Junge Union

Zum Bewerbungsgespräch bei der Parteijugend

| Lesedauer: 4 Minuten
Alessandro Peduto
Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Helge Braun ließen sich von der Jungen Union "grillen".

Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Helge Braun ließen sich von der Jungen Union "grillen".

Foto: Kappeler/Pedersen/dpa

Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz stellen sich den Fragen der Jungen Union. Es geht auch viel um Rente und Cannabis.

Berlin/Frankfurt. Der Wunsch an die drei Gäste ist ziemlich eindeutig: Man wolle „kein typisches Politiker-Blabla“, sondern knackige Aussagen, sagt der Chef der Jungen Union (JU), Tilman Kuban, gleich zum Auftakt der digitalen Veranstaltung mit den drei Bewerbern für den CDU-Bundesvorsitz. Der konservative Parteinachwuchs hat Friedrich Merz, Helge Braun und Norbert Röttgen am Samstagabend nach Frankfurt am Main zum „Pitch“ geladen, um ihre Ideen für den Parteivorsitz zu hören. Die Bewerber treten nacheinander auf, dürfen erst zehn Minuten sprechen und müssen dann Fragen von JU-Mitgliedern beantworten.

Alle drei sind Bundestagsabgeordnete und fortan Mitglieder der größten Oppositionsfraktion. Womit ein zentraler Themenkomplex des Abends genannt ist: die Erneuerung der CDU nach der historischen Schlappe bei der Bundestagswahl und dem Machtverlust nach 16 Jahren an Regierung.

Friedrich Merz sieht eine „Sehnsucht nach Inhalten“

Merz, der als erster an der Reihe ist, beobachtet in der Partei eine „Sehnsucht nach Inhalten“, die CDU wolle und müsse diskutieren. „Wir müssen spannend sein“, fordert Merz, Themen setzen und die Debatten anführen. Dies müsse „in einem ordentlichen Ton“ passieren, den Merz auch für den Umgang zwischen CDU und CSU einfordert. Er wolle, dass sich Konflikte zwischen den beiden Schwesterparteien wie zuletzt in diesem Jahr nicht wiederholten.

Braun – derzeit noch geschäftsführender Kanzleramtschef - findet, die CDU müsse sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen. Das Konservative sei zuletzt nicht mehr erkennbar gewesen, beklagt der langjährige Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel. „Wir müssen die bürgerliche Mitte hinter uns versammeln“, fordert Braun. Zugleich müsse die CDU zeigen, dass sie interessant und modern sei. Auf die Frage, was er von den Ampel-Pläne zur Legalisierung von Cannabis hält, sagt Braun, er lehne dies auch als Mediziner ab und sei gegen die Freigabe weicher Drogen.

Norbert Röttgen sieht „keinen Mangel an Drogen in diesem Land“

Auch Röttgen lehnt die Pläne von SPD, Grünen und FDP zur Cannabis-Freigabe ab. Seine Begründung: Es bestehe „kein Mangel an Drogen in diesem Land“. Der CDU empfiehlt er, diesen Weg nicht mitzugehen. „Da läuft man Moden hinterher, weil man hipp sein will. Das halte ich für falsch“.

Was die Erneuerung der Partei anbelangt, so fordert Röttgen vor den JU-Mitgliedern vor allem eine stärkere Öffnung der CDU für Positionen junger Menschen. „Wir werden nur Volkspartei der Mitte bleiben, wenn wir den unbedingten Willen haben, für die Jungen zu werben“, sagt Röttgen. Dies gelte für die Sprache, die die CDU spreche, ebenso, wie für Themen, die dieser Altersgruppe wichtig seien, etwa das Klima.

Nur wenn die CDU die Klimafrage „glaubwürdig und kompetent beantwortet, werden uns junge Leute überhaupt zuhören“. Die Partei müsse zudem die Generationengerechtigkeit zu ihrem Markenkern machen. Das muss nach Röttgens Worten auch bei der Rente gelten. Es sei kein Spielraum mehr für Leistungen, die nicht beitragsgedeckt seien.

Merz hofft auf Vorschläge zur Alterssicherung - wie die Ampel

Merz betont auf eine Frage, er beobachte ein hohes Interesse der Jungen an Themen der Alterssicherung und wünsche sich, dass der Bundesvorstand der Jungen Union „sich mal von sich aus daransetze“ und konkrete Vorschläge zur Rente zu machen. Er sei „offen für weitere Vorschläge“.

Er selbst sei der Überzeugung, dass die umlagefinanzierte Rente in Zukunft „nicht mehr den Lebensstandard im Alter sicherstellt“. Daher müssen sehr schnell eine Kapitaldeckung bei der Rente dazukommen, da seien andere Länder wesentlich weiter als Deutschland. Die Politik müsse vor allem dafür sorgen, „dass die jüngere Generation eine kapitalgedeckte Altersvorsorge aufbaut“. Auch der Nachhaltigkeitsfaktor in der gesetzlichen Rente müsse wieder eingeführt werden.

Unerwähnt lässt der Oppositionspolitiker Merz, dass genau diese beide Vorhaben im Koalitionsvertrag der Ampel-Partner festgeschrieben sind.