Gewalttat

Britischer Abgeordneter nach Messerangriff gestorben

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Peter Stäuber
Großbritannien: Abgeordneter stirbt nach Messerattacke

Großbritannien: Abgeordneter stirbt nach Messerattacke

Der Tory Abgeordnete David Amess wurde auf einer Bürgersprechstunde niedergestochen. Er erlag wenig später seinen Verletzungen.

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Ein Tory-Abgeordneter ist laut Berichten bei einer Messerattacke in seinem Wahlkreis ums Leben gekommen. Ein Mann wurde festgenommen.

London. Es war eine alltägliche, denkbar harmlose Szene: Die routinemäßige Bürgersprechstunde, abgehalten in einer Kirche, die in einem Wohnquartier in Leigh liegt, einem Örtchen an der Themsemündung. Aber für den Abgeordneten David Amess, der in seiner Karriere schon hunderte solcher Sprechstunden abgehalten hat, endete der Tag tödlich: Um die Mittagszeit trat ein 25-jähriger Mann auf ihn zu und stach mehrmals mit einem Messer auf ihn ein. Er wurde von den Notfalldiensten noch am Tatort operiert, aber wenige Stunden später erlag er seinen Verletzungen.

Tödliche Atacke auf David Amess: Schock für die britische Politik

Der 69-jährige Amess war Abgeordneter für die Tory-Partei, und das schon seit fast vierzig Jahren. Er galt als engagierter Politiker, der sich stark für die Bürger seines Wahlkreises einsetzte, Southend West in der Grafschaft Essex. Er sei einer der „liebenswürdigsten, nettesten und sanftesten Menschen in der Politik gewesen“, sagte Premierminister Boris Johnson.

So äußerten sich auch andere Parteikollegen und Freunde. Oppositionspolitiker aus allen Parteien gaben ihrem Schock und ihrer Trauer Ausdruck. Labour-Chef Keir Starmer sprach von einem „dunklen und erschütternden Tag“. Im Regierungsviertel Westminster wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Amess wurde 1983 erstmals ins britische Unterhaus gewählt. In sozialen Fragen war er dezidiert konservativ – etwa beim Schwangerschaftsabbruch oder der gleichgeschlechtlichen Ehe. Auch war er ein entschlossener Befürworter des EU-Austritts. Er setzte sich zudem sehr für einen besseren Tierschutz ein.

Britischer Abgeordneter getötet: Attacke in Wahlkreis

Der Mord an Amess hat dunkle Erinnerungen an die tödliche Attacke auf die Labour-Politikerin Jo Cox geweckt, die 2016, kurz vor dem EU-Referendum, von einem Rechtsextremen erstochen und erschossen wurde. Auch jener Mord geschah bei einer Bürgersprechstunde. Dies ist eine Eigenheit des britischen Politbetriebs: Bei diesen sogenannten constituency surgeries setzen sich die Abgeordneten regelmäßig Wahlkreis mit Bürgerinnen und Bürgern zusammen, um über deren Probleme und Anliegen zu sprechen – es eine wichtige Institution in der britischen Demokratie.

Brendan Cox, der Witwer von Jo, twitterte kurz nach dem Anschlag auf Amess: „Eine Attacke auf unsere gewählten Vertreter ist eine Attacke auf die Demokratie selbst. Es gibt keine Ausrede, keine Rechtfertigung. Es gibt nichts Feigeres.“

Zwar wurden in den vergangenen Jahren, nach dem Mord an Jo Cox und Terroranschlägen in Westminster, die Sicherheitsvorkehrungen für Politiker verbessert. Aber diese beschränken sich vornehmlich auf das Regierungsviertel selbst - bei der Bürgersprechstunde bleiben Abgeordnete relativ ungeschützt. Innenministerin Priti Patel sagte am Freitagabend, dass „zu Recht Fragen gestellt werden über die Sicherheit unserer gewählten Repräsentanten“. Sie werde zu gegebener Zeit ein Update geben, wie die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden sollen.

Der 25-jährige Tatverdächtige wurde noch am Tatort festgenommen. Über das Motiv des Täters ist bislang noch nichts bekannt – die Anti-Terror-Behörde unterstützt die Polizei bei ihren Untersuchungen.