Koalitionsverhandlungen

Rente: Experte warnt vor Preis-Schock bei Beiträgen

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Ab 2025 könnte Rentenniveau sinken und die Beiträge steigen.

Ab 2025 könnte Rentenniveau sinken und die Beiträge steigen.

Foto: Michael Gstettenbauer/Imago

2025 wird das Rentenniveau sinken, die Beiträge werden steigen, sagt Rentenexperte Axel Börsch-Supan. Die Ampel-Pläne würden so teuer.

Berlin. 
  • Wie wird die Rente reformiert? Das ist eine der großen Fragen in den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP
  • Ein Experte hält von den Vorschlägen im Sondierungspapier nicht so viel
  • Er warnt davor, dass die Rente so viel zu teuer werden würde

Die Rente steht auf der Agenda bei den Koalitionsverhandlungen der Ampel-Partner. FDP, SPD und Grüne haben bereits zugesichert, dass sie die gesetzliche Rente „stärken und das Mindestrentenniveau von 48 Prozent sichern“ wollen, heißt es im Sondierungspapier. Zudem soll es „keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben“. Doch zugleich sollen neue Komponenten dazu kommen. Künftig soll es sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Rente einen Aktieneinstieg geben. Vor allem Grüne und FDP hatten sich in ihren Wahlprogrammen für entsprechende Änderungen ausgesprochen.

Laut dem Rentenexperten Axel Börsch-Supan könnte das jedoch zu einem „Finanzschock“ führen. „Weil die Beiträge und die Steuerzuschüsse zur Rente dann kräftig in die Höhe gehen müssen“, sagt er im Interview mit dem „Tagesspiegel“. „In den nächsten drei, vier Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, das heißt, es kommen mehr als drei Millionen neue Rentner dazu“, so Börsch-Supan. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und leitete die Rentenreformgruppe der „Rürup“-Kommission.

Experte: Rente wird ab 2025 gar nicht mehr oder kaum steigen

Börsch-Supan sieht im Sondierungspapier der Ampel-Parteien eine „Verlagerung der Zumutungen auf die Jungen“. Ab dem Jahr 2025 wird die Generation der Babyboomer in Rente gehen. Gleichzeitig enden die gesetzlich vorgegebenen Haltelinien, die das Rentenniveau stabil auf 48 Prozent halten. Schon heute leidet die Rentenversicherung darunter, dass die Geburtenrate niedrig ist, während die Lebenserwartung weiter steigt. „2025 muss der Nachhaltigkeitsfaktor nachholen, welche demographischen Veränderungen es seit 2018 – also seit dem Aussetzen des Nachhaltigkeitsfaktors – gegeben hat. Er wird das Rentenniveau deutlich absenken und die Beiträge deutlich heraufsetzen. Das ist der Finanzschock, von dem wir sprechen“, sagt Börsch-Supan.

Das würde auch bedeuten, dass die Rente dann nicht mehr oder nur noch wenig steige. Rentenkürzungen sind – immerhin – nach geltendem Recht ausgeschlossen. „Insofern macht Olaf Scholz mit seinem Versprechen von stabilen Renten nichts anderes als das geltende Recht zu referieren. Allerdings können die Beiträge kräftig steigen. Auch hier ist es so: Es schadet den Jungen mehr als den Alten.

Will man die Haltelinien auch über 2025 hinaus verlängern, müsste ein neuer, deutlich höherer Bundeszuschuss eingeführt werden, sagt Börsch-Supan. „Wir haben Modellrechnungen, wonach die Rente dann zunächst die Hälfte des Bundeshaushalts verschlingen würde und später sogar noch mehr. Das wäre absurd.

Aktienrente: Nur sehr langfristig sinnvoll

Die Zahl der Beitragszahler zu steigern sei schwierig, meint der Rentenexperte. Die Frauenerwerbstätigkeit sei bereits hoch, damit Migration eine Lösung sein könnte, bräuchte Deutschland noch höhere Immigrationsraten als 2015, sagt er. Börsch-Supan spricht sich zwar dafür aus, Pensionen abzuschaffen und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubinden – finanziell würde aber auch das nichts bringen. „Langfristig wären Beamte finanziell sogar eher eine Belastung, weil sie eine höhere Lebenserwartung haben und daher lange Zeit Rente beziehen würden“, sagt Börsch-Supan.

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Das Sondierungspapier der Ampel-Parteien sieht eine Aktienrente vor, also einen Teil der Rentenbeiträge am Kapitalmarkt anzulegen. „Sehr langfristig gesehen“ sei das der richtige Schritt, so Börsch-Supan. Doch kurzfristig bringe es gar nichts, da man dem Rentensystem Geld entnehme und es woanders hin schiebe. Gleichzeitig sieht er noch viele ungeklärte Fragen, etwa, wer die Fonds verwalten soll.

Einen Vorschlag zur Abwendung des Finanzschocks hat Börsch-Supan jedoch: „Man könnte schon jetzt die Haltelinien lockern, damit der Abfall des Rentenniveaus 2025 nicht so dramatisch wird und es keinen Schock gibt. Man könnte also etwa das Rentenniveau in den nächsten fünf Jahren langsam auf 46 Prozent senken.“ (bef)