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US-Präsident Biden beschimpft Journalisten – Mikrofon ist an

| Lesedauer: 3 Minuten
Dirk Hautkapp
Biden ein Jahr im Amt: Das sagen US-Bürger

Biden ein Jahr im Amt: Das sagen US-Bürger

US-Präsident Joe Biden ist nun ein Jahr im Amt. Mit Schwung startete der Präsident, doch er konnte bislang nicht alle Erwartungen erfüllen. In Umfragen hat der Demokrat an Stimmen eingebüßt. Was denken US-Amerikaner heute von ihrem Präsidenten?

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Nach der Frage eines Journalisten rutscht dem US-Präsidenten eine vulgäre Beleidigung raus. Was hinter Bidens heftiger Reaktion steckt.

Washington. Sein Job ist es, den amerikanischen Präsidenten mit hochgradig nickeligen Fragen aus der Reserve zu locken. Peter Doocy macht diesen Job jeden Tag. Manchmal gut. Und oft so lausig, dass es sich Regierungssprecherin Jen Psaki inzwischen zum Hobby gemacht hat, den White-House-Korrespondenten des rechtspopulistischen TV-Kanals Fox News mit feiner Ironie auflaufen zu lassen.

Am Montag landet der Sohn von Steve Doocy, Gastgeber der einschaltquotenträchtigsten Frühsendung im US-Fernsehen (Fox & Friends), jedoch seinen bisher größten Treffer.

Für jeden hörbar: Biden rutscht Beleidigung raus

Er fragte Joe Biden am Rande eines offiziellen Auftritts zu einem anderen Thema per Zwischenrufer, ob die riesige Inflation für ihn vor den Zwischenwahlen im Kongress ein politisches Problem sei. Ein typischer Doocy. Scheinheilig – weil sonnenklar ist, dass die galoppierende Teuerungsrate Millionen Amerikaner gerade am politischen Sachverstand/Geschick des Präsidenten zweifeln lässt. Aber potenziell newsträchtig, wenn der Befragte dazu etwas vom Stapel lässt.

Und Biden ließ. Erst schüttelte er sanft den Kopf. Dann sagte der 79-Jährige leise, aber (weil sein Mikrofon noch angeschaltet war) für jedermann im Saal hörbar, dass Inflation ein „großartiger Pluspunkt” sei. Präsidialer Sarkasmus, der Sekunden später in ein deutliches „Was für ein blöder Hurensohn” mündete. Alles auf Film und Tonband festgehalten.

Biden hatte versprochen stets mit Respekt aufzutreten

Auch wenn man „stupid son of a bitch” mit „Mistkerl”, „Kotzbrocken” und „Schweinepriester” eindeutschen darf: Alles in allem nicht optimal für einen Präsidenten, von dem man weiß, dass er hinter verschlossenen Türen seine irischen Wurzel nicht verleugnen kann und gerne nach Herzenslust verbal loskachelt, inklusive F-Wort.

Der aber nach außen bei Amtsantritt versprochen hatte, an die Stelle des oft peinlich rauhen, sexistischen Tons von Vorgänger Donald Trump stets mit Respekt und Manieren vor anderen aufzutreten. Biden kündigte sogar an, dass in seiner Regierung jeder gefeuert würde, der sich gegenüber Journalisten nicht anständig verhält. Was tun?

US-Präsident ruft Journalisiten an

Anstatt sich selbst zu entlassen, griff Präsident Nr. 46 eine Stunde nach dem Ausrutscher zum Telefon und rief Peter Doocy an. Sagte Doocy am Abend seinem für ausgeprägte Biden-Geringschätzung bekannten Sender-Kollegen Sean Hannity. Es sei „nichts Persönliches, Kumpel”, habe Biden gesagt und sogar dafür Verständnis gezeigt, dass Doocy eben Fragen stellen müsse, die andere Medienvertreter nicht stellten.

Ob sich der Präsident entschuldigt habe, wollte Hannity wissen. „Er hat die Luft bereinigt”, sagte Doocy schmunzelnd, „und ich bin dankbar dafür. Wir hatten ein schönes Gespräch.”

P.S. Der Borniertheit geziehen zu werden, war für Peter Doocy keine Premiere. Zu Lebzeiten sagte der legendäre republikanische Senator und Präsidentschaftskandidat John McCain dem Jung-Reporter bei einem Interview ins Gesicht: „Warum sagst Du so was Dummes? Warum fragst Du so etwas Bescheuertes?”.

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