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Welthungerhilfe: Militärabzug aus Mali könnte Fiasko werden

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Miguel Sanches
Bis Mai muss entschieden werden, ob die Bundeswehr in Mali verbleiben soll.  Ein Abzug wird ernsthaft geprüft, ist aber politisch umstritten. Die Deutsche Welthungerhilfe warnt davor und befürchtet eine humanitäre Katastrophe wie nach dem Abzug aus Afghanistan.

Bis Mai muss entschieden werden, ob die Bundeswehr in Mali verbleiben soll. Ein Abzug wird ernsthaft geprüft, ist aber politisch umstritten. Die Deutsche Welthungerhilfe warnt davor und befürchtet eine humanitäre Katastrophe wie nach dem Abzug aus Afghanistan.

Ein Abzug der Bundeswehr aus Mali ist eine Option – nicht für die Welthungerhilfe. Sie warnt vor einem Fiasko wie ein Afghanistan.

Berlin. Die deutsche Welthungerhilfe hat vor einem "abrupten Abzug" der Bundeswehr aus Mali gewarnt. "Das würde die Probleme verschärfen", sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, unserer Redaktion. "Das ist eine der Lehren aus Afghanistan."

Mali: Welthungerhilfe warnt vor einem zweiten Afghanistan

Die aktuellen Erfahrungen in Afghanistan seien eine starke Warnung: "Wenn ein Land durch Sanktionen isoliert und die Arbeitsbedingungen für Hilfsorganisationen massiv eingeschränkt werden, leiden die Menschen, die ohnehin ums Überleben kämpfen", forderte Mogge. Trotz aller Probleme in Mali und der Region "darf sich Deutschland nicht abwenden".

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Die Welthungerhilfe rief die Bundesregierung dazu auf, "eine aktive Rolle" bei anstehenden internationalen Verhandlungen zu übernehmen und die Entwicklung des Landes in den kommenden Jahren "stärker zu begleiten". Deutschland habe keine koloniale Vergangenheit in Mali "und sollte seinen guten Ruf im Land für eine ehrliche Vermittlerrolle nutzen", sagte Mogge, Er warnte, die humanitäre Situation im westafrikanischen Land sei "dramatisch". Es befinde sich in einer der schlimmsten Krisen seit Jahren mit etwa 7,5 Millionen Menschen, die auf Hilfe zum Überleben angewiesen seien.

Mali – auch CDU-Verteidigungsexperte ist gegen einen Abzug

Die humanitäre Lage müsse bei künftigen Entscheidungen stärker als bisher beachtet werden. Hunger und Armut hätten in den letzten Jahren stark zugenommen. Sanktionen dürfen die Arbeit von internationalen, aber auch lokalen Hilfsorganisationen nicht behindern. Mali sei stark von Importen abhängig, eine Grenzschließung hätte zum Beispiel direkten Einfluss auf die Verfügbarkeit und die Preise von Nahrungsmitteln. "Es muss sichergestellt werden, dass der Zugang zur betroffenen Bevölkerung sowohl für Hilfsgüter als auch Personal gesichert ist. Dazu gehört auch, dass Gelder für Hilfsprojekte ungehindert ins Land kommen müssen", forderte Mogge.

Am Wochenende hatte die CDU-Opposition Alarm geschlagen, Ihr Verteidigungspolitiker Henning Otte warnte vor den Folgen eines Rückzugs der Bundeswehr aus dem westafrikanischen Krisenstaat. Die Lage in Mali sei nach Militärputschen zwar schwierig. Aber es widerspreche den deutschen Sicherheitsinteressen, wenn Westafrika weiter in den Machtbereich offizieller und inoffizieller Truppen Russlands und vor allem islamistischer Terroristen falle. Otte: „Die Sicherheit Deutschlands endet eben nicht am Mittelmeer." Ein Fall des Staates Mali würde "verheerende Auswirkungen auf die gesamte Sahelzone haben und den Weg für einen Terrorgürtel im Sahel öffnen, der Afrika und Europa bedrohen würde“, warnte er.

Bundesregierung: Ein "Weiter so" darf es nicht geben

Die Bundeswehr ist in Mali im Rahmen internationaler Missionen (MINUSMA, EUTM) engagiert. Es ist ihr aktuell größter Auslandseinsatz, Ende Mai laufen die Mandate der beiden deutschen Missionen aus. Nach fast neun Jahren wird eine Pause, eine kurze Verlängerung oder sogar ein Ende der Einsätze geprüft, zumal auch die frühere Kolonialmacht Frankreich einen Abzug erwägt.

"Unser Einsatz ist kein Selbstzweck", hatte die grüne Außenministerin Annalena Baerbock in einem Interview gesagt. Von der malischen Militärregierung wird ein Fahrplan für freie Wahlen und die Rückkehr zur Demokratie verlangt.

Mali: Zweifel haben selbst führende Militärs

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, sieht beim größten Auslandseinsatz im westafrikanischen Mali deutlich wachsende militärische und politische Gefahren."Wir haben dort eine Regierung, die wir als nicht demokratisch legitimiert verstehen. Dass diese erst in fünf Jahren Wahlen abhalten will, ist für uns ein untragbarer Zustand", machte er klar.

„Wenn sich in Mali nichts ändert, kann es ein einfaches ‚Weiter so‘ dort nicht geben“, sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD). Eigentlich sollen die rund 1.000 deutschen Soldaten und Polizisten in der UN-Stabilisierungsmission für Mali (MINUSMA) und die rund 100 Deutschen in der EU-Ausbildungsmission für Malis Armee (EUTM Mali) der Regierung des Landes helfen, die staatliche Autorität wiederherzustellen und eine funktionierende Armee aufzubauen.