Todesfall

Jens Bullerjahn: Sachsen-Anhalts Ex-Finanzminister gestorben

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Scholz nennt deutsch-französische Beziehungen "eng und vertrauensvoll"

Scholz nennt deutsch-französische Beziehungen "eng und vertrauensvoll"

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich als "eng und vertrauensvoll" bezeichnet. Die Beziehungen seien "außergewöhnlich dicht und reichhaltig", sagte er beim Antrittsbesuch von Premierministerin Elisabeth Borne in Berlin. Zuletzt hatte es Spekulationen über abgekühlte bilaterale Beziehungen gegeben.

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Der SPD-Politiker starb mit 60 Jahren in einem Krankenhaus. Im Mai hatte er öffentlich gemacht, dass er eine seltene Krankheit hatte.

Berlin. Der frühere Finanzminister und stellvertretende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, ist tot. Der 60-Jährige starb am Samstag in einem Krankenhaus in Eisleben (Landkreis Mansfeld-Südharz), wie ein Regierungssprecher und Bullerjahns früherer Staatssekretär Jörg Felgner (SPD) der Deutschen Presse-Agentur am Samstagabend bestätigten.

Der in Halle geborene Bullerjahn war von 2006 bis 2016 Finanzminister in Sachsen-Anhalt. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne war einer der profiliertesten Politiker in Sachsen-Anhalt nach der Wiedervereinigung.

In seinem letzten Interview mit der "Mitteldeutschen Zeitung" machte der SPD-Politiker im vergangenen Mai öffentlich, dass er an der seltenen Nervenkrankheit ALS litt. Dabei handelt es sich um eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des Nervensystems, die zu Muskelschwund führt. Die "Mitteldeutsche Zeitung" war es auch, die am Samstag zuerst vom Tod des SPD-Politikers berichtet hatte.

Bullerjahn: Mit seiner SPD-Politik erregte er Aufsehen

Seine politische Laufbahn begann der gelernte Elektroingenieur in der Kommunalpolitik. Von 1990 bis 2016 war er Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion galt er als einer der Architekten des "Magdeburger Modells", das bundesweit Aufsehen erregte: Von 1994 bis 2002 führte der damalige Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) eine Regierung ohne eigene Mehrheit und war im Landtag auf die Unterstützung der PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) angewiesen.

Später wurde Bullerjahn auch Fraktionschef der Sozialdemokraten und war von 2006 bis 2007 Vize-Bundesvorsitzender seiner Partei. Zur Landtagswahl 2006 wurde er als Spitzenkandidat nominiert, landete mit der SPD jedoch nur auf dem dritten Platz. In der folgenden CDU-SPD-Koalition begann seine Karriere als Finanzminister. 2011 war er erneut SPD-Spitzenkandidat.

Bullerjahn: "Ein Sozialdemokrat, der mit Geld umgehen kann"

"Ich war der, der nicht schnell genug weglaufen konnte", scherzte Bullerjahn einst im Herbst 2012, als der Posten des Vorsitzenden der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zu besetzen war. Als oberster Chef der Länder-Arbeitgeber bestand er in dieser Funktion mehrere Bewährungsproben und erntete dafür auch Respekt aus dem Gewerkschaftslager.

Sein rigider finanzpolitischer Kurs als Minister eröffnete Sachsen-Anhalt Gestaltungsspielräume. Der Haushalt wurde konsolidiert. "Ein Sozialdemokrat, der mit Geld umgehen kann", titelte die "FAZ" damals. Sein Agieren brachte Bullerjahn aber stets auch Kritik aus der eigenen Partei ein.

Ärger gab es zudem nach seiner Minister-Zeit, als bekannt wurde, dass die Landesregierung Beraterverträge am Parlament vorbei abgeschlossen hatte. Hauptanlass für einen Untersuchungsausschuss war ein Vertrag des Finanzministeriums unter Bullerjahn mit der landeseigenen Investitionsbank.

Im Herbst 2015 hatte Bullerjahn mit 53 Jahren als am längsten amtierender Finanzminister in Deutschland überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Danach veröffentlichte er mehrere Bücher und ging gerne Segeln. Seiner Heimat, dem Mansfelder Land, war er sehr verbunden. (dpa/afp/reba)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.