Die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll in Deutschland kommt in eine neue Phase. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat die Zahl der potenziellen Standortregionen deutlich reduziert. Nach der neuen Eingrenzung bleibt rund ein Viertel der Fläche Deutschlands im Rennen – vor allem im Norden des Landes.

Mehrere Regionen in Niedersachsen gelten weiterhin als geeignet. Auch in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern untersucht die BGE weiterhin mögliche Gebiete, dort sind die Prüfungen allerdings noch nicht abgeschlossen. Aber auch im Süden gibt es noch mögliche Standorte: In Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen bleiben ebenfalls Regionen im Verfahren. Für Rheinland-Pfalz dagegen ist die Suche beendet: Mit der aktuellen Eingrenzung scheiden dort alle Flächen aus. Im Laufe des Montags will die BGE aktualisierte Karten der verbliebenen Gebiete online veröffentlichen.

Atommüll-Endlager: Bis zur Entscheidung wird es noch dauern

Bis zu einer endgültigen Entscheidung wird allerdings noch einige Zeit vergehen: Im kommenden Jahr sollen die verbliebenen Standortregionen weiter untersucht werden. Bis Ende 2027 will die BGE fünf bis zehn Regionen vorschlagen, die die besten geologischen Voraussetzungen für die Endlagerung bieten. Diese Standorte würden dann überirdisch erkundet – ein Zwischenschritt, bevor Bohrungen und unterirdische Tests folgen.

Atommüll Zwischenlager Ahaus
In Deutschland geht die Suche nach einem geeigneten Endlager für Atommüll in die nächste Phase. (Archivbild) © Guido Kirchner/dpa | Guido Kirchner

Der Vorschlag soll anschließend vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) geprüft werden. Die Entscheidung über die endgültige Standortauswahl trifft schließlich der Bundestag. Doch selbst nach dessen Entscheidung wird es noch Jahrzehnte dauern, bis ein Endlager tatsächlich gebaut und in Betrieb genommen werden kann.

Atommüll: Diese Anforderungen muss das Endlager erfüllen

Gesucht wird ein Ort, an dem etwa 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfälle sicher gelagert werden können – Abfälle, die aus mehr als 60 Jahren Nutzung der Atomkraft in Deutschland stammen. Sie sollen für eine Million Jahre von der Biosphäre abgeschirmt bleiben. Geeignet erscheinen dafür insbesondere geologische Formationen aus Ton, Salz oder Kristallingestein, die in großer Tiefe Stabilität versprechen.

Derzeit lagert der Atommüll an 16 Zwischenlager-Standorten, vier davon in Niedersachsen – so viele wie in keinem anderen Bundesland. Die Genehmigungen dieser Zwischenlager laufen zwischen 2034 und 2047 aus, was den Druck erhöht, endlich einen dauerhaften Standort zu finden. Die letzten deutschen Atomkraftwerke gingen im April 2023 außer Betrieb.