Offensive des Diktators

Gaddafi-Truppen trotzen Luftschlägen des Westens

Die Anhänger des Diktators Gaddafi sind auf dem Vormarsch. Trotz Luftangriffen der Militärallianz vertrieben sie die Rebellen aus Ras Lanuf und Brega.

Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben die strategisch wichtigen Städte Ras Lanuf und Brega zurückerobert und damit die Offensive der Regierungsgegner zurückgeschlagen.

Auch Luftangriffe der internationalen Streitkräfte konnten Gaddafis Truppen nicht aufhalten. Nur Stunden nach der Eroberung der Ölstadt Ras Lanuf nahmen sie auch Brega wieder ein. Die Aufständischen hatten nach der Aufgabe von Ras Lanuf am Morgen versucht, sich im 60 Kilometer entfernten Brega zu sammeln und neuen Widerstand zu organisieren.

Trotz der Luftangriffe sind Gaddafis Truppen den Aufständischen in Ausrüstung, Ausbildung und Organisation weiterhin deutlich überlegen. Der Vormarsch der Rebellen auf Gaddafis Geburtsstadt Sirte kam im Granathagel der Regierungstruppen zum Erliegen. Die zurückgeschlagenen Rebellenverbände sammelten sich westlich von Adschdabija.

Libyens Außenminister Mussa Kussa setzte sich in der Zwischenzeit offensichtlich nach Großbritannien ab. Der bisherige Vertraute von Machthaber Muammar al-Gaddafi sei am späten Donnerstagabend in London gelandet, berichtete die BBC. Kussa sei vom Amt des Außenministers zurückgetreten.

Der britische Premierminister David Cameron sagte, nach Auffassung seiner Rechtsberater wäre eine Versorgung der Aufständischen mit Waffen unter Umständen von der jüngsten UN-Resolution gedeckt. Bislang habe seine Regierung allerdings noch keine Entscheidung getroffen.

Zuvor hatte Außenminister William Hague noch erklärt, das UN-Waffenembargo gelte nach britischer Auffassung auch für die Aufständischen. Einen ähnlichen Standpunkt vertrat die spanische Außenministerin Trinidad Jimenez.

Die Bundesregierung sah eigenen Angaben zufolge keinen Anlass zu einer Stellungnahme. Vizeregierungssprecher Christoph Steegmans sagte in Berlin, für die Bundesregierung stelle sich die Frage nicht. Außenamtssprecher Stefan Bredohl verwies darauf, dass in den Libyen-Resolutionen auch ein umfassendes Waffenembargo festgeschrieben sei. Das sei auch die Haltung der Bundesregierung.

Während US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Alain Juppé auf der Konferenz zur Zukunft Libyens mögliche Waffenlieferungen an die Rebellen ins Gespräch gebracht hatten, warnten Russland und China davor. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, eine neue, demokratische Regierung müsse ohne Einmischung von außen gebildet werden. Chinas Staatspräsident Hu Jintao sagte, Gewalt werde den Konflikt nicht lösen und forderte einen Waffenstillstand.

Großbritannien wies unterdessen fünf libysche Diplomaten wegen ihrer Unterstützung für Machthaber Gaddafi aus. Das teilte der britische Außenminister William Hague vor dem Parlament mit. Ihre Anwesenheit sei möglicherweise eine Gefahr für die Sicherheit, erklärte Hague. Die Diplomaten sollen auch versucht haben, Anhänger der Opposition in Großbritannien einzuschüchtern.

Hague bestätigte, dass britische Diplomaten in Bengasi Gespräche mit Vertretern der Opposition geführt hätten. Dabei sei es darum gegangen, die Sicherheitslage besser zu verstehen, sagte er. Die USA haben ähnliche Gespräche angekündigt. Als erstes Land hat Frankreich unterdessen eine diplomatische Vertretung in Bengasi eingerichtet.

Bei der Gesandten Antoine Sivan handele es sich allerdings nicht um eine Botschafterin. Als Diplomatin vor Ort solle sie die Beziehungen zum Übergangsrat in Bengasi ausbauen, sagte Juppé.Die Verhandlungen über einen Abgang Gaddafis würden mit absoluter Diskretion fortgeführt sagte Italiens Außenminister Franco Franetti. Es gebe eine ganze Reihe von bislang unverbindlichen Optionen - Immunität gehöre allerdings nicht dazu. „Wir können ihm keinen Pass für freies Geleit ausstellen“, sagte er.

Als offenbar erstes Land bot Uganda Gaddafi unterdessen Asyl an. Es stehe dem Machthaber frei, in Uganda zu leben, sagte der Pressesprecher von Präsident Yoweri Museveni, Tamale Mirundi.