Kommentar

Messermord im Zug: Es braucht mehr als Beileidsrituale

| Lesedauer: 4 Minuten
Matthias Iken
Messerattacke in Zug: Kein Hinweis auf Terror-Hintergrund

Messerattacke in Zug: Kein Hinweis auf Terror-Hintergrund

Nach dem tödlichen Messerangriff in einem Regionalzug in Schleswig-Holstein geht die zuständige Staatsanwaltschaft nicht von einem Terrorakt aus. Der Leitende Oberstaatsanwalt Carsten Ohlrogge äußerte sich bei einer Pressekonferenz in Kiel.

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Nach der Bluttat in Schleswig-Holstein muss gehandelt werden. Deutschland muss bereit sein, Härte zu zeigen, meint Matthias Iken.

Die Reaktionen nach der Bluttat von Brokstedt sind so verständlich wie eingeübt. Da mischt sich menschliche Fassungslosigkeit mit politischer Hilflosigkeit: Es dauerte nicht lange, da sagte die Innenministerin, es gebe erste Hinweise darauf, dass der 33-Jährige geistig verwirrt sein könnte. Als Extremist war er in Norddeutschland nach vorläufigen Ermittlungsstand nicht aufgefallen. Eine Erkenntnis, die man schon oft vernommen hat.

So schnell, wie der Mord eines Deutschen an Ausländern einen rechtsradikalen Hintergrund bekommt, so schnell wird der Mord an Deutschen durch Zuwanderer zur Tat eines geistig Verwirrten. Wobei die Grenzen zwischen geistiger Verwirrung und Extremismus oft fließend sind – Neonazis und Islamisten sind Brüder im Geiste.

Noch ist unklar, was den staatenlosen Palästinenser zu seiner Wahnsinnstat trieb. Für die beiden Jugendlichen, die im Zug starben, und ihre Familien spielt das Motiv keine Rolle mehr. Mehr zum Thema: Messerattacke im Zug von Kiel nach Hamburg: Das ist bekannt

Bluttat von Brokstedt: Es gibt zu viele Einzelfälle

Diese Bluttat muss Augen öffnen. Natürlich ist der Doppelmord ein Einzelfall – aber zuletzt gab es zu viele Einzelfälle, als dass wir nicht einige Fragen diskutieren müssen.

Im Oktober griff ein Somalier in Ludwigshafen vor einem Drogeriemarkt zwei junge Männer an und tötete sie. Im September verletzte ein Afghane in Ansbach zwei Passanten mit dem Messer, rief „Allahu Akbar“ – bevor ihn ein Polizist erschoss. Im Mai stach ein Iraker in einem Zug bei Herzogenrath im Rheinland mit einem Messer auf fünf Menschen ein. Im Juni 2021 ermordete ein Somalier in Würzburg drei Frauen in einem Kaufhaus. Im Oktober 2020 griff ein Islamist in Dresden ein schwules Paar mit zwei Messern an. Ein Mann starb, sein Partner wurde schwer verletzt.

Die Liste ist zu lang, als dass man sie weiter beschweigen darf. Denn zwei weitere Aspekte kommen hinzu: Alle Täter kamen als Flüchtlinge während der vergangenen Jahre nach Deutschland – und die meisten davon hatten wie auch der Messerstecher von Brokstedt ein langes Vorstrafenregister. Diese Menschen, die in Deutschland Schutz suchten, waren längst zu einer Gefahr geworden. Und deshalb muss nicht nur diskutiert, sondern gehandelt werden.

Doppelmord von Brokstedt: Solche Taten vergiften das Klima

Leider finden kaum Politiker den Mut, Tacheles zu reden – aus Angst, in der rechten Schmuddelecke zu landen. Nur der Noch-Grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, sprach es nach dem Mord in Illerkirchberg, als im Dezember ein Eritreer eine 14-Jährige erstochen hatte, aus. „Die Genfer Flüchtlingskonvention schreibt eindeutig, dass ein Geflüchteter, der zur Gefahr für sein Aufnahmeland wird, zurückgewiesen werden kann – sogar in Kriegsgebiete.“ Eine Helfergesellschaft habe Anspruch auf Respekt. „Sie kann nicht mehr helfen, wenn Hilfesuchende zu Mördern und Vergewaltigern werden. Deshalb müssen diese Leute zurückgeschickt werden.“ Auch interessant: Grünen-Chef bei Lanz: "Müssen über Abschiebungen sprechen"

Palmer hat recht. Für Mörder und Vergewaltiger darf es eigentlich keine Abschiebehindernisse geben. Es sind diese Taten, die das Klima vergiften und eine multikulturelle Gesellschaft erodieren lassen. Sie erschweren Integration und schüren Vorurteile – gerade Zuwanderer, von denen die überwältigende Mehrheit sich einzugliedern versucht, leiden besonders unter den Untaten einer Minderheit.

Ein Land, das zu Recht stolz auf seine Offenheit ist, muss Grenzen konsequent aufzeigen. Olaf Scholz sagte einst, er sei liberal, aber nicht doof. Darum geht es: Wer liberal bleiben will, muss auch bereit sein, Härte zu zeigen. Beschweigen und Nichtstun nutzen am Ende nur den Radikalen.