Royaler Staatsbesuch

Charles III. in Berlin: So empfing die Hauptstadt den König

| Lesedauer: 7 Minuten
Theresa Martus und Daniel Weidmann
Jubel zum Start des Staatsbesuchs von Charles und Camilla

Jubel zum Start des Staatsbesuchs von Charles und Camilla

Jubel am Brandenburger Tor und herzliche Begrüßungsworte des Bundespräsidenten: Der neue britische König Charles III. und seine Frau Camilla haben in Berlin ihren dreitägigen Staatsbesuch begonnen. Für Charles ist es die erste offizielle Auslandsreise als König.

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In Berlin empfängt Steinmeier König Charles III. Bei seiner Deutschlandreise hat das neue britische Staatsoberhaupt eine schwierige Doppelrolle.

Berlin. Als die Soldaten der Bundeswehr ihre Gewehre mit einem lauten Knall auf dem Pflaster absetzen, hüllt sich der Pariser Platz in ein gespanntes Schweigen. Fast zwanzig Minuten traut sich kaum einer der wenigen hundert Zuschauer ein Wort zu sagen. Das laute Surren eines Hubschraubers, der über dem Brandenburger Tor eine Runde dreht, gepaart mit den Scharfschützen auf den umliegenden Dächern lassen die Ankunft von König Charles III. fast bedrohlich wirken.

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Nachdem eine schwarze Mercedes-Staatskarosse Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier mit Ehefrau Elke Büdenbender auf dem Pariser Platz abgesetzt hat, richten sich alle Blicke gespannt auf die Zufahrt. Plötzlich kommt der weinrote Bentley angefahren. Als König Charles III. und Ehefrau Camilla mit zehnminütiger Verspätung den geschichtsträchtigen Ort der ehemaligen innerdeutschen Grenze betreten, brechen endlich die ersten Jubelrufe die eisige Stille.

Es ist die erste Staatsreise, die Charles III. in seiner Funktion als König unternimmt. Ein Happening, dass sich zahlreiche Menschen nicht entgehen lassen wollen. Mindestens zwei Stunden Wartezeit in der Schlange mussten die Besucher dafür in Kauf nehmen. Zu Beginn erhellte noch die Sonne das ukrainische, europäische, deutsche und englische Fahnenmeer, das sich zwischen der russischen Botschaft über das Brandenburger Tor hinweg bis hin zur Siegessäule erstreckt. Hier und da ist britisches Englisch zu hören. Nur Fanartikel hat unter den Wartenden kaum jemand dabei.

Schwierige Doppelrolle für König Charles III.

Für Charles selbst ist es eine schwierige Doppelrolle, die der neue König auf diesem Deutschlandbesuch erfüllen muss. Offen politisch darf er, trotz seiner Position als Staatsoberhaupt, nicht sein, das Königshaus ist zumindest nach außen hin zu Neutralität verpflichtet. Gleichzeitig ist die Aufgabe, die er erfüllen soll, zutiefst politisch. Denn dass Charles erste offizielle Auslandsreise als König ihn noch vor seiner Krönung nach Europa führt, ist kein Zufall. London geht es darum, die durch den andauernden Brexit-Streit arg angeknacksten Beziehungen mit dem Kontinent wieder zu stärken. Es sei ein Signal, dass man zwar die Europäische Union verlassen habe, nicht aber Europa, sagte die britische Botschafterin in Berlin, Jill Gallard, am Mittwoch.

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Ein Unbekannter ist Charles trotz neuem Titel freilich auch in Deutschland nicht – der 75-Jährige hatte als Thronfolger sein ganzes Leben in der Öffentlichkeit verbracht, bevor er im vergangenen Jahr seiner Mutter, Elisabeth II., nachfolgte. Und in dieser Zeit war er häufig auch in Deutschland – rund 40 offizielle und private Reisen haben den heutigen König schon hierher geführt. Die Windsors haben eine persönliche Bindung zum Land: Die Familie hat deutsche Wurzeln, Prinz Albert, Ehemann von Königin Victoria, stammte aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Und auch Charles‘ Vater, der 2021 verstorbene Prinz Philip, entstammt zwei deutschen Adelsgeschlechtern. Der heutige König spricht selbst auch deutsch.

Bekannt ist durch Charles‘ lange Tätigkeit als aktiver Royal aber auch deutlich mehr über seine politischen Positionen als noch bei seiner Mutter – er gilt als überzeugter Verfechter von Natur- und Klimaschutz. Bei der Weltklimakonferenz in Glasgow 2021 hielt er eine Rede, die Politikerinnen und Politiker eindringlich mahnte, Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

Ursprünglich hätte Charles zunächst Frankreich besuchen sollen, dieser Teil der Reise wurde allerdings verschoben wegen der anhaltenden, heftigen Proteste im Land gegen die Rentenreform von Präsident Macron.

Gespanntes Schweigen vor dem Brandenburger Tor

Stattdessen also zunächst Deutschland, Pariser Platz statt Paris. Auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Brandenburg waren Charles und Camilla unter anderem mit 21 Salutschüssen sowie Überflügen von zwei Eurofightern begrüßt worden, bevor sie in einem Konvoi weiter zum Brandenburger Tor fuhren, wo schon die militärische Ehrengarde wartete.

Der Empfang durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender auf am Brandenburger war eine Premiere. Üblicherweise empfängt der Bundespräsident im Schloss Bellevue.

Doch für die Bilder, die bei diesem Besuch entstehen sollen, ist das Tor eine dankbare Kulisse. Denn jedes Lächeln, jedes Händeschütteln mit den Besucherinnen und Besuchern, die gekommen waren, um den Monarchen aus der Nähe zu sehen, ist auch eine Botschaft im Namen des Königreichs: Ein älterer Herr im schwarzen Mantel, der auch mal eine Mütze aufhebt und zurückreicht, wenn sie einem Besucher über das Absperrgitter fällt – so soll es aussehen, das freundliche Gesicht Großbritanniens.

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Auch Deutschland gibt sich Mühe, ein freundliches Gesicht zu zeigen. Doch nach den anfänglichen Jubelrufen deckt sich wieder der Mantel des Schweigens über den Pariser Platz. Immerhin wurden kurz vor der Ankunft noch kleine Deutschland- und England-Fahnen verteilt. Sonst hätten die Deutschen das Königspaar nur mit Burger King Kronen aus Papier empfangen können, die von der Schnellrestaurant-Kette sogar noch in der abgetrennten Sicherheitszone verteilt wurden. Wohl eine Anspielung auf das Geschenk einer Teenagerin, die Camilla Anfang März eine solche Krone geschenkt hatte.

Nach einem kurzen Händeschütteln schreiten die Staatsoberhäupter gemeinsam mit ihren Ehefrauen auf das Brandenburger Tor zu, vor dem sich bereits das Stabsmusikkorps und die Ehrenformation der Bundeswehr mit gestrengen Blicken postiert hat. Charles III. und Steinmeier betreten ein kleines Podest, während Camilla und Büdenbender etwas abseits dahinter warten. „God Safe the King“ spielt das Bundeswehr-Orchester, während im Hintergrund ein gigantischer Union Jack gehisst wird. Auch die deutsche Nationalhymne stimmen die Soldaten an.

„Krass, er hat meine Hand geschüttelt!“

Nach diesem Akt schreiten die beiden Männer die eine Seite, die beiden Frauen die andere Seite des Pariser Platzes ab, um die Menge zu begrüßen. Doch auch das eifrige Händeschütteln der beiden Staatsoberhäupter löst keine Jubelrufe aus. Das Rascheln der kleinen Fähnchen und das Klicken der Spiegelreflexkameras sind lauter als die Stimmen der Menge. Selbst als ein Besucher laut „Applaus für den König“ ruft, fühlen sich nur zwei weitere Menschen berufen, dem Aufruf zu folgen. Zu konzentriert ist die Menge, einen Wortwechsel mit Charles zu erhaschen. Dieser begrüßt herzlich die Besucher. Auch Steinmeier, der sich mit kräftiger Stimme über die Burger King Kronen amüsiert, versucht möglichst viele Menschen kurz zu begrüßen. Von Charles euphorisiert kommt etwa Rechtsanwältin Helena Sitz aus der Menge: „Krass, er hat meine Hand geschüttelt!“

Nachdem sowohl Charles und Steinmeier, als auch Camilla und Büdenbender ihre Seite passiert haben, ist das Ereignis schon wieder vorbei. Nur zwanzig Minuten nach Charles Ankunft ziehen sich die Scharfschützen zurück und der rote Teppich wird wieder eingerollt.