Kommentar

Wie Christine Lambrecht zur Dr. Seltsam der Regierung wurde

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Spott und Häme für Lambrechts Neujahrsvideo

Spott und Häme für Lambrechts Neujahrsvideo

Eine Videobotschaft zum Jahreswechsel im Berliner Böllerlärm von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) sorgt für Kritik, Spott und Häme. Inhaltlich unangemessen und stilistisch verunglückt, heißt es in sozialen Medien.

Video: Politik
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Vor einer Böller-Kulisse redet Lambrecht über die "besonderen Eindrücke" des Krieges. Miguel Sanches über einen seltsamen Auftritt.

Berlin. Wer Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in seinem Kabinett hat, braucht keine politischen Feinde. Sie ist schon lange die Ministerin der Selbstverteidigung. Ihr neuester Aussetzer: Ihre Neujahrsansprache. Prädikat: ungewollter Silvesterscherz.

Am Video, auf ihrem Instagram-Account hochgeladen und inzwischen vielfach im Netz geteilt, ist vieles amateurhaft, vom Timing bis zum Setting. Wegen der Böllerei zu Silvester in Berlin ist sie auf der Straße nur schwer zu verstehen. Sie hat sich schließlich auch einen der größeren Plätze in der Hauptstadt als Kulisse ausgesucht.

"Mitten in Europa tobt ein Krieg", ruft sie aus. "Damit verbunden waren für mich ganz viele besondere Eindrücke, die ich gewinnen konnte. Viele, viele Begegnungen mit interessanten und tollen Menschen.“ Ist das alles, was Lambrecht zum Ukraine-Krieg einfällt? Die interessanten Begegnungen?

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Es ist einfach der falsche Ton, furchtbar unsensibel, und wirkt so deplatziert vor dem Hintergrund der Knallerei, während die Menschen in der Ukraine vor echten Raketen und nicht vor dem Feuerwerk Schutz suchen müssen. Man könnte meinen, der politische Instinkt habe Lambrecht verlassen. Aber vielleicht war er nie da.

Erinnern wir uns an ihren letzten großen Shitstorm, als sie Anfang 2022, kurz vor Kriegsausbruch, die Lieferung von damals 5000 Helmen an die Ukraine als "ganz deutliches Signal" feierte – auch so eine Lachnummer in den sozialen Netzwerken.

Sie war mal eine engagierte Justizministerin und ein Aktivposten in der SPD-Fraktion. Aber für die Bundeswehr wird die Inhaberin der Kommando- und Befehlsgewalt langsam peinlich. Mit ihr hat Kanzler Olaf Scholz das Peter-Prinzip auf die Spitze getrieben: Sie durfte so lange aufsteigen, bis ihre Überforderung unübersehbar wurde. Er wird an ihr festhalten; aus Trotz und aus Prinzip, weil die Unions-Opposition ihre Entlassung fordert. Aber auch ihm dürfte klar sein, dass sie der Fehlgriff seiner Regierung ist: Die falsche Frau am falschen Platz zur falschen Zeit. Sie ist zur Dr. Seltsam im Kabinett Scholz geworden.