Umfrage

Corona: Impfung wird immer noch von jedem Zehnten abgelehnt

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Julia Emmrich
Corona-Impfquote in Deutschland offenbar höher als angenommen

Corona-Impfquote in Deutschland offenbar höher als angenommen

Die Impfquote unter den Erwachsenen in Deutschland ist dem Robert-Koch-Institut zufolge höher als bislang angenommen. Unter den Erwachsenen sind einer neuer Erhebung zufolge 84 Prozent mindestens einmal geimpft, vollständig geimpft sind demnach bis zu 80 Prozent.

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Eine Umfrage zu Corona zeigt die Einstellungen der Ungeimpften. Bei vielen Impfgegnern spielt die politische Einstellung eine Rolle.

Berlin. Wer sind die Ungeimpften? Was wissen wir über Alter, Herkunft, Schulabschluss und politische Einstellungen? Und warum wollen sie sich nicht impfen lassen? Antworten auf diese Fragen gibt jetzt eine große repräsentative Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die an diesem Freitag veröffentlicht wird. Sie lag unserer Redaktion vorab vor. Die Ergebnisse sind überraschend deutlich.

Für die Studie zur Corona-Schutzimpfung in Deutschland (CoSiD) wurden im Juli 3832 Personen ab 16 Jahre befragt. Zum Befragungszeitpunkt im Juli 2021 gaben 81 Prozent an, bereits mindestens einmal geimpft zu sein, 19 Prozent hatten noch keine Corona-Impfung erhalten.

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CoSiD-Studie: Die Hälfte will sich nicht impfen lassen

Dieser Wert unterscheidet sich von den damals offiziell gemeldeten Impfzahlen. Das RKI erklärt diesen Unterschied mit einer Untererfassung von rund fünf Prozent bei den Meldezahlen und einer ähnlich großen Übererfassung in Umfragen.

Von den Ungeimpften der CoSiD-Studie wollte sich etwa die Hälfte auch in Zukunft nicht impfen lassen (52 Prozent). Weitere 21 Prozent waren unentschlossen. Demgegenüber gab rund ein Viertel der noch Ungeimpften (27 Prozent) an, sich auf jeden Fall beziehungsweise eher impfen lassen zu wollen. Heißt: Etwa jeder Zehnte über 16 Jahre lehnt eine Impfung ab.

Impfbereitschaft in Gruppe ohne Migrationserfahrung höher

Interessant: Der Anteil der Ungeimpften lag unter den Personen, die nicht in Deutschland geboren wurden, im Sommer laut Studie deutlich höher als in der Gruppe ohne Migrationserfahrung – 27 Prozent (gegenüber 19 Prozent) waren demnach noch ungeimpft. Gleichzeitig aber war in dieser Gruppe die grundsätzliche Impfbereitschaft deutlich höher als in der Gruppe der in Deutschland Geborenen.

Viele Zuwanderer dürften inzwischen also immunisiert sein. In der Gruppe der Ungeimpften sahen die Forscher zudem bei den Älteren ab 75 Jahre, bei Personen mit höherer Bildung und auch bei den Frauen eine stärkere Tendenz, sich doch noch impfen zu lassen.

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Persönliche Schutz als Hauptgrund für eine Impfung

Bemerkenswert sind auch die Motive für die Impfentscheidung: Für Ungeimpfte, die unentschlossen sind oder beabsichtigen, sich noch impfen zu lassen, ist der persönliche Schutz vor Ansteckung laut Umfrage mit 54 Prozent der Hauptgrund für eine Impfung. 35 Prozent der Befragten wollen dadurch zu einem normalen Leben zurückzukehren.

Befragte, die eine Impfung eher ablehnen, erklären das mit dem nach ihrer Meinung noch zu wenig erforschten Impfstoff beziehungsweise den Nebenwirkungen. Viele halten es zudem für unwahrscheinlich, sich mit dem Virus zu infizieren, und schätzen eine Infektion als weniger gefährlich ein. Auch halten überzeugte Impfgegner die Corona-Schutzimpfung oft für nicht wirksam.

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Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen

Sehr deutlich wird auch der Zusammenhang von politischen Einstellungen und Impfverhalten: In der Befragung äußerten Ungeimpfte, die sich auch künftig nicht impfen lassen wollen, große Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen im Land.

Bei vielen herrscht Politikverdrossenheit: „Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht“, glauben 77 Prozent der Impfgegner. „Leute wie ich haben sowieso keinen Einfluss auf die Politik unseres Landes“, denken immerhin 60 Prozent.

Nur wenige mit sozialer Gerechtigkeit zufrieden

Weniger als jeder Fünfte stimmt der Aussage zu, dass man in Deutschland seine Meinung immer frei äußern könne, ohne Ärger zu bekommen. Und nur etwa jeder Zehnte erklärte, er sei mit der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland „alles in allem zufrieden“.

Skepsis gibt es auch gegenüber Migranten: „Die Zuwanderung von Ausländern stellt eine Bereicherung für unsere Gesellschaft dar“ – diesen Satz würde nur jeder Vierte Impfgegner unterschreiben.

Experten werben für gut verständlichen Informationen

Die Experten der BZgA sehen die Studienergebnisse als Herausforderung: „Diejenigen unter den Ungeimpften, die noch unentschlossen sind oder sich eher nicht impfen lassen wollen, können noch erreicht werden“, sagte Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale, unserer Redaktion. „Ihre Haltung ist weniger verfestigt als diejenige von Personen, die sich auf keinen Fall impfen lassen wollen.“

Und: „Obwohl ein Großteil der Bevölkerung angibt, gut bis sehr gut über die Corona-Schutzimpfung informiert zu sein, fühlt sich mehr als die Hälfte der Unentschlossenen nicht gut zu Verträglichkeit und Nebenwirkungen der Impfung informiert.“

Es falle ihnen schwerer, Informationen über die Corona-Schutzimpfung zu beurteilen und anhand dieser Informationen eine eigene Entscheidung zu treffen. Es sei deswegen wichtig, so Dietrich, auf Unentschlossene mit gut verständlichen Informationen zuzugehen und ihre Fragen verlässlich zu beantworten.