Mutterschaftstourismus

Warum Asiatinnen ihre Kinder in den USA kriegen

Wer in den USA geboren wird, erhält automatisch die US-Staatsbürgerschaft. Vor allem Asiatinnen bringen ihre Kinder immer öfter dort auf die Welt.

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In der kleinen Stadt San Gabriel im südlichen Kalifornien trugen sich merkwürdige Ereignisse zu. Anwohner beschwerten sich über Lärm und berichteten, dass zahlreiche schwangere Asiatinnen in zwei Nachbarhäusern ein- und ausgingen. Bei der Durchsuchung der Häuser fand die Polizei ein Dutzend chinesische Staatsbürgerinnen vor, mitsamt zehn Neugeborenen.

Im Inneren des Gebäudes trugen die einzelnen Zimmer Nummern wie in einem Hotel. Da offensichtlich ein nicht gemeldetes Geschäft betrieben wurde, schlossen die Behörden die Einrichtung. In den USA floriert momentan ein äußerst obskurer Trend. In Folge des sogenannten „Mutterschaftstourismus“ bereisen ausländische hochschwangere Frauen mit einem Touristenvisum das Land, um es legal mit einem amerikanischen Staatsbürger wieder zu verlassen.

Der 14. Zusatzartikel der US-Verfassung sieht vor, dass jeder Mensch, der auf amerikanischem Territorium geboren wird, die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält. Diese Gesetzeslage machen sich wohlhabende Ausländerinnen zu Nutze – nicht selten sind sie asiatischer Herkunft. Um ihrem Nachwuchs bessere Bildungs- und Berufschancen zu ermöglichen, geben sie mehrere zehntausend Dollar für einen all-inclusive Geburtstourismus aus.

Doch auch für die Mütter selbst lohnt sich der Vorgang: Sobald die Kinder 21 Jahre alt sind erhalten auch die Eltern auf Antrag die Staatsbürgerschaft. Inzwischen hat sich diese Praxis vom Einzelfall zu einem großen Geschäft für Reiseanbieter entwickelt. Auf chinesischen Homepages bieten Veranstalter ein „Rund-um-Sorglos“ Paket an, das alles umfasst von der Visavorbereitung über einen Ernährungsplan bis hin zur Auswahl der lokalen Entbindungsstation.

Je nach finanzieller Lage kann die Kundin wählen zwischen einem schlichten Zimmer oder der Präsidentensuite. Auch in anderen Ländern zeichnet sich mittlerweile der Trend zum „Mutterschaftstourismus“ ab, beispielsweise in Kanada. Neuseeland, das früher eine ähnliche Gesetzeslage hatte, hat bereits die Konsequenzen gezogen. Eine automatische Staatsbürgerschaft gibt es nicht mehr.