eine Serie sicherheitsrelevanter Anfragen an das Verteidigungsministerium auf: wie viel Plutonium und anderes radioaktives Material den Streitkräften zur Verfügung stehe, wie es verwahrt werde, wo die atombewaffneten U-Boote stationiert seien. Im Allparteien-Komitee zu Russland galt er als so Putin-freundlich, dass der Labour-Mann und frühere Europastaatssekretär Chris Bryant im Sommer Hancock erfolgreich den Posten des Chairman streitig machen konnte.

In der Parlamentarierversammlung des Europarates, der Hancock seit 2005 angehört, genießt er laut „Sunday Times“ den Ruf des „russlandfreundlichsten Abgeordneten aus ganz Westeuropa“. Der langjährige Chef der liberalen Fraktion in der Parlamentarierversammlung, Matyas Eörsi, teilt die Bedenken gegen Hancock. Dieser sei stets „von sehr jungen, sehr hübschen Russinnen und Ukrainerinnen umgeben“ gewesen, vertraute der Ungar der britischen Zeitung „Guardian“ an.

Die „Daily Mail“ spekulierte, Zatuliweter könnte gezielt auf den als lebenslustig geltenden Hancock angesetzt worden sein. Wenn sich der Verdacht gegen die Russin bewahrheitet, hätte Großbritannien zum ersten Mal seit Ende des Kalten Krieges einen Agenten im Palast von Westminster dingfest gemacht. Dementsprechend hohe Wellen schlägt der Fall im Unterhaus. Bryant: „Da erfährt man viel über Abgeordnete und Minister, was sich als Material für Erpressungen nutzen lässt.“ Londoner Fachleute weisen auf die Ausweisung von zehn sogenannten Schläfern des russischen Geheimdienstes aus den USA in diesem Sommer hin und glauben, dass es auf der Insel etwa 35 russische Geheimdienstler gibt. Katia Zatuliweters Abschiebung würde deren Zahl reduzieren, allerdings das ohnehin gespannte britisch-russische Verhältnis weiter belasten.

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