Ukraine-Krieg

Ukraine-Krieg: Warum die Schlangeninsel Putin wichtig ist

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Miguel Sanches
Bombenangriff auf ostukrainische Schule: Selenskyi spricht von 60 Toten

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Nachdem ukrainische Behörden einen russischen Angriff auf ein Schulgebäude in der östlichen Region Luhansk am Samstag beklagten, schätzt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nun die Zahl der Todesopfer auf 60.

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Um die Schlangeninsel wird heftig gekämpft. Sie ist strategisch wichtig und für die Ukraine mehr als das: Warum sie ein Mythos ist.

Berlin. Aus der Vogelperspektive sieht die Schlangeninsel wie ein vielzackiges Puzzlestück aus. Wenn man es einmal einfügt, ist das Bild vom schwarzen Meer vollendet. Aber wer hat die Insel gerade, die Ukraine oder Russland?

Um den unscheinbaren, unwirtlichen Felsen wird gekämpft. Im Ukraine-Krieg ist die Insel strategisch wichtig. Wer sie besetzt, hat eine bessere Kontrolle der Schiffsrouten auf der Westseite der Bucht von Odessa.

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Schlangeninsel: Öde, strategisch wichtig

Satellitenbilder zeigten am Wochenende ein angeblich durch einen ukrainischen Raketenangriff getroffenes russisches Versorgungsschiff. Beide Kriegsparteien beanspruchen immerzu Erfolge für sich. Die Russen versuchen offenbar die Luftabwehr auf der Insel zu verstärken.

Für die Generäle um Russlands Präsidenten Wladimir Putin mag das Eiland nur das sein: eine Insel von strategischer Bedeutung. Für den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj, ein begnadeter Kommunikator, ist sie viel mehr: Ein Mythos, eine Heldengeschichte.

Kein Historiker, kein Buch, kein Dokumentarfilm über diesen Krieg wird die Schlangeninsel auslassen. Denn hier hat die Invasion am Morgen des 24. Februar begonnen. Das Kriegsschiff "Moskwa" kreuzte vor der Insel und rief die 13 ukrainischen Grenzwächter zur Kapitulation auf. Die berieten sich kurz und funkten zurück: "Russisches Kriegsschiff, fick dich".

Ukraine-Krieg: Die Symbolkraft des Widerstands

Kurze Zeit danach "wiederholte es die gesamte freie Welt", schrieb der Essayist Constantin Seibt im Online-Magazin "Republik". Tatsächlich findet sich der Funkspruch seither überall auf Protestschildern, Plakaten und sogar auf einer Sonderbriefmarke. Und der Soldat Roman Hrybow würde für seinen Funkspruch mit einer Medaille ausgezeichnet.

Die 13 Grenzsoldaten wurden erst gefangen genommen und später ausgetauscht. Die "Moskwa" mit 510 Matrosen, das Flaggschiff der Schwarzmeer-Flotte, ging später unter, eine russische Tragödie, für die Ukraine eine Genugtuung.

Die Insel ist winzig, ein Felsen, eine Anlegestelle, ein Leuchtturm, gerade mal 17 Hektar groß, Helgoland ist zehn Mal so groß. In der Antike wurde sie von Vögeln und Schlangen benannt. Sie wurde im Zuge eines Krieges mit der Türkei den Russen zugeschlagen, Ende des 19. Jahrhunderts gehörte sie zu Rumänien. Nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte die Sowjetunion, man habe sie vergessen, wolle sie von den Rumänen aber wieder haben.

Der rumänische Minister Eduard Mezincescu, der sie den Sowjets übergab, ließ sich etwas einfallen, um sie zu ärgern. Er wolle den Felsen erst inspizieren, und so mussten zwei Delegationen eine Inseltour zu Fuß unternehmen. "Mit diesem launischen Einfall habe ich die Unterzeichnung des Protokolls etwas verzögert.“ Soviel Ungehorsam musste sein.

Ukrainische Schlangeninsel: Eigentlich rumänisch?

Mit dem Ende der Sowjetunion wurde die Ukraine unabhängig, inklusive Schlangeninsel – zum Verdruss der Rumänen, die sie wieder haben wollten und den Internationalen Gerichtshof in Den Haag anriefen. Die Richter sprachen dem Kläger 80 Prozent der Wirtschaftszone zu, aber die Insel blieb Teil der Ukraine. Bis die "Moskwa" auftauchte.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de.