Kommentar

China-Deals: Nicht übertreiben – Vollbremsung wäre fatal

Michael Backfisch
Angestellte des Gesundheitsschutzes in Peking überwachen die Einhaltung der Lockdowns. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist zuletzt deutlich angestiegen.

Angestellte des Gesundheitsschutzes in Peking überwachen die Einhaltung der Lockdowns. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist zuletzt deutlich angestiegen.

Foto: Kevin Frayer / Getty Images

Es ist richtig, dass die Politik vor einer zu großen Abhängigkeit von der Volksrepublik warnt. Aber sie sollte Firmen nicht gängeln.

Berlin.  Jeder halbwegs schlaue Kapitalanleger weiß: Niemals alle Eier in einen Korb legen. Fachleute sprechen von einem „Klumpenrisiko“. Die deutsche Wirtschaft hat diesen Fehler jahrelang mit Blick auf China gemacht. Unternehmen haben auf den lukrativen Absatzmarkt mit 1,4 Milliarden Einwohnern geschielt.

Die Coronakrise hat jedoch viele Firmen wachgerüttelt. Die Null-Covid-Politik der Regierung in Peking führte zu großen Verwerfungen: Durch die Kette der Endlos-Lockdowns konnten Arbeiter nicht mehr in die Fabriken, an den Häfen stapelten sich dringend benötigte Güter. Hinzu kommt, dass die Volksrepublik eigene Märkte immer mehr abschottet.

China: Freihandelsabkommen weisen in die richtige Richtung

Es ist richtig, dass die Politik reagiert. Zum Beispiel sollen staatliche Investitionsgarantien künftig pro Betrieb auf drei Milliarden Euro pro Land gedeckelt werden. Es wäre aber falsch, das Kind mit dem Bade auszuschütten. So sollen laut einem Papier des Bundeswirtschaftsministeriums Unternehmen zu Berichten über ihre Aktivitäten in China verpflichtet werden. Das aber wäre bürokratische Gängelung, die den Firmen die Planungssicherheit verhagelt und Investitionen abwürgt.

Lesen Sie auch:China-Proteste: Wird es eng für Staatschef Xi Jinping?

Es macht keinen Sinn, die deutsche Wirtschaft zu einer Vollbremsung im Chinageschäft zu zwingen. Das Riesenreich in Fernost bleibt wichtig als Absatzmarkt und Lieferant. Aber die Betriebe sollten Ausschau nach Alternativ-Partnern halten. Die Palette reicht von Japan, Südkorea, Vietnam bis Brasilien oder Chile. Freihandelsabkommen wie jetzt die endlich auch vom Bundestag abgesegnete zwischen der EU und Kanada weisen in die richtige Richtung. Anders ausgedrückt: Viele Eier in viele Körbe legen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.