Kommentar

Ermittlungen gegen Trump: Ist der Ex-Präsident am Ende?

Dirk Hautkapp
Potenzielle Trump-Rivalen bringen sich in Stellung

Potenzielle Trump-Rivalen bringen sich in Stellung

Bei einem von der jüdischen Republikaner in Las Vegas organisierten Treffen haben sich potenzielle Bewerber um die US-Präsidentschaft in Stellung gebracht. Sie kritisierten indirekt oder offen Ex-Präsident Donald Trump, der zuvor auf der Veranstaltung gesprochen hatte.

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Nach immer neuen Skandalen scheint Donald Trump am Ende. Doch man sollte den Ex-Präsidenten der USA nicht unterschätzen. Ein Kommentar.

Washington. Aus der Erfahrung der vergangenen sieben Jahren mit Donald Trump weiß man: Wenn der ehemalige Präsident der USA im Stundentakt gegen Staat, Justiz und Demokraten auskeilt, dann ist etwas im Busch. Seit Justizminister Merrick Garland Sonder-Ermittler Jack Smith auf ihn angesetzt hat, kennt Trump keine Tabus mehr. Er nennt den Staatsanwalt allen Ernstes einen „politischen Auftragskiller”. Das ist RAF-Rhetorik.

Donald Trump hat Angst, vor Gericht zu landen

Trumps Wortwahl ist leicht zu durchschauen: Der Mann hat wirklich Angst vor dem Richter zu landen. Zwar ist noch nichts entschieden, aber viele Indizien weisen darauf hin. Käme es zum Prozess, würde seine ohnehin bröckelnde Anhängerschaft weiter schwinden. Die früh verpuffte Präsidentschaftskandidatur könnte beizeiten entgleisen.

Was Amerika dann blühte, kann man sich nach dem unentschuldbaren Abendessen Trumps mit einem der übelsten Rechtsextremisten, Antisemiten und Holocaust-Leugner leicht ausmalen: autokratisches Chaos, die Entwertung aller geltenden Maßstäbe.

Die Republikaner haben unter Donald Trump ihren moralischen Kompass verloren

Wären die Republikaner noch eine intakte Partei mit moralischem Kompass, würden ihre Führungsfiguren spätestens jetzt die Notbremse ziehen und Trump im Chor zur unwählbaren Unperson erklären. Aber bis auf Einzelstimmen der üblichen Verdächtigen herrscht in der „Grand Old Party” fatales Schweigen. Das wird sich bitter rächen, sollte Trump in den in gut einem Jahr beginnenden Vorwahlen unterliegen.

Trump ist niemand, der Niederlagen akzeptiert und in Würde abtritt. Er wird die von ihm gekaperte Partei gnadenlos zerstören. Notfalls wie am 6. Januar 2021 beim Sturm aufs Kapitol wieder mit einem gewalttätigen Mob. Diese Rachsucht sollte Amerika schon heute zutiefst beunruhigen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.