Chinesischer Künstler

Stasi-Agent will mit Ai Weiwei ins Geschäft kommen

Beim geplanten Verkauf eines Berliner Ausstellungsgeländes an den inhaftierten chinesischen Starkünstler und Staatsfeind Ai Weiwei spielt ein ehemaliger DDR-Geheimdienst-Mitarbeiter eine zentrale Rolle.

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei, der am vergangenen Sonntag wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen auf dem Pekinger Flughafen verhaftet worden war, ist bei der Suche nach einem Ausstellungsgelände in Berlin ausgerechnet an einen ehemaligen Agenten der DDR-Staatssicherheit geraten. Das ergaben Recherchen von Morgenpost Online.

Die vierschiffige frühere Fabrikhalle im Berliner Stadtteil Oberschöneweide in Köpenick, die Ai Weiwei Ende des Monats am Rande des Gallery Weekend für etwas weniger als zwei Millionen Euro kaufen wollte, gehört nach Informationen von Morgenpost Online dem Berliner Anwalt Sven Herrmann, der zu DDR-Zeiten nicht nur für die Spionageabteilung der Staatssicherheit unter dem Decknamen „Fidel“, sondern auch für den Zentralrat der Jugendorganisation FDJ (Freie Deutsche Jugend) in sensibler Position gearbeitet hatte. Die Vergangenheit des ehemaligen SED-Mitgliedes war Ai Weiwei und der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt.

Herrmanns Firma Schauhallen in Berlin hatte vom Land, einem Liegenschaftsfonds der Stadt und einer bundeseigenen Immobilienfirma Mitte des letzten Jahrzehnts ein fast 20.000 Quadratmeter großes Grundstück auf dem ehemaligen AEG-Gelände in Oberschöneweide zum günstigen Preis von 432.471 Euro erworben. Im Zusammenhang mit dem Kauf hatte der frühere DDR-Agent ein Kunstzentrum angekündigt, das unter dem Namen „Schauhallen Berlin“ internationale Bedeutung erlangen sollte. Daraus wurde bislang nichts. Dennoch investierte das Land Berlin nach Informationen von Morgenpost Online fast sieben Millionen Euro in das Umfeld der Hallen.