Kommentar

Verbot von neuen Gasheizungen: Nicht überfordern, bitte

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Theresa Martus
Bundesnetzagentur sieht keine Gefahr mehr für Gasmangel in diesem Winter

Bundesnetzagentur sieht keine Gefahr mehr für Gasmangel in diesem Winter

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sieht für diesen Winter keine Gefahr mehr für eine Gasmangellage. Trotzdem solle weiter Energie gespart werden: Mehr Verbrauch wäre "nicht nur sehr teuer, sondern auch unsolidarisch", sagte er in einem Interview.

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Die Pläne von Robert Habeck markieren aus Verbrauchersicht einen Kurswechsel. Jetzt muss es mehr Unterstützung beim Umstieg geben.

Berlin. Der Satz findet sich, schwarz auf weiß, in einem Beschluss aus dem vergangenen Jahr: „Wir werden jetzt gesetzlich festschreiben, dass ab dem 1. Januar 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll“, heißt es, datiert auf den März 2022, in einem Dokument aus einer der Koalitionsrunden, die inzwischen für eher zähes Vorankommen bekannt sind.

Und auch wenn die Vokabel „möglichst“ noch ein bisschen Spielraum lässt: Völlig überraschend kommen die Pläne aus dem Ministerium von Robert Habeck, keinen Neueinbau von Öl- und Gasheizungen mehr zuzulassen ab kommendem Jahr, nicht. Zumindest nicht für diejenigen, die ihr Geld mit Politik verdienen.

Verbraucherinnen und Verbraucher allerdings mögen sich die Augen reiben über den Kurswechsel – immerhin wurde der Einbau von Gasheizungen bis zum Sommer 2022 sogar noch vom Staat gefördert. Jetzt soll er in weniger als einem Jahr nicht nur nicht mehr unterstützt werden, sondern sogar verboten sein.

Dass die Notwendigkeit für Klimaschutz im Gebäudesektor besteht, lässt sich kaum bestreiten. Der Gebäudesektor ist – neben dem Verkehr – der Bereich, der am schwersten zu dekarbonisieren ist, die Emissionskurve bis zum Klimaziel 2030 muss steil nach unten zeigen. Und was jetzt noch an klimaschädlichem Gerät verbaut wird, wird auf Jahrzehnte in Betrieb sein. Zeit also, Weichen zu stellen.

Die Art allerdings, wie das passiert, entspricht einem inzwischen vertrauten, aber deshalb nicht weniger ärgerlichen Modus der Regierungskoalition. Ein Entwurf, noch nicht einmal in der Fassung, die an die anderen Ministerien gehen soll, gelangt da an die Öffentlichkeit, und prompt geht der Streit innerhalb der Koalition los: Das war beschlossen, sagen die einen. So aber nicht, halten die anderen dagegen.

Das Thema – das zeitsensibel ist und unmittelbar oder mittelbar sehr viele Menschen in Deutschland betrifft – läuft Gefahr, auf dem schon jetzt wackeligen, hohen Stapel von Konfliktthemen der Ampel zu landen. Die Aussichten auf ein schnelles Gesetzgebungsverfahren und damit Planungssicherheit für Privatleute und Bauunternehmen schwinden damit. Zwischen dem politischen Theaterdonner und interessengeleiteten Wortmeldungen gibt es allerdings valide Kritik an den Plänen.

Und dieser darf sich Habeck nicht verschließen. Wärmepumpen, auch wenn sie langfristig CO2 und Geld sparen, sind in Anschaffung und Einbau immer noch deutlich teurer als fossile Alternativen. Auch mit der aktuell verfügbaren Förderung sind sie gerade für Eigentümer, die wenig finanzielle Spielräume haben, oft außer Reichweite. Und wo Geld und Wille da sind, scheitert es oft an der Verfügbarkeit von Wärmepumpen und denen, die sie fachkundig einbauen können.

Die klimaschädlichen Standardlösungen der Vergangenheit zu verbieten, reicht deshalb nicht. Die Ampelkoalition muss sicherstellen, dass die neuen Regeln Hausbesitzer und solche, die es werden wollen, nicht komplett überfordern. Dazu gehört ein schlaues Förderregime und eine Strategie, die sicherstellt, dass nicht nur Motivation, sondern auch genügend Fachkräfte da sind. Das kommt obendrauf auf die ohnehin lange Aufgabenliste für mehr Klimaschutz im Gebäudebereich.

Für Verbraucher gilt: Wer vorhat, in den kommenden Jahren seine Heizung auszutauschen, sollte vielleicht jetzt schon einmal Energieberater und Installationsbetrieb anrufen. 2024 ist nur noch neun Monate entfernt.