6. Januar

Zeugin: Trump schlug Personenschützer und wollte zum Kapitol

| Lesedauer: 4 Minuten
Dirk Hautkapp
Kapitol-Erstürmung: Biden sieht US-Demokratie weiter bedroht

Kapitol-Erstürmung: Biden sieht US-Demokratie weiter bedroht

Fast anderthalb Jahre nach der Erstürmung des US-Kapitols stellen radikale Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump nach Ansicht von Präsident Joe Biden noch immer eine Gefahr für die Demokratie in den USA dar.

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Der ehemalige US-Präsident wollte am 6. Januar 2021 offenbar unbedingt am Kapitol dabei sein. Eine Zeugin nennt erstaunliche Details.

Washington. Von Donald Trumps Präsidentschaft gibt es bizarre Geschichten im Überfluss. Dass der einst mächtigste Mann der Vereinigten Staaten von Amerika in einer besonders kritischen Situation für sein Land vulgär und handgreiflich wurde, ist neu.

Wie Cassidy Hutchinson, einst rechte Hand von Trumps Stabschef Mark Meadows, am Dienstag in einer eilends anberaumten Sitzung des U-Ausschusses zum Sturm aufs Kapitol Anfang 2021 unter Eid aussagte, hat der Ex-Präsident an jenem 6. Januar einen seiner Top-Sicherheitsbeamten geschlagen, um in der Präsidenten-Limousine „The Beast” das Lenkrad zu übernehmen und eigenhändig zum Kongressgebäude zu fahren.

Dort waren Hunderte von Trump vorher in einer Rede aufgestachelte Anhänger des rechtspopulistischen Unternehmers aufgelaufen, um gewaltsam die Zertifizierung des Wahlsieges von Joe Biden zu unterbinden und Trump trotz seiner glasklaren Niederlage bei der Wahl im November 2020 weiter im Amt zu halten.

Anhörung zum 6. Januar: Trump soll Fahrer ins Lenkrad gegriffen haben

Bei den historisch beispiellosen Krawallen, die nach Überzeugung vieler U-Ausschussmitglieder auf einen Staatsstreich hinauslaufen sollten, kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Frau Hutchinson, die qua Funktion über lange Zeit kontinuierlich näher als viele andere Mitarbeiter im Weißen Haus mit Trump zu tun hatte, belastete den Ex-Präsidenten in ihren Aussagen mehrfach schwerwiegend.

Trump: "Lasst meine Leute rein. Es ist mir scheißegal, ob sie Waffen haben.”

So habe Trump vor dem Gewaltausbruch am Kapitol durch Sicherheitsbeamte gewusst, dass etliche seiner Anhänger bis an die Zähne bewaffnet waren (zum Teil mit Schnellfeuergewehren), als sie vom Weißen Haus zur Herzkammer der US-Demokratie zogen. Trump ordnete an, dass man sie bei ihrem Protest nicht behindern dürfe. „Sie sind nicht da, um mich zu verletzten”, sagte Trump laut Hutchinson, „nehmt die Scheiß-Metalldetektoren da weg. Lasst meine Leute rein. Es ist mir scheißegal, ob sie Waffen haben.”

Zuvor hatte der wichtigste Rechtsberater Trumps, Pat Cipollone, Hutchinson dazu gedrängt, auf Mark Meadows und somit auf Trump einzuwirken, um die Proteste zu verhindern. „Wir werden wegen jedes erdenklichen Verbrechens angeklagt, wenn wir diese Bewegung in Gang setzen”, sagte Cipollone.

Die 25-Jährige schilderte danach die atemberaubende Szene, bei der Trump die Hand ausrutschte. „Er zeigte eine sehr starke, sehr wütende Reaktion”, als seine Bodyguards ihm bedeuteten, dass man ihn nach seiner Rede aus Sicherheitsgründen nicht zum Kapitol fahren sondern ins Weiße Haus zurückkehren werde. „Ich bin der verdammte (“fucking”) Präsident, bringt mich sofort zum Kapitol”, schäumte Trump laut Hutchinson. Als der Top-Beamte des Secret Service den Befehl abschlägig beschied, versuchte Trump ihm gewalttätig das Steuer zu entreißen und traf ihn dabei am Hals.

Ketchup am Kaminsims

Cassidy Hutchinson hatte sich auch bei anderen Details als wichtige Quelle für sensible Details erwiesen. So sagte sie aus, dass etliche republikanische Kongress-Abgeordnete (Gaetz, Brooks, Biggs, Gohmert, Perry) wie auch das Berater-Faktotum Rudy Giuliani bei Trump um eine präventive Begnadigung gebettelt hätten, falls sie für ihre Unterstützung der Trump`schen Staatsstreich-Aktion strafrechtlich belangt werden sollten.

Dass Trump sein Temperament nach der Wahlniederlage 2020 nicht im Griff hatte, illustrierte Hutchinson auch noch mit dieser Szene. Als der damalige Justizminister Bill Barr in einem TV-Interview Trumps Behauptungen vom Wahlbetrug als puren Unfug zurückwies, habe der Präsident im Speisezimmer randaliert und volle Teller vom Tisch gewischt. „In der Nähe des Kaminsimses am Fernseher bemerkte ich zuerst, dass Ketchup an der Wand heruntertropfte.” Auf dem Boden habe ein zerbrochener Porzellanteller gelegen. Trumps Zerstörungswut löste am Dienstag in sozialen Medien Empörung aus.

Dieser Text erschien zuerst auf www.waz.de