Kommentar

Massaker in Texas: Eine moralische Bankrotterklärung

Dirk Hautkapp
Schulmassaker von Uvalde: Weltweit Trauer und Entsetzen

Schulmassaker von Uvalde- Weltweit Trauer und Entsetzen

Das Massaker an einer Grundschule in Texas hat weltweit Trauer und Entsetzen ausgelöst. US-Präsident Biden prangerte die grassierende Waffengewalt in den USA an und zeigte sich regelrecht verzweifelt über den Widerstand gegen schärfere Gesetze.

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In Amerika ist ein Schulbesuch russisches Roulette, meint Dirk Hautkapp. Die Politiker blockieren sich durch destruktives Nichtstun.

Washington. Das Niederschmetterndste am Massenmord an einer Grundschule in Texas ist die Tatsache, dass vor zehn Jahren der Sündenfall in Newtown geschehen ist. 20 tote Kinder – das hätte in jeder halbwegs intakten Gesellschaft eine Kurswende verursacht. Nicht so in Amerika.

Bei genauem Hinsehen hat sich seit „Sandy Hook“ nichts geändert an einem Befund, der einer moralischen Bankrotterklärung gleichkommt: In Amerika ist der Schulbesuch zum russischen Roulette geworden. Die Freiheit, Waffen tragen zu dürfen, steht über dem Recht auf Unversehrtheit der Jüngsten. Lesen Sie auch: USA: Amokläufer tötet 19 Kinder an Grundschule in Texas

Widerstand gegen eine Waffenkontrolle fast unverändert

Der Widerstand der Amerikaner gegen eine Waffenkontrolle, die Exzesse durch psychisch gestrandete Einzelgänger verhindern würde, ist in den Jahren von Obama über Trump bis zu Biden abseits miniaturhafter Korrekturen fast unverändert geblieben.

Mythen, die in der amerikanischen Seele und Folklore verwurzelt sind und in der Verfassung ihren Niederschlag gefunden haben, befördern bis heute die hemmungslose Beschaffung von massakertauglichen Schießeisen. Auch interessant: Amoklauf in Essen geplant – Ermittlungen gegen Schüler

Amoklauf: Die Aktien von Waffenschmieden steigen

Darum gehört es zu den hässlichen Begleiterscheinungen eines jeden Amoklaufs, dass die Aktien von Waffenschmieden steigen und Tausende sich (noch) schnell ein Schnellfeuergewehr kaufen, wenn die ritualhaften Tränen getrocknet sind.

Es ist kein Zynismus: Ein (viel zu großer) Teil der US-Öffentlichkeit akzeptiert Tragödien wie die in Uvalde insgeheim als Kollateralschaden. Das Recht auf Schusswaffen wird höher bewertet.

So stehen sich ideologisch festgefahrene Lager blockierend gegenüber, die zwar ungeborenes Leben durch hässliche Eingriffe in die weibliche Autonomie schützen wollen, durch destruktives Nichtstun aber dem nächsten Amoklauf den Boden bereiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.