Erstschlag

Wirbel um Selenskyj-Forderung – Biden warnt vor "Armageddon"

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Gipfel von mehr als 40 europäischen Ländern als Signal an Putin

Gipfel von mehr als 40 europäischen Ländern als Signal an Putin

In Prag sind die Staats- und Regierungschefs von mehr als 40 europäischen Ländern zu einem Gipfeltreffen im Rahmen der Europäischen Politischen Gemeinschaft zusammengekommen. Sie wollen damit ein "Zeichen der Einheit" an Russlands Präsidenten Wladimir Putin senden.

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Präsident Selenskyj fordert Präventivschläge gegen Russland, der Kreml ist empört. Biden warnt: Die Welt steht vor dem "Armageddon".

Berlin/Moskau . 
  • Präsident Selenskyj fordert Präventivschläge gegen Russland
  • Der Kreml sieht darin den Aufruf zum Dritten Weltkrieg
  • Biden warnt in New York vor einem nahenden "Armageddon"

Der Kreml hat Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Richtung Nato zu möglichen Präventivschlägen gegen Russland scharf verurteilt. "Die Erklärungen Selenskyjs sind nichts anderes als ein Aufruf zum Beginn des Dritten Weltkriegs mit unvorhersehbaren schrecklichen Folgen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Auch das russische Außenministerium kritisierte Selenskyjs Äußerungen heftig.

Selenskyj hatte zuvor bei einem Auftritt vor dem Lowy Institut in Sydney gefordert, die Nato müsse einen russischen Atomwaffeneinsatz verhindern - notfalls mit Präventivschlägen.

"Präventivschläge, damit sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie sie anwenden"

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Die Nato "muss die Möglichkeit eines Atomwaffeneinsatzes durch Russland ausschließen", so Selenskyj. "Wichtig ist aber - ich wende mich wie vor dem 24. Februar deshalb an die Weltgemeinschaft - dass es Präventivschläge sind, damit sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie sie anwenden." Er betonte: "Nicht umgekehrt: Auf Schläge von Russland warten, um dann zu sagen: "Ach du kommst mir so, dann bekommst du jetzt von uns". Die Äußerungen sorgten auf russischer Seite für Aufregung.

Zuletzt hatten die ukrainischen Streitkräfte nach eigenen Angaben von Russland besetzte Gebiete zurückerobern können. „Seit dem 1. Oktober wurden allein in der Region Cherson mehr als 500 Quadratkilometer Land und dutzende Ortschaften befreit“, sagte Selenskyj am Donnerstagabend.

Ein Selenskyj-Sprecher betonte umgehend, Selenskyjs Forderung sei falsch verstanden worden. Der ukrainische Präsident habe lediglich gesagt, vor dem 24. Februar - dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine - seien Präventivmaßnahmen nötig gewesen, um den Krieg zu verhindern.

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In seiner Rede lehnte der ukrainische Präsident Gebietsabtretungen an Russland ab, um Kremlchef Wladimir Putin zu beschwichtigen und einen Frieden zu erzielen. Der Aggressor dürfe für das Losschlagen des Kriegs nicht belohnt, sondern müsse besiegt werden, forderte Selenskyj. Der 44-Jährige erklärte dabei zugleich, dass Putin einen Atomschlag gegen die Ukraine nicht überleben werde.

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Laut Kremlsprecher Peskow lenken die USA und Großbritannien die Handlungen Kiews. Sie seien daher auch für die Äußerungen Selenskyjs verantwortlich, meinte der Kremlsprecher.

Außenamtssprecherin Maria Sacharowa behauptete, dass der Westen einen Atomkrieg anzettele. "Jeder Mensch auf dem Planeten muss erkennen, dass die mit Waffen vollgepumpte und unstabile Marionette Selenskyj sich in ein Monster verwandelt hat, mit dessen Händen man den ganzen Planeten vernichten kann", sagte sie.

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Er kenne den russischen Präsidenten Wladimir Putin ziemlich gut, sagte Biden demnach weiter. Und der Kremlchef scherze nicht, wenn er über den potenziellen Einsatz taktischer Atomwaffen sowie Chemie- und Biowaffen spreche, da das russische Militär in den Kampfhandlungen in der Ukraine schwächele.

Er glaube zugleich nicht, dass es möglich wäre, einfach taktische Atomwaffen einzusetzen, ohne dass dies zu einem "Armageddon" führen würde, betonte der US-Präsident. (pcl/dpa)

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de.

( dpa/cl )