Libyen

Gaddafi-Truppen schlagen Rebellen in die Flucht

Regierungssoldaten rücken weiter gegen Aufständische vor, der TV-Sender al-Dschasira meldet den Tod eines Kameramannes. Offenbar starb er in einem Hinterhalt.

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Truppen des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi rückten am Sonntag auf die östliche Küstenstadt Brega vor. Der Ort sei „von den Terrorbanden gesäubert“, verkündete das staatliche libysche Fernsehen in Tripolis.

Rebellenkommandeure erklärten der BBC, dass sie sich aus der Stadt zurückzogen, nachdem diese unter intensiven Beschuss durch die Artillerie der Gaddafi-Truppen geraten war.

Die Aufständischen, die den Osten Libyens kontrollieren, hatten erst am Vortag den 100 Kilometer westlich von Brega gelegenen Ölhafen Ras Lanuf an die Regimetruppen verloren.

Die Offensive der Gaddafi-Streitkräfte gegen die Stadt Misurata, die letzte Aufständischen-Hochburg im Westen des Landes, kam indes ins Stocken, nachdem in der angreifenden Brigade eine Meuterei ausgebrochen war.

Der Westen unter Zugzwang

Das Vordringen der libyschen Armee gegen die Aufständischen setzt den Westen unter Zugzwang. Die Außenminister der Arabischen Liga riefen am Samstag in Kairo den Weltsicherheitsrat auf, mit einer Flugverbotszone den libyschen Luftraum zu kontrollieren und die Bombardements der Gaddafi-treuen Luftwaffe auf Stellungen der Rebellen zu stoppen.

Die Europäische Union hatte ihre Zustimmung zu einer Flugverbotszone unter anderem vom Votum der Nachbarn Libyens abhängig gemacht.

„Es geht darum, mit einer Flugverbotszone dem libyschen Volk in seinem Freiheitskampf gegen ein zunehmend menschenverachtendes Regime beizustehen“, sagte Liga-Generalsekretär Amre Mussa dem "Spiegel".

In New York nahmen bereits am Sonntag die Mitglieder des Sicherheitsrats bilaterale Gespräche über eine Flugverbotszone auf. Vermutlich am Montag sollte das Thema auf die Tagesordnung des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen kommen. Unklar war aber, ob der Sicherheitsrat dann auch schon über eine Resolution abstimmen würde.

Bedenken bei Russland und China

Der Libanon als derzeit einziges arabisches Land im Sicherheitsrat bereitete nach Angaben aus Diplomatenkreisen einen Resolutionsentwurf vor. Die Vetomächte Russland und China hatten bislang Bedenken gegen eine Flugverbotszone geltend gemacht.

Das Weiße Haus wertete die Forderung der Liga als „wichtigen Schritt“. Präsidentensprecher Jay Carney sagte, damit werde der internationale Druck auf Gaddafi erhöht. Die USA würden die Opposition weiter unterstützen und „alle Eventualitäten“ vorbereiten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte am Sonntag: „Ich begrüße die klare Haltung der Arabischen Liga gegen die Verbrechen des Gaddafi-Regimes.“ Die Situation in Libyen sei besorgniserregend. „Diktator Gaddafi führt weiter einen Krieg gegen sein eigenes Volk.“

Unterdessen wurde ein Kameramann des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira am Samstag in der Nähe der östlichen Metropole Bengasi von Unbekannten erschossen. Die Führung des Senders mit Sitz in Doha im Golfemirat Katar machte die Hetzkampagne der Gaddafi-Medien gegen al-Dschasira für die Tat verantwortlich. Offenbar war der Mann gezielt in einen Hinterhalt gelockt worden.