Scholz-Reise

Trotz Ukraine-Krieg: Ein entspannter Kanzler in Afrika

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Jan Dörner
Scholz besichtigt das ehemalige Gefängnis "Number Four", in dem während der Apartheid auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten.

Scholz besichtigt das ehemalige Gefängnis "Number Four", in dem während der Apartheid auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten.

Foto: dpa

Auf seiner Afrika-Reise sucht Kanzler Scholz Einblicke in den Kontinent. Doch die Debatten in Deutschland dürften ihn rasch einholen.

Pretoria. Dicke Rauchschwaden blasen Olaf Scholz entgegen: Zu Ehren des Gasts aus Deutschland hat Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa Salutschüsse abfeuern lassen, dazu spielt eine Militärkapelle die deutsche Nationalhymne. Der Besuch in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria war der Abschluss der dreitägigen Afrika-Reise des Kanzlers, die den SPD-Politiker zuvor bereits nach Senegal und Niger geführt hatte.

Ein Solarkraftwerk im Senegal, ein Truppenbesuch in Niger und der Besuch eines Gefängnisses aus Zeiten der Apartheid in Südafrika: Bei der Planung der Rundreise hat Scholz darauf geachtet, vor Ort einen Eindruck von den Chancen, Problemen und der Geschichte der drei Länder zu bekommen.

Aber wie könnte es anders sein: Die Diskussionen aus Deutschland begleiten den Kanzler auf der Reise. Es geht um den Krieg Russlands gegen die Ukraine und die Haltung der afrikanischen Staaten dazu. Scholz spricht über die Sorgen, die der zum Stillstand gekommene Export von Weizen aus der Ukraine für Afrika bedeutet. Mit Südafrikas Staatschef Ramaphosa, dessen Land sich bei der Abstimmung über eine UN-Resolution zur Verurteilung des russischen Angriffs auf die Ukraine enthalten hatte, redet der Kanzler über die Möglichkeiten den Krieg zu beenden.

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Im Senegal diskutiert Scholz darüber, langfristig Flüssiggas aus dem westafrikanischen Land nach Europa auszuführen – als Ersatz für russische Energielieferungen. Dass diese Überlegungen bei dem Besuch des Gasts aus Deutschland so prominent zur Sprache kommen, begeistert Senegals Präsidenten Macky Sall: „Ich tanze gerade vor Freude, weil das ein Thema ist, das uns wirklich sehr am Herzen liegt“, sagt Sall bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Scholz. Ebenso wie Nigers Präsident Mohamed Bazoum und Ramaphosa lobt Sall die Bedeutung der guten Beziehungen zu Deutschland für ihre Länder.

Kein Thema ist bei seinen Gesprächspartnern hier die auch in der Koalition geführte Debatte über den Ukraine-Kurs der Scholz-Regierung, die Diskussion um Waffenlieferungen oder gar Vorwürfe wie die des CDU-Außenpolitikers Roderich Kiesewetter, der Kanzler wolle gar nicht, dass die Ukraine den Krieg gewinne. Während Ramaphosa nach Gesprächen mit Scholz am Dienstag in Pretoria für Dialog und Verhandlungen wirbt, um zu einem Waffenstillstand zu kommen, fordert der Kanzler „alles“ zu tun, damit „die Kriegshandlungen eingestellt werden, dass Russland auch seine Truppen zurückzieht“.

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Genauer wird der Kanzler jedoch nicht. Wer Scholz in den Tagen seiner dreitägigen Afrika-Reise aus der Nähe beobachten kann, bekommt den Eindruck eines Politikers, der von seinem Kurs in der Ukraine-Frage überzeugt ist. Bei seinen Besuchen in den drei demokratischen Staaten Senegal, Niger und Südafrika bemüht sich der Kanzler zudem, die politische Front gegenüber Russland über den Kreis der westlichen Staaten zu erweitern.

Und Scholz macht fern der Heimat einen entspannten Eindruck. Ein Beispiel vom Sonntagabend in Niamey: Den Himmel über der Hauptstadt von Niger durchzucken Blitze, die ein nächtliches Gewitter ankündigen. Es ist schon spät und noch immer sehr warm. Scholz und seine Delegation stehen an der Hotelbar im Freien, Scholz trägt ein weißes Oberhemd ohne Sakko. Er hat ein Getränk in der Hand und unterhält sich über dies und das. Es geht viel, aber nicht nur um Politik.

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Auf der Afrika-Reise ist ein entspannter Kanzler zu erleben

Zweites Beispiel: Am Montag danach besucht der Kanzler Bundeswehrsoldaten, die eine Flugstunde von Niamey entfernt nigrische Spezialkräfte für den Kampf gegen Terrormilizen ausbilden. Der Tross nimmt ein A400M-Transportflugzeug, in dem auch Solodaten und Ausrüstung in den Einsatz geflogen werden. Einfache Sitzreihen sind entlang der Seiten angebracht, bei Start und Landung rüttelt es kräftig.

Auf dem Rückflug kommt der im Cockpit platzierte Kanzler in den Bauch des Flugzeugs, es ist sein erster Flug in einem A400M. Scholz schaut sich das Innere des Militärfliegers interessiert an und bleibt danach noch für einen Plausch mit den mitreisenden Journalisten.

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Der Alltag in Deutschland dürfte den Kanzler nach einer Nacht im Flieger am Mittwoch aber rasch wieder einholen. Im Kalender steht dann bereits die nächste Kabinettssitzung und Scholz wird wieder viel darüber lesen und hören, ob er das Land auf dem richtigen Weg durch die Krise um den Ukraine-Krieg steuert.

In einem am Dienstag veröffentlichten Stimmungsbarometer des Meinungsforschungsinstituts forsa lag Scholz nach deutlichen Verlusten im Politikerranking nur noch auf dem fünften Platz. Willkommen zurück.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.