Leitartikel

Kapitulation vor Omikron-Variante: Jetzt kommt es auf Sie an

| Lesedauer: 4 Minuten
Jan Dörner
Omikron-Subtyp: auch Berlin ist betroffen

Subtyp der Omikron-Variante- Das ist der aktuelle Wissensstand

Untersuchungen zufolge gibt es einen Subtypen der Omikron-Variante, der noch ansteckender sein könnte als das Original. Auch in Berlin verbreitet sich der Subtyp.

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Die Politik hat vor Omikron kapituliert, meint Jan Dörner. Nun appelliert sie an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.

Berlin. Ab sofort kommt es auf Sie an, ob und wann Deutschland aus dieser Pandemie noch einmal herausfindet. Ja, genau, auf Sie, liebe Leserinnen und Leser. Das ist zumindest die Botschaft die von der letzten Corona-Konferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz und den Ministerpräsidenten ausgegangen ist.

Das Beschlusspapier betont die Eigenverantwortung der Bürger in dieser Phase, in der die Rekordinfektionszahlen durch die Omikron-Variante das Land nach zwei Jahren Pandemie noch einmal vor eine ganz besondere Herausforderung stellen.

Corona: Schon vorher war jeder Einzelne verantwortlich

Nun ist es nicht so, dass es nicht schon vorher in der Verantwortung eines jeden Einzelnen lag, ob er bei Kopfschmerzen und Halsweh vorsichtshalber einen Test macht, bevor es zur Arbeit geht. Es war immer eine persönliche Entscheidung, ob man den offiziellen Kontaktauflagen zum Trotz eine größere Party mit Freunden feiert, weil der Geburtstag nun einmal ein runder ist.

Oder ob man Freizeit- und Reiseaktivitäten reduziert, um Schwächere in seinem Umfeld zu schützen, auch wenn man sich selbst vielleicht sicher fühlt.

In den vergangenen zwei Jahren auf viel verzichtet

Viele Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen zwei Jahren auf viel verzichtet, haben sich aus Sorge um die eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen aufs Sofa gesetzt, anstatt ihren Hobbys nachzugehen.

Und sicherlich hat der ein oder andere die offiziellen Regeln für ein paar Stunden auch einmal bewusst vergessen, wenn das Leben und die eigene Seele einfach mal wieder Lockerheit und Beisammensein eingefordert haben. Doch die Lage ist aktuell eine andere.

Der Staat geht in die Knie

Die Infektionsgefahr ist so schwer zu kalkulieren wie noch nie. Hinzu kommt: In der meisten Zeit der Pandemie hat der Staat neben den politischen Entscheidungen zu Kontaktbeschränkungen oder Geschäftsschließungen eine Infrastruktur bereitgestellt, die bei allen peinlichen Pannen und ärgerlichen Schwächen das Sicherheitsnetz für die vielen Verantwortlichen und die einigen Unverantwortlichen dieser Gesellschaft gewesen ist.

Damit ist es nun vorbei: Der Staat geht vor der Omikron-Variante in die Knie.

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Viele Infektionen werden nicht mehr erkannt oder gemeldet

Die flächendeckende Kontaktverfolgung wird offiziell eingestellt. Auch wenn die Ansteckungskurve in Deutschland nicht ganz so dramatisch steigt, wie zuvor in anderen europäischen Ländern, ist an eine zeitnahe Behandlung der zahlreichen Fälle durch die Gesundheitsämter längst nicht mehr zu denken. Wie auch?

Durch die vom Corona-Gipfel aufgrund fehlender Kapazitäten beschlossene Rationierung der zuverlässigeren PCR-Tests werden ohnehin viele Infektionen in den kommenden Wochen entweder gar nicht mehr erkannt oder zumindest nicht mehr offiziell gemeldet werden.

Wer dann morgens im Radio oder auf dem Handy die neuesten Zahlen des Robert Koch-Instituts zum Infektionsgeschehen erfährt, muss im Hinterkopf behalten, dass diese nur noch ein grobes Bild der Lage zeichnen werden.

Die Schwächsten unter uns nicht gefährden

Diese Kapitulation verpacken Bund und Länder in den Appell an die Eigenverantwortung. Was bleibt uns nun anderes übrig, als ohne das Sicherheitsnetz aufeinander aufzupassen? Zwar gibt es weiterhin die Hoffnung, dass Omikron leichtere Krankheitsverläufe als frühere Varianten des Coronavirus verursacht.

Aber allein durch die schiere Anzahl der Erkrankungen werden die Krankenhäuser vielerorts überfordert sein. Um den Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden, um die Schwächsten unter uns nicht zu gefährden, heißt es nun noch einmal für jeden Einzelnen: ganz besonders vorsichtig sein, sich regelmäßig testen, lieber einmal mehr als einmal zu wenig zu Hause bleiben.

Ein paar Wochen noch durchhalten, bis der Frühling kommt. Hoffentlich.